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Auf der Suche nach den Eiweißpflanzen

Landwirtschaft

Verhindert das Blair-House-Abkommen den Eiweißpflanzenanbau?

Europaparlament

Die französischen Bauern demonstrierten schon immer aggressiver. Brennende Autoreifen zeigten 1993 den Unmut gegen das so genannte Blair-House-Abkommen. Der damalige Generaldirektor Peter Sutherland vom WTO-Vorgänger GATT (General Agreement on Tariffs and Trade) reiste aber aufgeschreckt nach Bonn. Kanzler Helmut Kohl hatte erklärt, er könnte den Protest der Franzosen verstehen. Sutherland musste nach damaligen Spiegel-Berichten auch bei den Deutschen eine Veränderung gegenüber dem ein Jahr zuvor eingeleiteten Abkommen feststellen, obwohl zum Jahresende doch alles in trockenen Tüchern gebracht wurde.

Das nach dem nahe des Weißen Hauses liegende Gästedomizil Blair House benannte Abkommen erlaubt der EU den Schutz ihrer Getreideproduktion. Im Gegenzug hat sie die zollfreie Einfuhr von Öl- und Eiweißpflanzen in die Gemeinschaft akzeptieren müssen. Das Abkommen gilt noch heute und erneut ist es ein Franzose, der es 35 Jahre später wieder ins Visier nimmt. Das Abkommen stehe dem Anbau europäischer Eiweißpflanzen zur Schließung der Proteinlücke im Wege. So steht es im ersten Entwurf des neuen Berichtes des französischen Sozialdemokraten Jean-Paul Denanot. Im EU-Agrarausschuss hat er am Montag der europäischen Eiweißstrategie einen neuen Anstoß gegeben.

Seit 2011 arbeitet die Gemeinschaft an der Schließung der Unterdeckung der Proteinversorgung. Die Kommission will Ende 2018 endlich einen „Eiweißplan“ vorlegen. In diesem Sommer haben Deutschland und Ungarn dem Rat die „Europäische Erklärung zu Soja“ vorgelegt, die anschließend von 14 Staaten unterzeichnet wurde [1]. Auch wenn Initiativen wie Donau-Soja weit davon entfernt sind, den Bedarf an benötigtem Futterprotein zu decken.

Denanot rückt in seinem Bericht die Ernährungssicherheit durch eine eigene Eiweißproduktion in den Vordergrund. Dahinter steckt die Furcht, dass der enorme Bedarf an Soja in China keinen Spielraum für brasilianische Exporte nach Europa zulassen, wo die Verbraucher zudem immer mehr gentechnikfreies Soja einfordern. Nebenbei geht es dann auch um die Zerstörung des Regenwaldes durch die Ausweitung des Sojaanbaus für den europäischen Bedarf.

Im Bericht geht es nicht nur um Soja. Christdemokrat Peter Jahr zählte auf: Raps, Bohne Schlachabfälle und Weidehaltung. Das soll der künftige Mix der Tierernährung sein. Raps liefert neben wertvollem Futter auch Biodiesel und Speiseöl. Züchter müssen das Sojasaatgut für den Anbau im europäischen Klima verbessern, Schweine sollten als Allesfressser auch wieder mit Schlachtabfällen gefüttert werden dürfen und Wiederkäuer gehörten auf die Weide, wo sie Futterreserven erschließen, die vom Menschen nicht genutzt werden können.

Albert Dess von der bayerischen CSU kritisierte die aktuelle Agrarpolitik als „kabarettreif“. Auf der einen Seite fördere sie den Anbau von Eiweißpflanzen und auf der anderen Seite nimmt sie mit dem Verbot von Pflanzenschutzmitteln beim Greening den Anbau von 300.000 Hektar Leguminosen aus der Wirtschaftlichkeit.

Der Stein ist angerollt und die Aufgaben reichen von Neuverhandlungen alter Abkommen bis hin zu neuen Bewirtschaftsungsformen mit Kleeuntersaaten in Raps und Getreide bis hin zum Blick auf die Ukraine, die sich mit ihren Schwarzerdeböden „für Europa entschieden hat und Soja produziert, der in der Union auf der Donau verschifft werden kann.“ Viel zu tun. Jens Schaps von der EU-Kommission bleibt jedoch skeptisch. Trotz Anstieg des Leguminosenanbaus seit Jahren bleibe das Proteindefizit auch künftig akut.

Lesestoff:

[1] Europäische Erklärung zu Soja: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/soja-futter.html

Schweine ohne Soja: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/schweine-ohne-soja.html

Roland Krieg

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