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Wo der Handel mogelt

Handel

Großpackungen bis zu 200 Prozent teurer

> Der schnelle Einkauf kann teuer werden. Wer meint, dass Großpackungen wegen des Mengeneffektes preiswerter sind, der kann irren. Eine aktuelle Studie der Universität Hohenheim ermittelt Preisaufschläge auf Groß- und Familienpackungen in Deutschland und Frankreich.
Durchgeführt wurde die Studie unter Dr. Eckhard Benner aus dem Fachbereich Agrarmärkte und Agrarmarketing.

Produkte querbeet
Verbraucher gehen n der Regel davon aus, dass sie beim Kauf von Groß- bzw. Familienpackungen einen Mengenrabatt bezogen auf den Grundpreis (Preis pro Mengeneinheit) erhalten. Diese Regel trifft auch bei der Mehrzahl der am Markt angebotenen Waren zu. Allerdings zeigten Studien aus USA, Großbritannien, Kanada und Griechenland bereits, dass die Erwartung auf einen Preisnachlass nicht immer gerechtfertigt ist, sondern Grundpreisaufschläge von bis zu 100 Prozent vorkommen. Für den deutschen Markt fehlte bisher eine wissenschaftliche Untersuchung, Die Hohenheimer Studie untersuchte die Preisauszeichnung in Deutschland und Frankreich. Insgesamt gingen 19 deutsche und acht französische Einkaufsstätten des Lebensmitteleinzelhandels unterschiedlicher Handelsketten in die Untersuchung ein. Grundpreisaufschläge wurden in 15 der deutschen und sechs der französischen Einkaufsstätten beobachtet, so die Studie. In Deutschland wurden 122 und in Frankreich 96 Produkte mit Preisaufschlägen identifiziert.
Nachgewiesen wurden Aufschläge sowohl bei Lebensmitteln als auch bei Drogerieartikeln. Letztlich ist so gut wie keine Produktkategorie ausgenommen: Betroffen sind so unterschiedliche Produkte wie Schokolade, Fischstäbchen, Käse, Konservengemüse, Frühstückscerealien, Haselnusskerne, Bratfette, Mehl, Wurst, Waschpulver, Rasierklingen und Windeln. Von Preisaufschlägen sind überwiegend Markenprodukte betroffen ? aber es gibt sie auch bei Handelsmarken.
Am häufigsten waren in Deutschland mit 40 Produkten Süßwaren betroffen, während der Handel in Frankreich bei 24 Kühlprodukten Käse, Fisch und Wurst und bei 24 Konserven mogelt. Im Süßwarenbereich treten Preisaufschläge zudem vermehrt zur Weihnachts- und Osterzeit auf.

Wie viel?
Die Ursachen von Preisaufschlägen sind vielfältig. So können sie durch Auszeichnungsfehler der Mitarbeiter, durch temporäre Verzerrungen aufgrund von Sonderangebotsformen oder eben auch durch die Preispolitik der Hersteller und vor allem der Händler zustande kommen, fassen die Autoren zusammen.
Die Häufigkeit der Preisaufschläge ist je nach Einkaufsstätte unterschiedlich. Sie lagen zwischen einem und 49 Produkten. Die Erhöhung lag dabei zwischen 0,17 und 216 Prozent in Deutschland. Die Franzosen begnügen sich mit der Spanne zwischen 0,17 und 63 Prozent. Die Vermarktung von Großpackungen mit Grundpreisaufschlägen geht oft mit separater Platzierung der teureren Produkte einher, so dass ein direkter Preisvergleich erschwert ist. Darüber hinaus können die im Grundpreis teureren Großpackungen auch mit Zusatzbeschriftungen wie ?Angebot?, ?Aktion?, ?XXL Sparpack?, ?Vorteilsgröße?, ?Geschenkpackung? und ?Vorratspackung? versehen sein, die einen Preisvorteil suggerieren.
Einkaufsstätten, in denen keine Grundpreisaufschläge beobachtet wurden, vermarkten zwar auch verschiedene Packungsgrößen, die Produkte stammen jedoch von unterschiedlichen Herstellern oder werden unter verschiedenen Marken angeboten.

Selber rechnen
Die Untersuchung zeigt auch, dass die gesetzliche Grundpreisauszeichnung nicht lesbar, falsch und sogar nicht vorhanden sein kann. Generell vereinfacht sie den Verbrauchern einen Preisvergleich zwischen unterschiedlichen Verpackungsgrößen. Insgesamt wurden in sechs deutschen und zwei französischen Geschäften Mängel festgestellt. Der Preisvergleich kann aber auch nur erschwert sein, wenn unterschiedliche Maßeinheiten angenommen werden: mg, g oder kg; oder Liter oder Gramm.
Die Hohenheimer Untersuchung zeigt, dass Verbraucher entgegen ihrer Erwartungen im Einzelhandel damit rechnen, für Groß- oder Familienpackungen einen Preisaufschlag zu zahlen. Auch müssen sie sich darauf einstellen, dass es sich bei ?Angeboten? nicht immer um solche handelt. Die Verfasser der Studie raten daher den Konsumenten, Preise sehr aufmerksam zu prüfen. Sie weisen aber auch darauf hin, dass in erster Linie die zuständigen Behörden gefordert seien, denn sie müssen dafür Sorge tragen, dass die Grundpreisauszeichnung nicht nur vorhanden, sondern auch richtig ist.
Bevor die Behörden allerdings eingreifen können, müssen sie auch über Verstöße unterrichtet sein: Meckern im Geschäft hilft gelegentlich auch schon.

roRo

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