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Bienen: Nicht nur fleißig

Landwirtschaft

Erstaunliche Mini-Gehirne

>Nach dem langen Winter locken die wärmenden Sonnenstrahlen auch die fleißigen Immen wieder an die Luft. Den Winter über haben sie Exkremente in der Kotblase gespeichert, denn der Bienenstock muss sauber bleiben. Jetzt fliegen sie aus und entleeren die Kotblase, wie die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen vermeldet. Der Imker nennt das Reinigungsflug, der Nachbar eines Bienenstocks ist weniger begeistert. Die Bienen werden nämlich von hellen Flächen geradezu angezogen: Wäsche, die zum Trocknen aufhängt oder Autos, die frisch gewaschen in der Sonne glänzen.
Die Königin beginnt jetzt mit der Eiablage und die alten Winterbienen werden durch die jungen Sommerbienen ersetzt. In der Volksentwicklung eine kritische Phase, denn wenn die Varroa-Milbe die Brut zu stark geschädigt hat, dann schlüpfen zu wenig Immen, um ein starkes Volk zu bilden. Das bedeutet oft den Tod.
Die ersten pollenspendenden Pflanzen sind Krokusse oder Schneeglöckchen, vor allem jedoch Weiden, Kornelkirschen und Haselsträucher.

Volle Arbeitsspeicher
Fiola Bock und Prof. Jürgen Tautz von der "Beegroup" Würzburg an der dortigen Universität haben mit australischen Kollegen in der All-Wetter-Bienen-Fluganlage der National University Research School der Biologen die kleinen Pollensammler getestet. Sie ließen die Bienen durch lange Tunnel fliegen, die mit Querwänden und Flugloch versehen sind.
Einmal blauweiß quergestreift und einmal blauweiß längsgestreift. Am Ende des Tunnels befindet sch eine Entscheidungskammer mit den gleichen Querwänden, wobei allerdings nur hinter dem im Tunnel zuerst angebrachten Muster eine Zuckerlösung als Belohnung wartete. Bald wussten die Bienen wo sie naschen konnten. Im Tunnel wurden die Muster ausgetauscht und verändert. Die Insekten konnten dennoch die einst erlernte Regel verallgemeinern und suchten immer das Muster in der Entscheidungskammer auf, welches im Tunnel zuerst angebracht war. Professor Tautz schwärmt vom Ergebnis: "Beachte immer das erste Muster und ignoriere das zweite - das Ganze funktioniert auch andersherum. Wenn das keine Bienenintelligenz ist." Taucht ein erlerntes Muster innerhalb von fünf Sekunden erneut auf, dann kann die Biene dieses Wiedererkennen. Erst mit steigender Zeitdauer des erneuten Auftauchens ab acht Sekunden verringerte sich die Trefferquote auf das Zufallsniveau.
Gegenüber Wirbeltieren mit hochkomplexen Nervensystemen fanden Forscher in der jüngsten Vergangenheit immer wieder heraus, dass auch Insekten nicht nur einfache Kreaturen sind. Die kleinen Gehirne sind lernfähig und haben Kapazitäten im Bereich des Arbeitsspeichers. Die Kluft zwischen den geistigen Fähigkeiten von höheren Wirbeltieren und Insekten scheint also kleiner zu sein, als zunächst vermutet.
Die Arbeit ist in dem amerikanischen Forschungsmagazin PNAS erschienen (April 2005; vol. 102; no. 14; 5250 / 5255).

Bienenrückgang
Am 17.03.2005 hat Herd-und-Hof.de über den Bienenstockkäfer und die schlechte Situation in Brandenburg berichtet. Auch Thüringen vermeldet einen stetigen Rückgang der Völker. Thüringens Minister für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Dr. Volker Sklenar beklagte auf dem kürzlich stattgefundenen Imkertag in Bad Tennstedt, dass nur noch 16.000 Völker in Thüringen weilen. Das ist weniger als ein Volk pro qkm. Ein Problem haben Honigbienen durch die extreme Blütenarmut zwischen Juni und Spätsommer in der Natur und Landwirtschaft. Im Rahmen von landwirtschaftlichen Ausgleichsmaßnahmen sollen bei Beratung durch Imker Pflanzen und Gehölze verwendet werden, die als Bienenweide geeignet sind, so das Ministerium. Als großen Erfolg wertet Sklenar die Wiedereröffnung des Deutschen Bienenmuseums in Weimar mit dem Landesverband Thüringer Imker als neuer Betreiber.

VLE

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