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Bayer kauft Monsanto

Landwirtschaft

Agrarfusion als Megaevent für die NGO

Zustimmen müssen noch die Aktionäre von Monsanto und die Kartellbehörden. Dann ist die Megafusion im Bereich der Agrarchemie perfekt und hat Bayer den amerikanischen Konzern Monsanto für 59 Milliarden Euro übernommen. Monatelang hatte der deutsche Konzern mit insgesamt drei Angeboten um Monsanto gebuhlt.

Am Ende ist das nur ein weiteres Mosaiksteinchen, was weltweit im Agrargeschäft passiert. So wollte der kanadische Düngemittelkonzern Potash die deutsche K+S übernehmen und hat sich am Ende mit dem heimischen Mitbewerber Agrium zufrieden gegeben. Beide gehören zu den führenden Düngemittelherstellern und formen das kanadische Vertriebskartell „Cantopex“. Dow Chemical und DuPont sowie Chemchina und Syngenta sind weitere Fusionensanwärter. Wachstum global gibt es offenbar nur noch durch Fusionen, weil die Landwirte weniger Geld für Betriebsmittel wie Dünger und Pflanzenschutzmittel ausgeben. Bei Dünger besteht derzeit ein Überhang auf dem Markt. Die Fusionen sind aber auch eine Positionierung für künftige Märkte, denn eine Abkehr von teuren Inputs zeichnet sich in der Landwirtschaft nicht ab.

Heftige Kritik

Für die deutschen NGO ist die Meldung ein Worst Case Scenario. Der grüne Europaabgeordnete Martin Häusling erwartet vom EU-Kartellamt eine Verhinderung der Fusion. „Der Zusammenschluss der Konzerne Bayer und Monsanto ist eine sehr schlechte Nachricht für Bauern, Verbraucher, Umwelt und Natur. Denn nun entsteht ein Saatgut- und Chemiegigant, der noch mehr als bisher schon die Nahrungsmittelproduktion dominiert.“ „Diesen Deal darf es nicht geben“, kommentierte Katharina Dröge, Sprecherin für Wettbewerbspolitik der grünen Bundestagsfraktion. Sie hält auch die Summe für unanständig: „Das Übernahmegeld entspricht fast 30 Jahresgewinnen von Monsanto. Wer bereit ist so viel zu bezahlen, spekuliert auf sprudelnde Gewinne nach der Fusion.“

„Der Konzern würde künftig verstärkt diktieren wollen, was Landwirte anbauen und welche Produkte auf den Markt verfügbar sind“, orakelt BUND-Gentechnikexpertin Heike Moldenhauer. Sie hält den Deal für Bayer hochriskant, weil er sich mit der Summe hoch verschulden müsse und seine Existenz aufs Spiel setze.

„Die kritische Bauern- und Saatgutbewegung sieht die geplante Übernahme des US-Konzerns durch Bayer als „Kampfansage“, aber auch als Herausforderung um den zukünftigen Weg der Landwirtschaft“, sagte Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Janßen weiter: „Wir halten nichts von der Erzählung, dass das angebliche deutsche Vorzeigeunternehmen Bayer den bösesten Konzern der Welt übernimmt. Dem Bayer-Konzern geht es bei der Übernahme um die Macht der Lebensmittelerzeugung vom Acker des Bauern bis zum Teller der Verbraucher. Dies ist die Kampfansage an die Zivilgesellschaft. Wir sind aber vorbereitet.“

Nach Berechnungen der Menschenrechtsorganisation FIAN halten Monsanto, Syngenta, Bayer, DuPont, Dow und die BASF bereits jetzt 75 Prozent des globalen Agrarchemiemarkes und 60 Prozent des Saatgutmarktes. Würden alle Fusionen genehmigt, würden nur noch drei Saatgutkonzerne den Markt kontrollieren.

GODAN Summit

Heute und Morgen kommen mehr als 700 Teilnehmer in New York zum „GODAN Summit 2016“ zusammen. Mehr als 350 Organisationen werben für eine offene Landwirtschaft für die Ernährungssicherung. Dabei geht es nicht nur um offene Daten und deren Zugang für alle Landwirte, sondern auch gerade bei Züchtern, um die Notwendigkeit lokaler widerstandsfähiger Pflanzensorten, um die mehr als 800 Millionen Menschen aus dem Hunger zu führen, sagt Dr. Catherine Woteki aus dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium.

Roland Krieg

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