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„Biokraftstoffe nicht durch ILUC bestrafen“

Landwirtschaft

Nachhaltiger Transportsektor nach 2020?

Kaum ein Sektor in der Energiewende ist so umstritten wie der für Biokraftstoffe. Neben Energieeffizienz und bester Motorentechnik ist der Betrieb mit Ethanol aus Getreide oder Biodiesel aus Raps ein Faktor, Treibhausgase im Transportsektor zu reduzieren. Doch der Anbau von Feldfrüchten, die ausschließlich oder in Koppelproduktion Grundstoffe für den Motorenbetrieb liefern, steht scheinbar im Widerspruch mit dem Anbau von Feldfrüchten für die menschliche Ernährung. Deshalb konnte der 12. Internationale Fachkongress für Biokraftstoffe im Rahmen der Internationalen Grünen Woche auch keine Lösung für die Branche präsentieren.

Das Modell der „indirekten Landnutzungsänderung“ ILUC versucht die Verschiebung des Nahrungsanbaus zu erklären. Faustine Defossez von der Dachorganisation für Umweltorganisationen im Europäischen Umweltbüro kritisiert den Anbau für Biokraftstoffe wegen seiner „Preisunelastizität“: Bei steigender Nachfrage steigt direkt auch der Anbau von Monokulturen oder verschiebt Ackerflächen in den Regenwald. Das hat wie in Malaysia soziale Nachteile für die Kleinbauern, die ihr Land verlieren. Land Grabbing ist eines ihrer Schlüsselworte.

Demgegenüber kritisiert Dietrich Klein, Direktor des Bundesverbandes der Deutschen Bioethanolwirtschaft, den Modellcharakter der ILUC. Koppelprodukte wie Raps, der Biodiesel, Futter und Grundnahrungsmittel liefert werden genauso wenig berücksichtigt, wie Anbausysteme mit Zwischenfrüchten. „Bioethanol darf durch ILUC nicht bestraft werden“, fasste Klein zusammen. Für kaum eine andere Feldfrucht gebe es so viele Nachhaltigkeitszertifikate wie für Biokraftstoffe. Sie beinhalten auch Umwelt- und soziale Aspekte.

Pekka Pesonen vom europäischen Verband der Bauern- und Genossenschaftsorganisationen COPA-COGECA erinnert an die vielen Fehlschläge der Branche. Landwirte und Unternehmen haben in dezentrale Ölmühlen investiert, bis die Politik die Steuerbegünstigungen aufgehoben hat. Doch das Potenzial für den ländlichen Raum sei groß und bleibe ungenutzt. Denn nur bis zum Jahr 2020 sind verbindliche und reduzierte Substitutionsvorgaben für Biokraftstoffe vorgesehen. Ohne Fortschreibung der Ziele und Förderung seien die EU-Länder auf zu heterogenem Niveau für eine effiziente Biokraftstoffproduktion in Europa.

Was 2021 folgt ist denn auch noch offen. Andreas Pilzecker von der Europäischen Kommission musste erst einmal um Verständnis für die aktuelle Diskussion werben. Ob es noch in diesem Jahr eine Einigung über ILUC geben wird, wagte er nicht zu prognostizieren. Die Positionen zwischen Europaparlament und EU-Rat liegen zu weit auseinander. Nach 2020 sollen mehrere Ziele für den Transportsektor gelten. Der Einsatz von Biokraftstoffen sei möglicherweise nur noch ein Baustein. Im Gespräch ist eine Vorgabe für die Reduzierung der Treibhausabgase für den gesamten Sektor. Damit wäre Faustine Defossez einverstanden, weil das auch den Betrieb mit konventionellen Kraftstoffen einbezieht.

Roland Krieg

[Sie können sich alle Artikel über die diesjährige Grüne Woche mit dem Suchbegriff „IGW-15“ anzeigen lassen]

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