Bayern gibt sich mit dem Durchschnitt nicht zufrieden

Landwirtschaft

Larissa II begleitet Brunner in Berlin

Helmut Bruinner mit Porzellankönigin Larissa II

Pfeifen, Johlen und Blasmusik. Die Halle 22b ist fest in bayerischer Hand. Agrarminister Helmut Brunner will neugierige Gäste Appetit auf den Freistaat machen. Dafür haben sich die Akteure mächtig ins Zeug gelegt und präsentieren Käse, Bier und Landtourismus. Wer auf der Grünen Woche auf den bayerischen Geschmack gekommen ist, fährt im nächsten Urlaub vielleicht nach Bayern. Die bayerische Tourismusbranche hat ausgemacht, dass die Deutschen zwar kürzer, dafür aber häufiger in Urlaub fahren. Vor allem die Landgasthöfe bieten sommers wie winters jede Menge Gelegenheit das Land unter dem weiß-blauem Himmel näher zu betrachten. Oder wussten Sie, dass es in Deutschland eine Porzellankönigin gibt? Larissa II begleitete  Agrarminister Helmut Brunner durch die Halle. Sie wurde am 08. Januar frisch gekrönt und repräsentiert die Stadt Selb im Fichtelgebirge. Das Porzellan aus Selb steht weltweit auf den Tischen. Die Stadt im Fichtelgebirge liegt direkt an der tschechischen Grenze und gehört zur Mikroregion „Freunde im Herzen Europas“.

Agrarexporte haben zugelegt

Die Agrarbranche zwischen Selb und Garmisch-Partenkirchen ist auch im letzten Jahr auf Hochtouren gelaufen. Ein Sechstel des bundesdeutschen Getreides, ein Viertel der Milch sowie mehr als zwei Fünftel des Käses sind bayerischen Ursprungs. Elf Milliarden Euro umfasst der Produktionswert. Trotz weltweit gesunkener Nahrungsmittelpreise und andauerndem Russland-Embargo hat der bayerische Agrarexport 2016 um eine Prozent auf 8,9 Milliarden Euro zugelegt. Wer auf mehr als einen Absatzmarkt setzt, gewinnt. Die Exporte nach Polen haben um elf Prozent, die nach Rumänien um 20 Prozent und die in die USA um 12 Prozent zugelegt. Das hat sogar das Minus von drei Prozent in den traditionellen italienischen Markt ausgeglichen. 1,5 Milliarden Euro stammen vom Käseverkauf, 1,2 Milliarden aus der Milch und eine Milliarde von Fleisch und Wurst.

Bayern ist auch in der Tierhalle 25 präsent und schickt mit 28 Kaltblütern die größte Pferdekollektion nach Berlin. Apropos Pferde: Bayern gehört bundesweit mittlerweile zu den größten Pferdeländern. Zwei Drittel der rund 140.000 Pferde stehen auf 16.000 landwirtschaftlichen Betrieben.

Kirschkönigin
Helmut Brunner mit der fränkischen Kirschkönigin Sandra I.

Premiumprogramm

Premium zählt. Auf der Grünen Woche hat Helmut Brunner eine neue Premiumstrategie angekündigt. „Wir brauchen das Premiumsegment, weil sich mit der Produktion austauschbarer Grundprodukte allein zu wenig Wertschöpfung erzielen lässt“, sagte er im Pressegespräch. Für die beiden kommenden Jahre hat Brunner zwei Millionen euro für die Premium-Strategie eingeplant. Damit will er im oberfränkischen Kulmbach eine Genuss-Akademie einrichten und die bestehenden Angebote der Sommeliers für Käse, Wein, Bier und Edelbrände bündeln und auf die Produkte Fleisch, Obst und Brot erweitern.  Im Rahmen eines Wettbewerbes werden 100 „Genuss-Orte“ ausgelobt, die eine eigenständige kulinarische Tradition aufweisen. Das soll eine Brücke zu regionalen Besonderheiten und einem speziellen Marketing bilden. Besondere Produkte wie Strohschweine, Rohmilchkäsesorten und Fleisch aus Bergregionen sollen mit einer speziellen Wertschöpfungskette ausgestattet werden. Wegen dieser Spezialitäten ist Brunner auch nicht bange mit einem US-Präsidenten Donald Trump und seiner Abschottungspolitik. Schließlich muss der Freistaat exportieren. Der Selbstversorgungsgrad bei Käse liegt bei 331, bei Milch bei 159 und bei Rindfleisch bei 170 Prozent.

Bayerns Agrarstruktur

Mit diesen komplexen Programmen will Brunner den Strukturwandel in Bayern auf niedrigem Niveau halten. Galten die kleinen Betriebe früher als Flächenlieferant, so sind sie heute in der Lage Spezialitäten anzubieten und ein Einkommen zu erzielen. Brunner bezeichnet das als „Bayerischen Weg“ der aber nicht einfach ist. Zusätzliche Anforderungen wie die TA Luft, die Düngegesetzgebung fordern auch die bayerischen Betriebe. Unter dem Aspekt unterstützt er auch das freiwillige Tierwohl-Label seines Parteikollegen Christian Schmidt. Noch vor der Grünen Woche habe er mit den Discountern gesprochen und die Problematik der Anbindehaltung in Bayern dargelegt. Bayern setzt auf Anreize und nicht auf ein Verbot, wie es derzeit im Bundesrat vorliegt. 70 Prozent der bayerischen Kühe stehen im Laufstall. Aber 50 Prozent der Betriebe haben noch einen Anbindestall. Weil auf den kleinen Betrieben das Geldd für Investitionen fehlt, können sie gar nicht in modernere Laufställe investieren. Die Betriebe im Alpenvorland und in den Alpen stünden vor dem Aus. Mit Folgen für Landschaftsbild und Tourismus. Würde der Handel vorfristig Milch aus Anbindehaltung auslisten, würde er sich „zum Totengräber unserer Kleinbetriebe machen.“ Bayern hat ein Förderprogramm für Kleinstbetriebe mit 20 bis 60 Kühen. Damit können die Betriebe in den Ställen mehr Platz für die Tiere schaffen, einen Laufhof anlegen oder den Weidegang fördern.

Bayern-Halle 22b

Roland Krieg; Fotos: roRo

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