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Analyse der Wolfsattacke in Bad Wildbad

Landwirtschaft

Männliches Einzeltier hat die Schafe in BW gerissen

Größer hätte der Schaden am Tag des Wolfes nicht sein können. Jetzt sind amtlich 44 tote Schafe gezählt, die Ende April in Bad Wildbad gerissen wurden [1]. Die genetische Analyse hat nicht nur einen Wolf als Verursacher bestätigt, sondern auch, dass es sich um ein Einzeltier gehandelt hat. Es wurde der Wolf identifiziert, der in der Region bereits mehrmals Tiere gerissen hat.

Der männliche Wolf stammt aus Norddeutschland und hat sich im Nordschwarzwald seit Ende November nachweislich eingerichtet. Das Tier trägt das amtliche Kürzel GW 852m. Umweltminister Franz Untersteller fasst zusammen: „Nachdem dieser Wolf jetzt über fast ein halbes Jahr die Region offenbar nicht verlassen hat, müssen wir davon ausgehen, dass er hier sesshaft geworden ist.“

Das Land Baden-Württemberg will um seine Region herum ein Gebiet von 60 Kilometer im Durchmesser ausweisen, indem ein erhöhter Herdenschutz gilt. Erst wenn dieser von den Schäfern auch erfüllt ist, gibt es künftig Entschädigungen. Eine Konditionierung der Entschädigung an den Herdenschutz war bislang nicht üblich.

Das Tier wird an seinem Standort belassen. „Erst wenn es dem Wolf gelänge, wiederholt ausreichend gesicherte Herden anzugreifen, oder wenn er für Menschen gefährlich zu werden droht, könnte die Ausnahmeregelung vom Tötungsverbot im Bundesnaturschutzgesetz greifen“, betonte Untersteller.

Bis dahin müssen die Schäfer drauf zahlen, denn die Anschaffung von Elektrozäunen, das entsprechende Weidezaungerät, Litzen und Erdungsstäbe werden nur zu 90 Prozent aus dem Landestopf mitfinanziert.

Die Mindesthöhe des untergrabungssicheren Herdenzaunes beträgt 90 Zentimeter und bewegt sich damit am unteren Rand der allgemeinen Empfehlung von 90 bis 120 cm. Schäfer müssen jetzt innerhalb von sechs Monaten nachweisen, dass sie ihr Gebiet entsprechend gesichert haben. Die 90 Zentimeter sind ein Kompromiss mit den Schäfern, denn in den Steillagen und auf steinigem Untergrund sind Zäune  von 120 Zentimetern nicht stabil genug. Unklarheiten gebe es jedoch noch bei Offenställen und Weiden bei unwegsamem Ufergelände, sagte die Geschäftsführerin des Landesschafzuchtverbandes Anette Wohlfahrt.

Tötet der Wolf Rinder und Pferde, ist die Entschädigung weiterhin nicht an Schutzeinrichtungen gebunden.

Erst am vergangenen Wochenende hatten die Schäfer in Baden-Württemberg durch Mahnwachen und Feuer die Politik darauf aufmerksam gemacht, wer zuerst zu schützen sei. Wohlfahrt hatte bereits Anfang Mai kritisiert, dass „funktionierender oder effektiver Herdenschutz“ im Einzelfall wirke, die Zahlen in der Breite  aber dagegen sprechen: „Vielmehr steigen in allen Bundesländern mit starker Wolfspräsenz die Attacken und auch die Risszahlen.“  

Lesestoff:

[1] Am Tag des Wolfrisses: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/am-tag-des-wolfsrisses.html

Roland Krieg

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