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Agri-Studie zu Effekten der Digitalisierung

Landwirtschaft

Ziele der Digitalisierung definieren

Am Montag diskutierten die Autorinnen Monica Pesce und Maria Kirova von der italienischen Beratungsfirma Vadani und Vicari sowie die Wissenschaftlerin Katrine Some von der Universität Wageningen ihre Studie zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Landwirtschaft und Ernährungsindustrie mit den Abgeordneten des Agrarausschusses im Europaparlament.

Die Studie zeichnet sich durch einen Überblick der Möglichkeiten aus. Sofern auch bereits vorhanden haben Bausteine wie das Breitband, die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) sowie Plattformen für E-Commerce nur geringe Effekte auf die Wertschöpfungskette der landwirtschaftlichen Produktion.

Mehr Einfluss werden Blockchain, das GPS-System und langfristig die Techniken der „Virtuelle Realität“ ausüben. Den meisten Einfluss aber üben das Internet der Dinge, Roboter, Künstliche Intelligenz und „Big Data“ auf die Produktionsweise und Lieferkette aus. Neben den einzelbetrieblichen Effekten wird smarte Revolution die Vertikalisierung der Produktion befördern. Große Nahrungsmittelhersteller werden durch horizontale Integration begünstigt.

Ein Extrakapitel untersucht die digitalen Effekte auf die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP). Nach Monica Pesce wird der Konsum an Agrargütern steigen, aber vor allem die Art des Konsums sich verändern. Rückverfolgbarkeit und Hintergrundinformationen über Erzeuger und Lieferanten gewinnen bei den Kunden an Bedeutung. Zwar steht die Optimierung der Betriebsmittel im Vordergrund. Mehr verändert die Digitalisierung die Zusammenarbeit des landwirtschaftlichen Betriebes mit der Wertschöpfungskette und bietet neue Geschäftsmodelle. Das Alter des Betriebsleiters und die Betriebsgröße entscheiden über die Nutzung der neuen Techniken.

Wer digitalisiert?

Stand im Bundestag zuletzt die Frage nach der Datensicherheit im Vordergrund [1], stellen vor allem die deutschen Abgeordneten die Frage, wer am Ende den digitalen Fortschritt auf die Betriebe bringt. Martin Häusling (Bündnis 90/Die Grünen) sieht die Vorteile bei den Agrokonzernen. Zudem hegt er Zweifel an den Einsparmöglichkeiten bei Düngern und Pflanzenschutzmitteln. Das werde überschätzt. „Der bäuerliche Berufsstand ist sehr technologiefreudig“, ergänzt Parteikollegin Maria Heubuch. Doch verdränge die Digitalisierung die Frage, was besser mit weniger Technologie gehe. Ihre Kritik geht in Richtung Agrarsystem: „Was richten wir mit unseren Produktionsweisen an?“ Von der Digitalisierung profitierten derzeit nicht die bäuerlichen Betriebe.

Effizienzgewinne sind für die Sozialdemokratin Maria Noichl nur ein „temporärer Vorsprung“. Der sei dahin, wenn die anderen Länder und Landwirte aufgeholt haben. Die Digitalisierung sei nur ein Anfeuern des jetzigen Systems und kein Systemwechsel.

Wenn die Kluft zwischen den europäischen Betrieben nicht kleiner werde, dann sei die Digitalisierung der falsche Weg, ergänzt ihr französischer Parteikollege Eric Andrieu. Offen sei noch immer die Frage, welches Agrarmodell Europa haben will. Für die Digitalisierung müssten Nutzungsprinzipien festgelegt werden.

Die Digitalisierung sei aber nicht mehr aufzuhalten, betont der slowenische Christdemokrat Franc Bogovic. Die Digitalisierung dürfe jedoch nicht nur auf die Landwirtschaft eingeengt werden. Slowenien fahre das Modell des „intelligenten Dorfes, mit Landwirtschaft, Mobilität und dezentraler Energieversorgung. Genau da müsse die GAP künftig auch eingreifen und fördern.

In der Tat steht die Digitalisierung trotz aller Plattformen und Möglichkeiten erst noch am Anfang. Schon allein in Deutschland ist der Unterschied zwischen den ostdeutschen und bayerischen Betrieben groß. Der europäische Durchschnittsbetrieb ist mit 16 Hektar Fläche nur ein Viertel so groß, wie der deutsche Hof. Bei solchen Größen sind GPS-gesteuerte teilflächenspezifische Anwendungen grenzwertig, räumt Monica Pesce ein.  

Lesestoff:

[1] Wer hat Angst vor der Digitalisierung? https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/kommt-jetzt-die-angst-vor-der-digitalisierung-11691.html

Roland Krieg

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