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Biowachstum mit Dilemma

Landwirtschaft

Brandenburg: Bio boomt

Michael Wimmer von der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin Brandenburg (FÖL) zieht eine positive Bilanz auf der Grünen Woche. Mit Wachstumsraten von 15 und 16 Prozent boomt der Biobereich in Brandenburg und könnte sich sogar noch auf 20 Prozent steigern – wenn es mehr Ware gäbe. Mittlerweile haben die konventionelle und Biosupermärkte eine Nachfrage generiert, die vor allem zeigt, dass Verbraucher dem Begriff „Bio“ nicht mehr skeptisch gegenüber stehen.
Vermehrt kommt auch Bioware aus dem Ausland und sogar aus China. Für das Inland sind das verpasste Chancen, weil die Arbeitsstätten woanders gebildet werden. Wimmer sieht allerdings auch das Positive: Der Ökogedanke wird mittlerweile auch in die Regionen getragen, in denen er vorher fremd gewesen ist. Italien beispielsweise hatte bis vor einigen Jahren Bioprodukte nur für den Export angebaut. Jetzt sind die Italiener selbst auf den Geschmack gekommen und haben einen stabilen Eigenmarkt entwickelt.

Professionalisierung im Ökobereich
Im Sog der Nachfrage hat sich der Biobereich professionalisiert. Im Bereich Produkte und Mengenerfassung hat die Branche gelernt und ist gewachsen. Gegenüber Herd-und-hof.de sagte Wimmer, dass es schon seit längerem die Entwicklung zu Erzeugergemeinschaften gibt. Dadurch sinken die Stückkosten und hat mitgeholfen, Biopreise stabil zu halten, obwohl die Rohstoffpreise angestiegen sind. Früher haben die Lkw im Biohandel noch Luft auf der Ladefläche gehabt, heute sind sie voll gepackt.

Betriebstyp

Anzahl der Betriebe

Ökofläche je Betriebstyp

Gemischt

203

51.199

Futterbau

189

49.123

Marktfrucht

127

26.048

Obst, Gemüse

80

1.557

Veredlung

25

641

Summe

624

128.568

nach: Ökologischer Landbau in Brandenburg

Dilemma in Brandenburg
Brandenburg hat mit Berlin eine riesige Metropole vor der Haustür, aber Schwierigkeiten mit dem Nachschub. Zum einen leidet das Bundesland immer noch an dem dreijährigen Umstellungsstopp der Landesregierung. Die FÖL sucht dringend umstellungswillige Bauern. Zum anderen will Brandenburg aber nicht einfach nur Rohstofflieferant für verarbeitete Produkte sein, , die dann von außerhalb wieder nach Berlin kommen. Verarbeiter werden ebenfalls händeringend gesucht. Hier zeigt sich jedoch gerade das Dilemma: Wenn ein Investor in das Land käme, eine Lagerung und Kommissionierung für den Frischebereich aufzubauen, dann findet er keine ausreichende Rohstoffbasis für eine ökonomische Investition vor. Zwar gibt es Biobauern, die das ganze Gemüsespektrum anbieten, aber 100 Hektar Karottenanbau erfordern eine andere Betriebsstruktur. Das wäre lohnend, denn die ZMPP hatte zur Eröffnung der Grünen Woche analysiert, dass das Wachstum im TK-Bereich für Gemüse ausschließlich auf Bioware zurückgreift.
Deshalb ist hier wirklich Eigeninitiative angesagt, wie es das Landgut Pretschen vor einigen Jahren gezeigt hat. Eine Marktanalyse ergab, dass Chicorée gefragt ist. In vier bis fünf Jahren hat sich das Landgut zu Deutschlands größten Bio-Chicorée-Anbauer aufgeschwungen und liefert 100 Prozent des Ökogemüses in Berlin.
Am leichtesten zu überwinden, scheint das Dilemma fehlender Erzeuger und Verarbeiter im Bereich der Sonderkulturen, des Gemüses und Beerenobst zu sein. Hier wollen sich die Brandenburger Biobauern in der Zukunft profilieren.
Was es aktuell an breitem Angebot gibt, zeigt der Gemeinschaftsstand in der Brandenburghalle 21 a, an der auch umstellungswillige Bauern und Verarbeiter willkommen sind.
Verbraucher können hier auch eine der 700.000 neuen Bio-Einkaufsführer für Berlin und Brandenburg erhalten. Die Broschüre Bio-Tour lädt alle Reisewilligen zu Ausflügen auf. 30 Betriebe ein, die mit einem Kurzportrait vorgestellt sind.

roRo

[Sie können sich alle Artikel über die diesjährige Grüne Woche mit dem Suchbegriff „IGW-08“ im Archiv anzeigen lassen]

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