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Bayern über Wasser halten

Landwirtschaft

Mit Ressource Wasser sorgsam umgehen

„Der Jahrhundertsommer in diesem Jahr hat deutlich vor Augen geführt: Extreme Trockenheit und Starkregen werden immer häufiger und stellen vor allem unsere Landwirte vor große Probleme“, sagte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber zum Auftakt des Forschungstags in München. In diesem Jahr stand er am Donnerstag unter dem Motto „Lebensgrundlage Wasser – Ressourcenschutz und Management in der Landbewirtschaftung“.

Generell geht es um die Vermeidung von Erosion und Abfluss. Nur wenn das Wasser gespeichert bleibt, kann es die Bodenfruchtbarkeit unterstützen. Zwischen „zu viel“ und „zu wenig“ heißt die Balance, die auch von Landwirten beeinflusst werden kann.

Zur Vorhersage hat die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) ein Wetterdatennetz in Franken aufgestellt. Zur Verfügung stehen Daten zu Temperatur und Luftfeuchte, sowie zu Niederschlag und Blattnässe. Einige Stationen erheben weitere Daten wie Globalstrahlung, Windstärke, Windrichtung und Temperatur. Ziel ist die Unetrstützung des Nationalen Aktionsplanes Pflanzenschutz (NAP). Ergänzt werden die Wetterdaten durch das Messnetz der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF).

Hochwald

Bayern als alpines Bundesland hat mit dem Hochwald ein besonders Ökosystem, das zusätzlich wichtig für den Schutz der Täler und Behausungen ist. Der Schutzwald kann grundsätzlich die Gefahren wie Sturzbäche und Steinschlag nicht verhindern, aber die Wirkungen stark vermindern. Der Schutzwald kann seinen Dienst auf großen Flächen versehen. Technische Verbauungen sind nur kleinräumig realisierbar. Das LWF geht den Fargen nach, wie Schutzwald vor Hochwasser schützt. In der so genannten Kleinen Eiszeit zwischen dem 15. und Anfang des 19. Jahrhunderts waren Eisgang und Schneeschmelze für viele extreme Hochwasser verantwortlich.

1784 war der Winter außergewöhnlich lange kalt. Die Frostperiode hielt in Franken 13 Wochen lang an. Zudem wurden von Dezember bis Februar 29 Schneefallereignisse in der Region Mannheim gezählt. Das Frühjahr 1784 brachte einer der größten Überschwemmungen der Neuzeit. Ganze Täler wurden überflutet, der Pegel bei Köln stieg von 3,80 auf über 13 Meter [1].

Kleinere Ereignisse kann heute die Baumartenmischung und pflegliche Holzernte ohne Bodendruck durch Wasserspeicherung im Wald mindern. Dabei ist die Durchwurzelungsintensität von größter Bedeutung.

Erosionsprognose

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) wagt sich an die Erosionsprognose und hat für Landwirte sogar eine App herausgebracht. Damit kann der Landwirt das Erosionsrisiko inklusive einer Toleranzgrenze ermitteln. Dazu werden die Erosionsparameter Bodenart, Topografie, Bewirtschaftsungsweise und die örtlichen Niederschlagsintensitäten eingegeben. Im Rahmen der Satellitentechnik mit Radar-Niederschlagsdaten des Deutschen Wetterdienstes lösen sie die alten Stationswerte zumehmend ab.

Schlängeln

Mäandrierende Gewässer halten Hochwasserwellen besser zurück als kanalisierte „Abflussgewässer“.  Mit der 2014 in Bayern Entwickelten Initiative „boden:ständig“ wurde aus einem Pilotprojekt eines für mittlerweile 40 Projektgebiete. Landwirte sind zusammen mit Gemeinden bei der Gewässergestaltung aktiv, sorgen für Wasserpuffer und vermindern so die Erosion.

Lesestoff:

[1] Glaser, R. (2008) Klimageschichte Mitteleuropas. 1200 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2. Auflage, 264 S.

Roland Krieg

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