Menü

Agrarpolitik und-märkte 2020

Landwirtschaft

Wie wird das Jahr 2020?

Das neue Jahr

Die nächsten zwölf Monate nehmen Themen wie Klima, Dünge-Verordnung und Tierwohl aus dem alten Jahr mit. Auch das Thema Brexit ist alt – möglicherweise aber in weniger als 30 Tagen vollzogen und damit neu aufgestellt. Alt ist auch die Frage nach der Haltbarkeit der Großen Koalition. Sie wird regelmäßig neu gestellt. Die Fachreferenten des Deutschen Raiffeisenverbandes gehen von neuen, sozialdemokratischen Impulsen des Führungsduos für die Bundesregierung aus. „Trotzdem wird die Union aktuell wohl kein gesteigertes Interesse an vorgezogenen Neuwahlen haben“, heißt es im DRV-Ausblick 2020. Aus Sicht der Agrarpolitik steht zu viel auf dem Spiel.

Gleich der Januar bietet einen vielfältigen Start in die Agrarpolitik. Verbände und Julia Klöckner starten mit der Zukunftskommission Landwirtschaft. Überfällig ist die Sektorstrategie der Milchwirtschaft. Für die Milchbauern und Verarbeiter greifen vegetarische Milchprodukte vermehrt über das Image der Milch auf den Markt zu.  Ebenfalls im Januar soll der Referentenentwurf des neuen Weingesetzes fertig sein. Das germanische Weinqualitätssystem soll dem romanischen nach Lagenherkünften angepasst werden. Nachdem die Afrikanische Schweinepest Ende 2019 noch näher an Deutschland herangerückt ist, steht der Branche ein qualvolles Jahr bevor. Ein Ausbruch der ASP führt nicht nur bei Schweinehaltern zu einem ordentlichen Markt-Ruckeln und zu einer Delle beim Export, ein Stand-still im Ausbruchsgebiet betrifft auch den Ackerbau. Je nach Jahreszeit sind Aussaat, Pflegemaßnahmen oder die Erne betroffen.

Im Rahmen der Digitalisierung steht das Thema Datenhoheit ganz oben auf der Liste. Die ersten Gespräche mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft werden 2020 weiter geführt. Neu und schon einen Blick auf Übermorgen wirft das „Verbandssanktionengesetz“. Das ist derzeit erst inoffiziell in Arbeit. Hintergrund sind deutlich schärfere Sanktionen für Unternehmen bei kriminellen Tätigkeiten. Werden Verbände kriminell droht sogar die Auflösung, die einer Liquidierung des Verbandes gleich komme.

Das Wetter

Vor dem Blick auf die Ackerbaumärkte ist der Blick auf die Wetterkarte wichtig. Dem Tiefdruckgebiet gelingt es nicht, sich über Skandinavien festzusetzen. Immer wieder strömt warme Luft auf der Südseite nach Europa. Milde Temperaturen gelten bis zum 12. Januar als sicher. Sollte sich die Kaltluft über Neufundland festsetzen schaufelt das sich gegen den Uhrzeigersinn drehende Tief weiter „warme Luft“ nach Europa. Der Deutsche Wetterdienst hält sogar einen Ausfall des Winters für möglich.

Die EU-Kommission hat bislang noch keine Aushärtung der Winterkulturen in Europa und am Schwarzen Meer feststellen können. Um den 20. Januar gibt es den nächsten Vegetationsbericht. Frostharte Getreidekulturen sind nicht „ab Werk“ frosthart, sondern brauchen eine graduelle Härtung, damit sie Temperaturen von minus 20 oder gar minus 25 Grad aushalten können. Nur dann ruht der Stoffwechsel und die Pflanzen ruhen bis zur Frühlingssonne. Die kitzelt die Pflanzen wach und gibt ihnen den Wachstums- und Ertragsvorsprung, den sie vor den Sommerkulturen haben. Fehlt der Winter verausgaben sich die Winterkulturen auch in den warmen Wintermonaten. Ganz schlimm wird es, friert es spät im März oder April. Dann „wintern“ die Kulturen aus. So bleibt das warme Winterwetter für die Ertragsprognosen risikobehaftet. Und der Ausblick auf die Marktpreise vage.

Getreide

Über die Feiertage gab es keine ungedeckte Nachfrage. Die Preise trudeln auf stabilem Niveau in das neue Jahr. Die deutsche Winterweizenfläche für 2020 ist rund vier Prozent niedriger ausgefallen. Das zeichnet sich in den Preisen jedoch nicht ab. Nervöser sind die Händler wegen der negativen Meldungen aus den USA (zu nass) und der Ukraine (zu trocken). Die Aussicht EU-Weizen in Drittländer zu exportieren sind nach französischen Marktmeldungen gut. Mitte Dezember kostete eine Tonne Brotweizen ab Rouen fünf US-Dollar weniger als aus Russland. Argentinien will zudem die Exportzölle anheben und könnte damit Agrarprodukte für den Weltmarkt teurer machen. Auf dem Binnenmarkt zeichnet sich keine Belebung ab. Woher soll in Europa auch eine zusätzliche Nachfrage nach Brotgetreide kommen? Lediglich der Futtergetreidemarkt zeigt sich wegen der späten Maisernte belebter. Langfristige Futterkontrakte sollen aber schon sehr zögerlich behandelt werden. Die an der Oder angekommene Afrikanische Schweinepest wirft erste Schatten auf die Notierungen. Zudem sinken die Tierzahlen im Schweinebereich und vor allem die Niederlande reduzieren wegen Nährstoffüberschüsse ihren Tierbestand. Die Futtermischer blicken auf ein unsicheres Jahr.

Raps und Ölsaaten

Der Rapsmarkt befindet sich im Winterschlaf. Restmengen zu höheren Preisen können nicht abgesetzt werden. Wie die neue Ernte durch den Winter kommt, bleibt für den Raps offen. 400 Euro pro Tonne wurden im Dezember vereinzelt in Ostdeutschland gezahlt. In West- und Norddeutschland hoffen die Anbieter auf das gleiche Niveau und halten sich bedeckt. Für Sojaöl- und Sojaschrot zeichnet sich eine Beruhigung in Chicago ab – sofern die USA und China jetzt doch endlich ihren Handelsstreit beenden wollen. China wird durch den Einkauf von US-Soja die Preise hoch halten.

Kartoffeln

Weihnachten ist vorbei, die Konsumenten reduzieren ihre Nachfrage. Verarbeiter haben sich traditionell für den Januar versorgt und fragen keine Ware mehr nach.

Zucker

Auch wenn die Preise keinen Optimismus ausstrahlen, das Umfeld für den Rübenanbau bessert sich täglich – so ein Experte. 270 Euro je Tonne Rohzucker an der Dezember-Börse in New York sind nicht viel, aber 14 Prozent Plus gegenüber September. In London notierte Weißzucker im Dezember bereits bei 352 US-Dollar je Tonne. Die Mini-Hausse resultiert aus einem weltweit geringeren Angebot aus Indien, Brasilien und Thailand. Die globalen Bestände schrumpfen, wie viel Gold der Zuckermarkt 2020 bietet … Eher interessant ist die Frage, wie lange sich ein hoher Preis 2020 halten kann.

Höhenflug Schweinepreise

Das Wohl und Wehe des Schweinemarktes hängt doppelt von China ab. Das Reich der Mitte kann das für den Menschen ungefährliche Virus nicht unter Kontrolle bringen. Schweinefleisch im Land ist knapp. Der Importdruck immens. Die deutschen Produzenten mit China-Lizenz freuen sich über hohe Preise in China, die sich auch beim deutschen Konsumenten bemerkbar machen. Die Konsumenten murren, zahlen aber. Der Freude auf dem Binnenmarkt kann das Virus beim Ausbruch innerhalb Deutschland ein jähes Ende bereiten. Solange aber treibt China den Markt vor sich her. Umgerechnet kostet ein Kilo bereits 5 Euro und Schweinefleisch ist in China knapp geworden. Das Schwein gilt den Chinesen als Symbol für Wohlstand und Glück. Der Importsog ist nicht nur ernährungsbedingt. Es geht aber auch um die deutsche Wurst. Den hiesigen Herstellern ist der Rohstoffpreis davon geklettert. Über den LEH bekommen sie die Preise nicht rein. Die Wurst im Regal hat einen stabilen Preis.

Importbedarf an Rindfleisch

Seit über einem Jahr geht das Angebot an schlachtreifen Rindern zurück. Der Bestandsabbau wegen aussortierter Milchkühe macht sich bemerkbar. Lediglich bei Jungbullen stabilisiert sich der Markt. Deutschland muss Rindfleisch weiterhin importieren und bislang hat Argentinien seine Chancen wahrnehmen können. Mit den neuen Quoten für antibiotikafrei aufgezogenes Rindfleisch aus den USA kommt auch das eine oder andere Kilo in die Bundesrepublik. Die Situation auf dem Rindfleischmarkt gilt weiterhin als schwierig. Der Abgang von Milchkühen wird auch 2020 anhalten. Im Außer-Haus-Verzehr bevorzugen die Deutschen aber Rind. Zu Hause kommt mehr Schweinefleisch auf den Tisch. Daher steigt der Bedarf an hochwertigen Rinderteilstücken, die kaum aus Deutschland kommen werden. Seitens der Verbraucher dürfte die Hoffnung überwiegend, dass Mercosur schnell in Kraft tritt. Die Blauzungenkrankheit im Süden Deutschlands verhindert eine Intensivierung des Angebots.

Roland Krieg

© Herd-und-Hof.de Nutzungswünsche: https://herd-und-hof.de/impressum.html

Zurück