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"Biomasse Leipzig gGmbH"

Landwirtschaft

Biomassezentrum geht nach Leipzig

Die Entscheidung für das im Koalitionsvertrag geplante Biomasse-Forschungszentrum (DBFZ) ist gefallen. Gestern hat Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer in Berlin verkündet, dass Leipzig als Standort auserkoren wurde.

Vier Millionen € und 80 Beschäftigte
Das die Standortwahl auf die neuen Bundesländer fallen würde, stand von vornherein fest. Alle fünf Agrarminister hatten sich Hoffnungen gemacht, den Zuschlag zu erhalten – die Wahl fiel auf „die Auerbachs KellerSüdschiene“. Mit Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind drei engagierte Bundesländer im erreichbaren Umfeld des neuen Zentrums. Außerdem liegen mit dem Umweltforschungszentrum und dem Institut für Energetik weitere Kooperationspartner in der Nähe, begründete Seehofer die Wahl. Im nächsten Haushalt sind vier Millionen Euro für das DBFZ eingeplant, zwei Millionen steuert das Land Sachsen für die Gebäudesanierung bei und innerhalb der nächsten drei Jahre fließen aus Umwelt-, Verkehrs- und Forschungsministerium jeweils eine Million Euro in das Budget.
Seehofer wollte den Standort erst bekannt geben, nachdem Planung, Planstellen und Finanzierung festgestanden haben. Es werde 20 unbefristete und weitere 60 befristete Stellen geben.
Ein Mitarbeiter aus der Landesvertretung Sachsen-Anhalt äußerte sich gegenüber Herd-und-Hof.de, dass es zwar schade sei, dass der neue Standort nicht in seinem Bundesland liege, aber Leipzig sei nah genug, um positive Wirkungen auf das Nachbarland zu haben.

Keine Konkurrenz zu anderen Instituten
Der Schwerpunkt des DBFZ beginnt bei der Ernte der Biomasse und beschäftigt sich mit der Umwandlung der Rohstoffe in Strom, Wärme und Treibstoff. Daher gebe es keine Konkurrenz zu andern Instituten, wie der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe oder der Biologischen Bundesanstalt. Man wolle, so Seehofer, Grundlagenforschung betreiben, die ansonsten „nur wenige Oligopole“ in der Wirtschaft betreiben. Müssen Automotoren eventuell an neue Kraftstoffe angepasst werden? Die Ergebnisse des DBFZ sollen eigenständig und gutachterlichen Charakter aufweisen. Mit dem neuen Forschungszentrum will Seehofer die „dezentrale Energieversorgung“ in Deutschland vorantreiben.

Technologievorsprung
Deutschland habe in der Welt bereits einen Technologievorsprung, der mit dem DBFZ untermauert werden kann. Seehofer stellt sich vor, dass das DBFZ einen ähnlichen Stellenwert erhält wie das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems für die Veterinärmedizin. „Nachwachsende Rohstoffe sollen an ökologische Standards gebunden werden“, forderte Seehofer. Man wolle nicht wie in den letzten Jahren in der Lebensmittelindustrie mit Massenproduktion die gleichen Fehler wiederholen. Es müsse die „Gute Fachliche Praxis“ für den Anbau entwickelt werden, damit der Standort Deutschland in Bereich der Biomasse glaubwürdig ist. Nur dann würden andere Länder in der EU das übernehmen. Und nur dann könne die EU internationale Standards über die WTO in die Welt durchsetzen. Der Goldgräbereuphorie auf dem Biomassemarkt müsse der Staat Leitplanken entgegen setzen, so Seehofer.
Noch in diesem Jahr wird ein Aufbauteam in Leipzig sein und 2008, hofft Seehofer, dass eine gemeinnützige GmbH gegründet für das BDFZ gegründet werden kann. Vier Millionen Euro „Startkapital“ seien nicht zu wenig, denn das DBFZ soll zusätzlich Drittmittel für weitere Forschung eintreiben.
Enttäuscht äußerte sich hingegen Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus, weil Rostock lange Zeit auf Platz zwei der Standortliste rangierte: „Synergien wären auch mit der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe in Gülzow, dem Agrobiotechnikum in Groß Lüsewitz und dem Versuchsgut Dummerstorf sowie den Forschungseinrichtungen in Hamburg zu erwarten gewesen.“

Beimischung ja - Steuer nein
Der Deutsche Bauernverband (DBV) forderte parallel die
Bundesregierung auf, die Zwei-Wege-Strategie bei der Förderung von Biokraftstoffen fortzusetzen. „Es müsse sowohl der Weg der Beimischung von Biokraftstoffen zu fossilen Treibstoffen weiter verfolgt werden als auch der Reinstoffmarkt gestärkt werden.“ Nur so könne das ambitionierte Ziel von 10 Prozent Beimischung erreicht werden. Deshalb forderte der DBV, die Beimischungsquote bereits im nächsten Jahr auf sieben Prozent hoch zu setzen. Ausgesetzt hingegen werden soll die weitere Besteuerung für den Reinkraftstoffmarkt. Das sei unerlässlich, „um den hauptsächlich mittelständisch geprägten Betreibern von dezentralen Anlagen zur Produktion von Biodiesel und Pflanzenöl eine Perspektive zu geben.“ Nach Angaben des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffenergie lag im Juni mehr als die Hälfte der Produktionskapazitäten still. Der Bundesamt für Güterverkehr hatte bereits gewarnt, dass immer mehr Speditionen wieder zu konventionellem Treibstoff zurückkehren.

Roland Krieg; Foto: roRo: vor Auerbachs Keller in Leipzig

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