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Ab wann ist es Gentechnik?

Landwirtschaft

CRISPR und Co. in der Diskussion

Wissenschaft lebt von Verschiebung der Grenzen und Entwicklung neuer Technologien. So auch die Pflanzenzüchtung. Seit im Jahr 2012 mit Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats (CRISPR) eine Art „Genschere“ entwickelt wurde mit der punktgenau ein Genom „editiert“ werden kann und sich anhand des Endproduktes nicht mehr unterscheiden lässt, ob es konventionell oder biotechnologisch entstanden ist, streiten sich die Fachleute darüber, ob das schon oder noch Gentechnik ist.

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages kommt zu keiner Entscheidung, weil sich per Gutachten die Experten selbst nicht einig sind. In der EU ist für die Gentechnik nicht nur das Produkt, sondern auch das Verfahren für die Einteilung bedeutsam. Das US-Ministerium hingegen schreibt dem CRISPR und anderen vergleichbaren Verfahren keine Sonderstellung zu, da keine Gene anderer Spezies verwendet werden.

In Deutschland interpretieren ein Gutachten des BUND und eines vom Bundesamt für Naturschutz CRISPR als biotechnologisch, die Stellungnahme des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hingegen nicht.

Im Bereich der roten Gentechnik sind die bisherigen „alten Methoden“ weniger umstritten. In Deutschland sind aktuell 191 Arzneimittel mit 151 Wirkstoffen aus gentechnologischer Produktion im Handel. Streit gibt es nur in der Landwirtschaft.

Die neuen Methoden beleben jedoch auch die anfängliche Diskussion in der Humanmedizin, seit im April 2015 Wissenschaftler die Genschere an einem nicht entwicklungsfähigen Embryo anwendeten. Sie veränderten ein Gen, das eine Blutbildungsstörung hervorgerufen hätte. Die Mediziner sind hier wieder an eine ethische Grenze gelangt, einen Menschen vor einer schweren Erbkrankheit zu bewahren oder die Finger von der Keimbahn zu lassen.

In Deutschland sprechen sich die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, acatech (Deutsche Akademie der Technikwissenschaften) und die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften sowie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) für ein internationales Moratorium aus, bei dem alle gezielten Keimbahninterventionen beim Menschen verboten sind.

Lesestoff:

Die forschenden Pharma-Unternehmen: www.vfa.de/gentech

Roland Krieg

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