Menü

Bio-Soja für Kuh und Mensch

Landwirtschaft

Herausforderung, heimisches Soja anzubauen

In der Tierhaltung fehlen Eiweiße. Derzeit wird die Lücke zwischen Bedarf und heimischem Protein durch Importsoja gedeckt. Vor allem der Bioanbau muss auf dem Weltmarkt wählerisch sein, um GVO-freies Soja zu erwerben.
Schon 1873 hat der Österreicher Prof. Dr. Friedrich Haberland rauhaariges Soja aus der Mandschurei in der Alpenrepublik zu kultivieren versucht und stieß gleich auf die klimatischen Besonderheiten: Dem tropischen Schmetterlingsblütler ist es bei der Keimung, im Sämlingsstadium, bei der Blüte und beim Hülsenansatz in Mitteleuropa zu kalt.
Trotzdem setzt das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) auf eine heimische Eiweißstrategie, die neben Ackerbohnen, Futtererbsen und Lupinen auch Soja umfasst. Von Bohnen und Erbsen werden gerade einmal 80.000 Hektar angebaut, erklärte Dr. Annegret Groß-Spangenberg von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) auf der BioFach. Was für den Tierernährer wertvoll ist, gefällt dem Pflanzenproduzenten überhaupt nicht: Die Erträge sind zu instabil, es gibt kaum noch eine Züchtung auf ertragsfähige Sorten. Daher steht Soja in der Eiweißstrategie ganz vorne – auch, weil es für die menschliche Ernährung ebenso geeignet ist.

Zarte Anfänge

Nach Dr. Klaus Peter Wilbois von der Forschung im Biolandbau (FiBL) in Deutschland gedeiht Soja zwar schon in Deutschland, es fehlt im aber immer noch die Ertragsstärke. Für den Ökolandbau ist die Leguminose auch noch durch die Fähigkeit interessant, Luftstickstoff mit Hilfe von Bakterien im Boden zu binden. Soja hat eine Düngerwirkung.
Das aber ist auch gleich das erste Problem. In Deutschland sind diese Bakterien, Bradyrhizobien, nicht im Boden vorhanden und müssen erst „geimpft“ werden. Dazu gibt es zwar schon mehrere Präparate auf dem Markt, die jedoch nicht alle die gleiche positive Wirkung haben. Während Soja in guten Lagen mit erfolgreicher Bakterienimpfung bis zu 40 Dezitonnen je Hektar erzielt, kommt die Pflanze bei fehlgeschlagener Impfung noch nicht einmal auf 20 Dezitonnen je Hektar.
Es führt nach Dr. Wilbois auch kein Weg an eigenen Züchtungen standortangepasster Sorten vorbei. Aus Kanada und China liegen zwar „nördliche“ Sorten vor, doch gedeihen sie in Mitteleuropa nicht im gleichen Maße. Erste Erfolge sind jedoch sichtbar: Die Sorte ES Mentor reift im Oberrheingraben spät ab und erzielt bei 45 Dezitonnen je Hektar 80 bis 82 Prozent Trockenmasse. Die weiterentwickelte Sorte „Primus“ einen Ertrag von 86 Prozent Trockenmasse bei 40 Dezitonnen je Hektar.
Die Bauern müssen auf die Lage achten. Die Versuchsfelder der Universität Göttingen von Reinshof und Deppoldshausen liegen auf 150 und 300 Meter Höhenlinie. Während das Soja in Reinshof schon reif ist, sind die Pflanzen in Deppoldshausen noch grün und nur halb so groß.

Dämme gegen Verunkrautung

Ein weiteres Problem des Sojaanbaus ist die starke Verunkrautung. Ludwig Asam, Sojabauer in Bayern, kommt ohne Striegel und Hacke nicht aus. Wer in den Sojaanbau einsteigen will, der muss für entsprechende Maschinen sorgen. Es hat auch schon Versuche gegeben, Soja ähnlich wie Kartoffeln in Dämmen anzubauen. Damit sollte eine zusätzliche Wärmebildung im Boden erreicht werden. Erfolgreich war der Dammbau aber nicht aus diesem Grund. Weil die Dämme bis zur Ernte wieder glatt gestriegelt werden müssen, erwies sich der Dammbau als Vorteilhaft gegen Unkräuter.
Entwicklungsbedürftig ist in Deutschland auch noch die Verarbeitungsinfrastruktur. Es gibt derzeit noch zu wenige Mühlen, die Soja verarbeiten können. Distanzen ab 150 Kilometer machen den Anbau wirtschaftlich ungünstig.
Im Ökolandbau darf kein Sojaschrot verfüttert werden, weil das Lösungsmittel Hexan Bienengefährlich ist. Mit Vollfettsojakuchen und Sojakuchen stehen den Ökobauern aber interessante Futtermittel zur Verfügung. Zusammen mit der Stickstoffdüngung ist die Sojapflanze daher eine wertvolle Bereicherung.
Soja soll im Reigen der Futtermittel Erbse und Ackerbohnen jedoch nicht ersetzen, schränkt Dr. Wilbois ein. Sie kann auch noch zusätzlich als Tofu der menschlichen Ernährung dienen.
Das Forschungsprojekt ist auf der Suche nach der passenden Sojasorte und gibt bereits Anbauwilligen vielfältige Tipps für den Start zum Sojabauern.

Lesestoff:

www.sojainfo.de

Roland Krieg

[Sie können sich alle Artikel über die diesjährige BioFach mit dem Suchbegriff „ BF-13“ im Archiv anzeigen lassen]

Zurück