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Bei den Polen geht es um die Wurst

Landwirtschaft

Bei ASP präsentiert Polen sich als zuverlässiger EU-Partner

Smacnego - Polnische Wurst bleibt lecker
Smacnego - Polnische Wurst bleibt lecker

Deutschland wirbt um Vertrauen in die Seuchenbekämpfung gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP)  [1]. Schon weit vor dem Zeitpunkt, bevor das Virus überhaupt aufgetreten ist. Der Nachbar hingegen leidet schon länger unter dem Virus und hat lediglich „administrative Maßnahmen“ gegen die Ausbreitung zur Verfügung. Es gibt kein Medikament und kein Impfmittel gegen die ASP. Umso ärgerlicher hat Warschau die Kritik im Rahmen einer „polnischen Woche“ eines Discounters aufgenommen, ob die angebotene Rohwurst überhaupt sicher sei. Nicht nur seitens der Verbraucher, sondern auch der Schweinehalter. Zudem gab es unsachliche Medienberichte.

Die Internationale Tourismusbörse hatte die polnische Botschaft in Berlin zum Anlass genommen, um am Freitag sachlich über die ASP-Verhältnisse in Polen zu berichten. Dabei wurde eines klar: Die deutschen Ökobetriebe werden sich warm anziehen müssen.

Polen befindet sich an der Grenze zur Kaliningrader Enklave, Weißrussland und der Ukraine. Von dort breitet sich das seit mehr als zehn Jahren in Russland wütende Virus in Richtung Europa aus. Mit mehr als 300 Kilometer Geschwindigkeit pro Jahr. Im Baltikum ist das für Wild- und Hausschweine tödliche und für Menschenungefährliche Virus bei den Schwarzkitteln bereits endemisch geworden. Die Kleinhaltungen in Ostpolen werden immer wieder vom Virus befallen. Die isolierten Fälle in Tschechien und bei Warschau sind durch den Vektor Mensch ausgelöst worden. In Tschechien wurde nachgewiesen, dass ukrainisches Pflegepersonal  das Virus über mitgebrachte Lebensmittel verschleppt hat.

Romanowski und Pryzlebski
Staatssekretät Rafal Romanowski und Botschafter Prof. Andrzej Pryzlebski (v.l.)

Polen präsentiert sich als zuverlässiger Partner im Bereich der EU-Seuchenbekämpfung. Ohne die energischen Maßnahmen hätte das Virus die Oder bereits überschritten, sagte Staatssekretär beim polnischen Landwirtschaftsministerium Rafal Romanowski am Freitag. Er stellte im Beisein des polnischen Botschafters Prof. Andrzej Pryzlebski die Maßnahmen vor. Der Auftritt des Botschafters zeigt, wie wichtig den Polen die Klarstellung für deutsche Konsumenten, der deutschen Fleischwirtschaft und den Schweinehaltern ist. Deutschland und Polen sitzen zusammen mit den anderen Mitgliedsstaaten im selben Boot. Und müssen irgendwann vergleichbares herausstellen, was Prof. Pryzlebski unterstreicht: „Polnische Wurst schmeckt und ist frei von ASP.“

Die westpolnischen Schweinehalter haben natürlicherweise ebenfalls kein Interesse an einer Ausbreitung des Virus. Im Einklang mit den europäischen Maßnahmen wird Fleisch von Hausschweinen aus einem Gebiet, in dem Wildschweine mit ASP befallen sind, im Labor auf das Virus und Symptome überprüft.. 24 Stunden vor dem Transport wird außerdem die Körpertemperatur gemessen. Das ist eines der Symptome der ASP. Nach dem Eintreffen auf dem Schlachthof werden die Tiere ein zweites Mal gemessen und nach der Schlachtung erneut auf Symptome untersucht. Erst wenn der amtliche Veterinär seine Zustimmung gibt, gelangt das Fleisch in den Handel.

Darüber hinaus hat Polen zusätzliche Kontrollen für den Binnenhandel mit Schweinen eingeführt. Im letzten Jahr wurden 180.000 Laboruntersuchungen durchgeführt.

Der aktuelle Stand: Es gibt 108 Infektionen bei Hausschweinen und 1.800 Infektionen bei Wildschweinen. Zur Prävention hat Polen am 01. März weitere Maßnahmen für Kleinbetriebe erlassen, die ihre Schweine im Freiland halten. Das sind in Polen konventionelle und ökologische Betriebe. Diese Maßnahmen wird Deutschland auf die Ökoschweinehaltung übertragen können. Nach Romanowski entfallen 90 Prozent der Ausbrüche bei Hausschweinen auf Kleinbetriebe.

Schweine dürfen in einem Gefährdungsgebiet nur noch in Ställen gehalten werden. Ist das nicht möglich, muss ein Doppelzaun von mindestens 1,50 Meter Höhe mit einem Untergrabungsschutz gebaut werden. Futter und Einstreu müssen unzugänglich für andere Tiere gelagert werden. Die Betriebe müssen Seuchenmatten mit Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung für Personal anschaffen. Fahrzeuge, die auf den Hof kommen werden wie jedes einzelne Tier registriert und gemeldet. In Deutschland läuft das bereits über die so genannte HIT-Datenbank.

Romanowski betont, dass Polen bei der ASP die EU-Außengrenze sichern muss und seiner Verantwortung gewiss sei. Die Behörden und Landwirte werden von Polizei und Militär unterstützt. Außerdem gilt es die Einreisenden auf das Verbot der Einfuhr von tierischen Lebensmitteln in die EU hinzuweisen. Bei einem Antrag für ein EU-Visum erhalten die Reisenden bereits vor Beginn ein Flugblatt mit entsprechenden Hinweisen. Tiertransporte, die aus Russland, Weißrussland und der Ukraine zurückkehren werden gereinigt und kontrolliert. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres wurden 77 aus Drittländern zurückfahrende Tiertransporter kontrolliert, 36 Tonnen Lebensmittel tierischen Ursprungs sichergestellt und 1.589 Bußgelder verhängt. Am 26. März wird es in Polen in Zusammenarbeit mit der EU eine weitere ASP-Konferenz geben.

Animationsfilm über die ASP

Die Landwirte können ihre Maßnahmen zur Erhöhung der Biosicherheit durch Fördermittel finanzieren lassen. Polen kofinanziert die Maßnahmen. Gegenüber Herd-und-Hof.de erwartet Staatssekretär Romanowski dadurch keine Erhöhung der Schweinepreise. Die Auswirkungen durch den internationalen Handel oder Freihandelsabkommen, wie dem künftigen Mercosur wirkten deutlicher auf den Markt als das Seuchengeschehen.   Im letzten Jahr hat Polen trotz ASP mehr Schweinefleisch in Drittstaaten abgesetzt. Zuwächse gab es im Handel mit gefrorenem Schweinefleisch in die USA und Kanada.

Polen hat ein sich ausbreitendes Virus, gegen das derzeit nur administrativ vorgegangen werden kann, weitgehend im Griff und kann die Ausbreitung zumindest so weit dämpfen, dass dem Erreger der Vormarsch nur durch die Unvorsichtigkeit des Menschen gelingt. Polen hat es auch geschafft, seinen Handelspartnern den Unterschiede zwischen Befalls- und Gefährdungsgebiet sowie Regionen frei von ASP zu vermitteln. Informationen gibt es in sozialen Medien, in TV und Rundfunk sowie auch in animierten Aufklärungsfilmen. Die Aufregung um die polnische Rohwurst zeigt, wie weit Deutschland hinter der sachgebundenen Information für Alle hinterherhinkt.

Lesestoff:

[1] Regionalisierung durch Zäune: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/asp-werben-um-vertrauen.html

Roland Krieg; Fotos: roRo

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