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Backhaus fordert flexible Mengenanpassung

Landwirtschaft

Milchmengenregelung: MV-Antrag im Bundesrat

Die Biomilchpreise sind derzeit attraktiv wie selten. Sie bleiben unverändert stabil, während der konventionelle Milchpreis in den Keller sinkt. Doch Biomolkereien nehmen schon keine neuen Milchbauern auf, die nach der zweijährigen Umstellung den Biomarkt mit zusätzlicher Milch belasten würden. Im konventionellen Markt hingegen sind keine Stabilitätsfaktoren in Sicht. Weil die private Lagerhaltung (Intervention) und Exportsubventionen seit Wiedereinführung 2009 keine Entlastung gebracht haben, will Mecklenburg-Vorpommern im Bundesrat einen Antrag einbringen, der bei der EU ein Programm von Maßnahmen einfordern soll, dass Landwirte, die aus der Milcherzeugung aussteigen und in andere Bereiche investieren wollen, unterstützt.

Privatwirtschaft ist selbst gefordert
Nicht nur Intervention und Exportsubvention haben keine Entlastung gebracht, auch sieht Agrarminister Dr. Till Backhaus aus Mecklenburg-Vorpommern keine Chance, die auf EU-Ebene festgelegten Quotenerhöhungen wieder rückgängig zu machen. Die politischen Möglichkeiten sind scheinbar ausgeschöpft. Daher hat Backhaus die private Milchindustrie aufgefordert „ein tragfähiges und flexibles System der Mengensteuerung“ zu erarbeiten. „Die Marktbeteiligten haben es selbst in der Hand. Über Verträge zwischen den Bauern und den Molkereien kann man differenzierte Preise regeln und flexibler auf den Markt reagieren. Übermengen müssen geringer bezahlt werden. Mit einem solchen System kann man sich auch schon gezielt auf den kompletten Quotenausstieg 2015 vorbereiten, den ja keiner in Frage stellt“, so Dr. Backhaus.

Export und Wertschöpfung steigern
Dr. Gerd Müller, Parlamentarischer Staatssekretär aus dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, hat am Wochenende für die Bauerzeitung, eine aktuelle Branchenanalyse geschrieben. Im Vergleich zu Nachbarländern weist die deutsche Molkereiwirtschaft einen geringen Konzentrationsgrad. Nur drei von 223 Unternehmen bündeln ein Drittel der Milcherzeugung. In Frankreich bündeln drei von 619 Unternehmen rund die Hälfte der gallischen Milch und in Dänemark besitzt ein Unternehmen 90 Prozent der Milch (36 Unternehmen gibt es insgesamt). Die Molkereien in Deutschland erzielen bei Exporten in Drittländer eine Wertschöpfung je Kilogramm Milch, die bei 2,30 € liegt. Die höchsten Werte erzielen Italien mit 5,30 und Dänemark mit 3,30 €/kg. Auch bei Käse liegt Deutschland ganz hinten. Die 3,09 Euro je kg werden von Italien (6,60), Frankreich 5,30, Dänemark (4,26 und den Niederlanden mit 3,67 €/kg übertroffen. Das ist auf dem heimischen Markt nicht besser. Aus einem Kilo Milch holen die Molkereien 0,80 € Umsatz heraus, die Italiener 1,50 und die Franzosen einen Euro je Kilogramm Milch. Zentraler Schlüssel aus der Milchpreismisere für Dr. Müller: Strategien für den Absatz entwickeln.

Lesestoff:
„Unsere Molkereien müssen jetzt handeln!“; Brandenburger Bauernzeitung 25/2009; S. 14 ff

roRo

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