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Blaue Revolution

Landwirtschaft

Öko-Methoden erschließen Wasserressourcen

Die Nutzung ökologischer Anbaumethoden ist von zentraler Bedeutung, um eine ausreichende
Wasserversorgung zur Ernährung der Weltbevölkerung sicher zu stellen. Das wurde letzte Woche bei der Jahrestagung des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) in Berlin deutlich.
Dieter Gerten vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zeigte auf, dass die Verfügbarkeit von Wasser in absehbarer Zeit zum bedeutendsten limitierenden Faktor bei der Lebensmittelproduktion wird. Ein Schlüssel zur Steigerung von Erträgen sei der Umgang mit dem so genannten „grünen Wasser“. Dies ist das Wasser, das nach Regenfällen vom Boden gespeichert wird und den Kulturpflanzen ohne weitere Bewässerung zur Verfügung steht. 70 % der Ernten werden mit „grünem“ Wasser erzeugt. Durch eine bessere Nutzung sind nach seinen Berechnungen bis zu 19 % mehr Ertrag möglich.

Am Samstag berichtete die Rheinische Post, dass die Union in den Koalitionsverhandlungen auf die Einführung einer Wasserabgabe drängt. Das geht aus dem Abschlussbericht der Arbeitsgruppe Umwelt hervor. Der so genannte Wassercent soll von Privathaushalten und Unternehmen bezahlt werden und betrüge in Nordrhein-Westfalen 4,5 Cent je Kubikmeter Wasser. Dort ist die CDU/FDP-Regierung jedoch dabei, den Wassercent wieder abzuschaffen. // roRo

Humus speichert Wasser
„Mit den Methoden des Öko-Landbaus kann der Humusgehalt der Böden deutlich gesteigert werden. Dadurch kann er mehr Wasser speichern. Das ist gerade in Trockengebieten von großer Bedeutung“, betonte Urs Niggli Direktor vom Forschungsinstitut für Ökologischen Landbau (FiBL). Langjährige Untersuchungen zeigten, dass Öko-Flächen Regen besser aufnehmen und so zum Hochwasserschutz beitragen können. Er stellte auch fest, dass der Öko-Landbau eine hohe Wasserqualität sichert, da er mit lediglich 4 % der im konventionellen Landbau üblichen Pflanzenschutzmittelaufwendungen auskommt und zudem keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.
Der Vorsitzende des BÖLW, Felix Prinz zu Löwenstein betonte die Ressourcen-Effizienz des Öko-Landbaus. In den Ländern des Südens sei er nicht nur die ertragsstärkere, sondern auch die ertragsstabilere Lösung. Löwenstein forderte daher ein Umdenken bei der Bekämpfung des Hungerproblems: „Wir müssen weg von auf einzelne Technologien gegründeten Lösungsansätzen, wie das bei der Gentechnik der Fall ist. Statt dadurch weitere ökologische Schäden zu riskieren, müssen wir das ganze System aus Boden, Pflanze und Umwelt in den Blick nehmen.“ Bereits der Weltagrarbericht zeige auf, dass ein „Weiter so“ in der Landwirtschaft ein Weg ohne Zukunft ist. Agrarforschung und -politik müssten einen Paradigmenwechsel vollziehen. “Doch alle Anstrengungen werden uns nichts helfen, wenn wir nicht bereit sind, einen Lebensstil in Frage zu stellen, der mehr Ressourcen verbraucht, als uns zur Verfügung stehen!“ stellte Löwenstein klar.

Auf den Baum kommt es an
Seit drei Monaten fällen kenianische Bauern Eukalyptus-Bäume, die nahe an Brunnen, Flüssen und Seen stehen. Sie folgen damit einer Regierungsdirektive, die von mit dieser Maßnahme kostbare Wasserressourcen bewahren will. Aus kommerziellen Gründen wurde in der Vergangenheit Eukalyptus angebaut, weil der Baum schnell wächst und damit in kurzer Zeit Bau- und Feuerholz liefert. Eukalyptus braucht allerdings auch viel Wasser und trocknet in einem Abstand von bis zu 30 Meter kleine Seen aus. Dem Science and Development Network sagte der Forstbeamte James Gitonga, dass vor allem die vor sieben Jahren aus südafrika importierten Eukalyptusarten „grandis“ und „camaldulensis“ eine Bedrohung für die kenianische Umwelt geworden sind. Seinen Angaben zufolge sollten die Bauern mehr Silbereichen (Grevillea) pflanzen.
Schon im Jahr 2006 hat das World Agroforestry Center ICRAF auf der Stockholmer Weltwasserwoche auf die richtige Baumwahl hingewiesen. Die richtige Art zu finden, kann die Wassernutzung effektiver gestalten, die falsche Art kann die Wassersituation vor Ort verschlechtern. Schnell wachsende und immergrüne Pinien und Eukalyptus-Bäume gehören eher zur letzten Kategorie.
In Ostafrika kann liefert der heimische Melia volkensii (Gürke) ebenso ausreichend Holz für die Bauern, belastet aber die Wasserreserven in den Trockenregionen nicht. Der Laubbaum Cordia africana kann in den Wassereinzugsgebieten genutzt werden und erfreut sich zusätzlich bei den Imkern, weil dessen Blüten von den Bienen sehr gern besucht werden.
Beide Bäume eignen sich zudem in der Nutzung zusammen mit Ackerfrüchten. Bis zu sechs Monate lang beschatten die Bäume die Feldfrüchte, die daraufhin nur die Hälfte an Wasser brauchen, als wenn sie der prallen Sonne ausgesetzt sind.

Wasser sammeln und sparsam verwenden
„Die Wassernutzung in der Landwirtschaft ist ein Schlüsselproblem für das 21. Jahrhundert: denn ohne Verbesserungen werden weder die Folgen des Klimawandels bewältigt noch der Nahrungsmittelbedarf weiterer zwei oder drei Milliarden Menschen gedeckt werden können“, sagte vergangenen Freitag Wolfgang Lucht vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zur Veröffentlichung einer neuen Studie. Lucht versucht mit „realistischen Möglichkeiten“ die entstehende Versorgungslücke beim Wasser teilweise zu schließen. Die Methoden: Regenwasser für die Trockenheit sammeln und Bodenverdunstung minimieren.
Zur Minimierung der unproduktiven Wasserverdunstung aus dem Boden können Mulchen und angepasste Bodenbearbeitung angewandt werden. Das erhöht die produktive pflanzliche Transpiration, die den Zuwachs an Biomasse ermöglicht. Die Wasserverluste können halbiert, die Erträge zwischen zwei und 25 Prozent erhöht werden. Die größten Erntesteigerungen sind in semiariden Gebieten zu erwarten.
Abfließendes Regenwasser kann in Senken und kleinen Speichern für die Trockenheit „geerntet“ werden. Die Studie errechnet Ertragssteigerungen zwischen vier und 31 Prozent.
Die Kombination beider Methoden ergibt ein zusätzliches Ertragspotenzial von sieben bis 53 Prozent. Trotzdem: Das „auf heutiger Anbaufläche verfügbare Wasser (reicht) nicht für die Nahrungsversorgung einer Weltbevölkerung von neun bis zehn Milliarden Menschen aus“. Diese Erkenntnis, schreiben die Autoren, werfe wichtige Fragen auf, „wie die Land- und Wassernutzung zukünftig zwischen künstlicher und natürlich bewässerter Landwirtschaft, Ökosystemen und Bioenergie-Anbauflächen verteilt werden soll“.1)

Lesestoff:
Die Dokumentation zur BÖLW-Tagung finden Sie in wenigen Tagen unter www.boelw.de
1) Rost S et al, 2009 Environ. Res. Lett. *4* 044002 (9pp) doi:10.1088/1748-9326/4/4/044002

Peter Röhrig (BÖLW), roRo

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