Auf der Suche nach dem natürlichen Honig

Landwirtschaft

Der Kampf gegen globale Honigfälscher

Honig ist das älteste Süßungsmittel der Menschheit. Der Honig hat sich bis heute seinen hohen Stellenwert in der Ernährung bewahrt und ist das Produkt der Westlichen Honigbiene Apis mellifera, die stellvertretend für die gefährdeten Bestäuber das Symboltier für den Artenschutz ist. Doch solange es Imker gibt, stirbt die Honigbiene nicht aus. Die Erwerbsimker haben ein viel größeres Problem: Der weltweite Handel mit Honig und verdächtige Eigenschaften, die auf Honigfälschungen hindeuten, machen deutschen Imkern das Leben schwer. Ausgerechnet in der Zeit, wo sich mit steigender Zahl der Imker auch die Bienenvölker  zunehmen und die zahlreichen Förderprogramme von Bund und Länder sich auszahlen.

Imker und Bienenvölker

In Europa gibt es 18,9 Bienenvölker, die pro Jahr etwa 280.000 Tonnen Honig erzeugen. Das sind aber nur 60 Prozent des Eigenbedarfes. 40 Prozent des Honigs müssen importiert werden. Für Deutschland sieht es noch schlechter aus. Die 130.000 Bienenhalter haben im Durchschnitt sieben Bienenvölker und bilden damit das europäische Schlusslicht, weiß die „Prof. Ludwig Armbruster Imkerschule“ aus Kirchberg an der Jagst. Mit 60.000 Tonnen pro Jahr ist Deutschland Europas größter Honigimporteur.

Der globale Honigmarkt

30 Prozent der importierten Honige kommen aus der Ukraine. 20 Prozent des Importhonigs aus China. Das ist im Preis deutlich sichtbar. Der Verkaufswert deutschen Honigs als Fassware liegt bei 4,90 bis 5,50 Euro je Kilogramm. Importhonige sind bereits für 1,30 Euro je Kilogramm zu haben.

Die Imker aus Kirchberg haben zudem einen Preisverfall auf dem Weltmarkt festgestellt. In den vergangenen fünf Jahren ist der Preis für ein Kilogramm Honig im Fass aus der Ukraine von 1,74 auf 1,61 Euro gefalle. Die Ukraine hat den Export seines Honigs seit 2018 von 40.636 Tonnen auf 54.946 Tonnen im Jahr 2020 erhöhen können. In den beiden ersten Monaten 2021 ist der Import aus der Ukraine sogar auf 23.367 Tonnen gestiegen. Schon fast die Hälfte der letzten Jahresmenge.

Der Preis von chinesischem Honig ist sogar noch tiefer gefallen und sank von 1,63 auf 1,27 Euro. Zwischen 2018 und 2020 ist der Import aus China allerdings von 44.680 auf 39.059 Tonnen gefallen. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres ist der Import wieder um 22 Prozent gestiegen.

Die Imker verzeichnen eine Mengenverschiebung des Importhonigs von China in die Ukraine. Nicht immer können ukrainische und chinesische Exporteure die bestellten Mengen liefern. Hier kommen Honige aus Uruguay und Indien ins Spiel, die auf dem Weltmarkt mit Preisen von 1,79 und 1,69 Euro je Kilogramm im Fass erhältlich sind und zum Auffüllen von Fehlmengen genutzt werden.

Authentizität von Honig

Verbrauchern verstehen unter der Echtheit des Honigs in der Regel die Trachtbezeichnung und Herkunft. Doch der Honig hat viele Eigenschaften, die ihn zum Teil auch als Medizinalhonig aufwerten. Annette Seehaus-Arnold weiß als Präsidentin des Deutschen Berufs und Erwerbs Imker Bund (DBIB) die Geheimnisse der Bienen. „Bei der Reifung werden dem Honig von den Bienen besondere, bienentypische Enzyme zugesetzt.“ Mit der Identifizierung dieser Enzyme können verdächtige Honige aussortiert werden.

Die großen Preisunterschiede zwischen natürlichem Honig und „getuntem“ Honig machen es den ehrbaren Imkern schwer, ihren Honig auf dem Markt unterzubringen. Umgekehrt sind die Preisunterschiede für „getunten“ Honig für Verfälscher lukrativ. So kann schon während der Honigproduktion Sirup dem Honig zugegeben werden. Insbesondere werden in ausländischen „Honigfabriken“  unreife Honige aufkonzentriert und verarbeitet. Das wissen Cord Lüllmann und Arne Dübecke vom Institut für Innovation im Lebensmittel- und Umweltbereich (IILU) in Bremen sowie Jens Brockmeyer am Institut für Biochemie und Technische Chemie an der Universität Hohenheim. Unter der Koordination des Forschungskreises der Ernährungsindustrie (FEI) in Bonn und zusammen mit dem DBIB haben sie im vergangenen Jahr das Projekt „Food Proteomics zum massenspektrometrischen Nachweis der Authentizität von Honig“ gestartet, das bis 2023 Spuren für aufgepeppten Honig ermitteln will. Im Rahmen der Reifung soll ein Proteinprofil als neuer valider Authentizitätspartner nutzbar und auf Triple-Quadrupol-Massenspektroskopie so entwickelt werden, dass sie unter Routinebedingungen einsetzbar ist. Die Methode kommt bei Rückstandsuntersuchungen bereits zum Einsatz.

Eine zweite Methode ist die Dehydrierung des unreifen Honigs. Diese ist, wie auch die Zugabe von Sirup, nach EU-Honigverordnung verboten.

Wirtschaftliche Bedeutung

Für die Forscher ist das ein Beitrag gegen „Honigfraud“ für das deutsche Honiggewerbe und den Erwerbsimkern.

Als Zeichen, dass der Betrug offenbar in großem Stil durchgeführt wird, dient Annette Seehaus-Arnold eine Anzeige der Firma Hangzhou Focus Corporation auf dem chinesischen Online-Portal Alibaba. Der Lieferant von beispielsweise Nestlé, Kraft und Unilever wirbt nicht nur mit dem Hinweis, sein Produkt überstehe aktuelle Analysen (deren Abkürzungen stehen hinter dem Produktnamen), sondern kostet auch lediglich elf Eurocent je Kilogramm.

Der DBIB hat diese Informationen bereits an Interpol und Europol weitergegeben. Das ist auch Notwendig, denn die Imker aus dem baden-württembergischen Kirchberg an der Jagst haben 23 Honigproben aus verschiedenen Lebensmittelgeschäften aus Künzelsau, Wolpertshausen und Schwäbisch Hall zur Analyse aller im Honig vorkommenden Atome (Kernmassen Resonanz Spektrometrie) überprüfen lassen. Bei sechs der 23 Proben wurden Auffälligkeiten festgestellt, die von falscher Herkunftsangabe, nachgewiesenem Fremdzucker und auffällig hohem Fructose-Glucoseverhältnis  reichen. Dreimal wurde die gesetzliche Mindestanforderung nicht erfüllt. Die Honige stammen alle aus verschiedenen Ländern.

Keine Kostendeckung

Die Erzeugungskosten für ein 500 Gramm-Glas Honig liegen nach Seehaus-Arnold bei sieben bis acht Euro. Mit den Kosten für Lagerung, Abfüllung, Vertrieb und Gewinnaufschlag des Handels müssten Verbraucher 15 Euro als fairen Preis für den Honig bezahlen. Nicht nur der Blick in die Supermarktregale zeigt, wie unrealistisch so ein Angebot ist. Andere EU-Länder zahlen Imkern bis zu 70 Prozent Förderung. Auch da kommen die deutschen Imker mit ihren Bienen nicht mit.

Roland Krieg; Foto: Werbung für Fruchtsirup inklusive Testumgehung; Screenshot auf Alibaba am 04.07.2021

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