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Bauern erobern die Hansestadt

Landwirtschaft

Bauerntag in Rostock 2005

>Vom 20. bis zum 26. Juni findet in der Ostseestadt Rostock der Bauerntag 2005 des Deutschen Bauernverbandes (DBV) statt. Zum ersten Mal in Mecklenburg-Vorpommern, zum zweiten Mal in den neuen Bundesländern, trägt er dieses Jahr das Motto: Landwirtschaft. Arbeit. Zukunft. Die Bauernwoche beginnt mit dem Bauerntag, der dann übergeht in den Deutschen Landfrauentag und in den Deutschen Landjugendtag von Freitag bis Samstag in Wismar.
Beraten werden die Zukunftschancen und der Stellenwert der Branche für Arbeitskräfte, Investitionen und Innovationen im Wirtschaftsleben der ländlichen Regionen Deutschlands. Dazu gibt es fünf Foren über Ackerbau, Veredlung, Milch, Regional und Ökoprodukte sowie Obst und Gemüse. Der Bauerntag steht vor allem im Brennpunkt des Milch- und Zuckermarktes. Nach dem Scheitern des EU-Gipfels dient er auch als erster Seismograph für Reaktionen einer großen bundesdeutschen Verbandstagung.

Agrarstandort Deutschland
Bis zu 7.000 erwartete Gäste aus Politik, Verbänden und Wirtschaft geben ein beredtes Zeugnis für die Leistungsfähigkeit des Agrarstandortes Deutschlands, so Bauernpräsident Gerd Sonnleitner in seiner Eröffnungsrede heute morgen: "In unserem Sektor gibt es keine Arbeitslosigkeit." Hier stehen allerdings die vielen offenen Ausbildungsplätze in den Grünen Berufen den vielen Betrieben gegenüber, die jedes Jahr ihren Hof aufgeben.
Gerade angesichts der EU-Krise und den möglichen Neuwahlen in Deutschland sei das Bauerntag-Motto Programm. Erst ab Juli liegen die Parteiprogramme mit konkreten Aussagen über die Agrar- und Ernährungswirtschaft vor. Zur Zeit gebe es nur Spekulationen über die künftige Politik.
Mit der heute Nachmittag verabschiedeten "Rostocker Erklärung" setzt der DBV seine Leitlinien und Positionen. Sonnleitners Credo: "Landwirtschaft statt Landschaftspflege!" Es könne "keine Förderung Extensivierer und Aussteiger" geben.
Im Gegensatz zur Autoindustrie, sei der Verbraucher sicher, dass bei deutschen Marken auch deutsche Produkte enthalten sind. Die zukünftige Richtung der Politik muss korrigiert werden "wie die vielen Alleingänge im Tier-, Natur- und Verbraucherschutz". Unser Land, so der Präsident, brauche einen Stimmungs- und Politikwechsel.
Es gibt aber auch Bewahrendes. Am 17. Mai haben die Bauern ihre Anträge für das nächste Wirtschaftsjahr im Rahmen der laufenden Agrarreform abgegeben. Man könne jetzt nicht einige Monate später mit der Umkehrung der Reform alles wieder auflösen. Die Agrarreform mache die Betriebe fit für die WTO-Verhandlungen. Gesichert bleiben muss auch ihre Finanzierung. Deutliche Worte fand Sonnleitner für den britischen Premierminister Tony Blair, der aus Europa "eine oberflächliche Freihandleszone machen wolle". Da zöge der DBV nicht mit.
Über das Beispiel Zucker sagte Sonnleitner, dass die Produktionsbedingungen in Brasilien kein Vergleichsmaßstab sein können, "wenn es um eine soziale und umweltgerechte Zuckerproduktion geht." Für ihn ist die Zuckerrübe "der Brotbaum" der Agrarproduktion. Mit Spannung werden die Reformvorgaben der EU für die Zuckermarktordnung erwartet, die für morgen angekündigt sind.

Roland Krieg

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