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Biomasse unterschiedlich bewertet

Landwirtschaft

Biomasse in Zentraleuropa

Das EU-Forschungsprojekt „4biomass“, das in der letzten Woche mit einer Tagung in Berlin zu Ende ging hat für die Länder Deutschland, Italien, Österreich, Polen, der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn sehr individuelle Nutzungsziele für die Biomasse ermittelt. Einige Länder wie Ungarn und Deutschland haben mittlerweile ehrgeizigere Ziele für den Anteil an erneuerbaren Energien als sie der EU übermittelt haben:


Die Länder setzen von sich auf unterschiedliche Prioritäten. So starten die Österreicher schon von einem hohen Anteil an erneuerbaren Energien und wollen vor allem das Sektorziel Transport vor Wärme und Strom ausbauen. Polen hingegen startet von einem mittleren Niveau und will seinen Anteil vor allem im Strombereich verdreifachen, was nach Einschätzung der Projektpartner kaum ohne Importe zu realisieren sei, obwohl das Land große Reserven aufweise.

Österreich

Die österreichische Biomasse stammt überwiegend aus den Wäldern, die künftig noch mehr genutzt werden. Demgegenüber ist die Biomasse vom Acker und aus biogenen Reststoffen trotz großen Potenzials mit nur sechs PJ noch nicht richtig erschlossen. Genutzt werden sollte die Biomasse eher für den Niedrigwärmebereich. Der Projektbericht sieht hier ein einfach erschließbares Potenzial. Rund 820.000 Haushalte könnten von Erdöl auf Pelletheizungen umstellen. Das würde im Vergleich zu 2009 mehr als eine Verdoppelung bedeuten, aber realistisch sein.

Tschechien

Während das Holzpotenzial in Tschechien bald ausgeschöpft sein wird, gibt es im Bereich des Ackerbaus noch große Reserven. Mehr als 80 PJ könnten aus Stroh und Gras erschlossen werden. Rund 2,8 Millionen Tonnen Gras für 40 PJ könnten von 980.000 Hektar Land gewonnen werden, das vor einigen Jahren durch Stilllegungsprämien als Reserve gehalten wird. Die Politik allerdings begünstigt die erneuerbaren Energien nur wenig. Martin Bursik, Umweltminister im Jahr 1998, beklagte, dass die jetzige Regierung mehr als acht Milliarden Euro für das Kernkraftwerk in Temelin plant, anstatt die erneuerbaren Energien zu fördern.

Ungarn

Das Land der Magyaren hat ein großes Biomassepotenzial. Seit 1920 wächst die Waldfläche stetig und umfasst heute rund 1,9 Millionen Hektar. Hinzu kommen rund eine Million Hektar Grasland. Die klimatischen Bedingungen und die Weite des Landes könnten ein breites Spektrum an Biomasse erzeugen, doch die Politik will nicht so recht. Nach Tamas Toth vom ungarischen Energiebüro hat die Regierung zunächst einmal das Fördersystem für den Ausbau der erneuerbaren Energien gestoppt. Die großen Investoren wenden sich nach Toth jetzt Rumänien und der Slowakei zu.

Italien

Im Gegensatz zu Osteuropa gibt es in Italien auch kleine Energieanlagen wie in Deutschland. 521 Biogasanlagen stehen schon, rund 130 sind im Bau, erklärte Vito Pignatelli von der italienischen Biomassevereinigung. 90 Prozent der Anlagen stehen in Norditalien und produzieren etwa 350 MW. 58 Prozent der Anlagen arbeiten mit tierischen Abfällen und biogenen Reststoffen, denn das mediterrane Land zeigt sich für eine ausgiebige Biomasseproduktion als wenig klimatisch begünstigt. Dafür sind in Italien zwei von drei europäischen Autos unterwegs, die mit Biomethan fahren. Mit 730.000 Fahrzeuge sind etwa zehnmal mehr Autos als in Deutschland unterwegs.

Polen

12 Prozent der europäischen Biomasseressourcen sind nach Berechnungen des Projekts in Polen. Dennoch wird sie hauptsächlich und in der Tendenz steigend lediglich als Ko-Feuerung in den Kohlekraftwerken eingesetzt. Innovativ zeigt sich unser östlicher Nachbar durch die Nutzung von Weiden und Pappeln als Kurzumtriebsplantagen. Mehr als 8.000 Hektar sind schon genutzt. Vor kurzem haben auch die ersten Doktoren für Agroenergie die Universitäten verlassen. In dem Bereich ist nach Magdalena Rogulska vom Automotive Industry Institut Polen Weltspitze.

Slowenien

Das Land ist verhältnismäßig reich an erneuerbarer Energie. 60 Prozent des Landes ist mit Wald bedeckt. Seit mehr als 130 Jahren lag der Holzeinschlag unter der Aufwuchsrate. Vielleicht ein Grund, warum das Land mit 25 Prozent Anteil erneuerbare Energie ehrgeizige Ziele bei seiner Energiewende hat. Im Jahr 2006 wurden 3,7 Millionen Kubikmeter geschlagen. Seit Jahren steigt auch die Zahl der Biogasanlage, wobei die Größenornungen mit mehr als einem MW von der Förderung begünstigt werden. Derzeit gibt es nur eine kleine Anlage mit 124 kW auf Betriebsebene. Derzeit gibt es noch einen Baustopp für Biogasanlagen, die mehr als 40 Prozent Energiepflanzen nutzen, um die Konkurrenzsituation zur Nahrungsproduktion zu entzerren. Bis Herbst 2012 wird ein unabhängiges Audit für die weitere Nutzung von Biogaanlagen vorgelegt. Das Ergebnis wird ein Barometer für die Politik des Landes in Bezug auf die erneuerbaren Energien sein.

Lesestoff:

Alle Länder alle Details: www.aebiom.org

Teil I: Abschlussworkshop „4biomass“ in Berlin

Roland Krieg

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