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Bodenschutz sträflich vernachlässigt

Landwirtschaft

Kritischer Agrarbericht 2010

Pro Hektar gehen jedes Jahr rund 10 Tonnen Boden verloren, mahnt Dr. Frieder Thomas, Geschäftsführer des AgrarBündnis, bei der Vorstellung des Kritischen Agrarberichts direkt vor der Grünen Woche. Bodenschutz ist daher auch das Schwerpunktthema des neuen Jahrbuches, das die Themen in den Vordergrund stellt, die von der Politik vernachlässigt werden. Zehn Tonnen – das ist mehr als jährlich wieder neugebildet wird.

Neues Achtungsverhältnis
Friedrich von Hohmeyer von Demeter kritisiert, dass in der industriellen Denkweise kein Platz mehr für den Boden als Betriebsmittel besteht. Als Produktionsmittel werde nur die technische Ausstattung verstanden, was eine technische Umwelt produziere, die sehr viele Ressourcen verbraucht. Es sei an der Zeit, den Bodenschutz wieder als Organismus, als Lebewesen in den Vordergrund zu rücken, weil er die Grundlage der menschlichen Existenz ist.
Bedroht werde der Boden durch seine Umwandlung in Straßen- und Siedlungsfläche, so Dr. Thomas und der Spekulation. Ähnlich wie bei Saatgut stelle sich die Frage, wem gehört der Boden?
Es gebe zwar ein Bodenschutzgesetz der Bundesregierung, dass nach Ansicht von Dr. Hubert Weiger vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) eher ein „Altlastensanierungsgesetz“ ist. In dieser Aufgabenstellung habe es zwar gute Verdienste erfüllt, reiche aber für die kommenden Herausforderungen nicht mehr aus. Die „Gute Fachliche Praxis“, auf die sich das Bodenschutzgesetz beziehe, klammere die Themen Bodenverdichtung und Erosion weitgehend aus. Die aktuelle Siedlungs- und Verkehrspolitik der Bundesregierung konterkariere die Versprechen zum Erhalt der Biodiversität.
Erfahrungen über handelbare Flächenausgleichszertifikate zur Mengenbegrenzung des Verbrauchs liegen dem BUND zwar nicht vor, aber eine Verteuerung des Bodens für eine nachhaltigere Bewirtschaftung sei durchaus eine Option, den Verbrauch einzuschränken, so Weiger zu Herd-und-Hof.de. Wichtiger sei es, die Ungeheuerlichkeit zu beenden, Naturschutzflächen als Flächenverbraucher zu diskreditieren. Es sei „perfide“ sich nicht gegen die Zerschneidung von Flächen durch den Autobahnbau zu wehren, aber den Naturschutz als Flächenverbraucher hinzustellen. Der Deutsche Bauernverband würde nichts gegen den Flächenverbrauch tun, weil die Mitglieder daran Geld verdienten.

Tiere auf die Fläche zurück
Dr. Heidrun Betz vom Deutschen Tierschutzbund wandte sich gegen die industrielle Tierproduktion. Die flächenungebundene Tierhaltung schaffe große Probleme bei Tier und der Umwelt. Zuletzt geraten gerade die Schweinehalter in Kritik. Deutschland habe sich mit großen Veredlungen und Schlachteinheiten zu einem Exporteur entwickelt. Die Nachbarländer können auch nicht mehr wachsen und exportieren ihre Schweine bereits nach Deutschland. Dänemark und die Niederlande wüssten schon nicht mehr wohin mit der Gülle und in Deutschland wehre sich die Bevölkerung zunehmend gegen die großen Produktionseinheiten. Dr. Weiger ergänzt, dass man nach der Wende „voller Entsetzen“ auf die großen DDR-Betriebe geschaut habe, und das gleiche Modell im Rahmen des Kapitalismus propagiere.
Folgen der einstreulosen intensiven Tierhaltung seien Sprunggelenksveränderungen, schmerzhafte Schleimbeutelentzündungen, Sohlenprobleme und Verhaltensänderungen, so Dr. Betz. Was die Besucher er Grünen Woche in der Tierhalle und auf dem Erlebnisbauernhof zu sehen bekämen, bezeichnete Dr. Weiger als Potemkinsches Dorf. Die Massentierhaltung sieht anders aus.

Lesestoff:
Den Kritischen Agrarbericht 2010 können Sie beim ABL-Verlag, Bahnhofstraße 31 in 59065 Ham beziehen. 19,80 Euro plus Versand, ISBN 978-3-930413-40-9
Zum Thema Flächenausgleichszertifikate finden Sie mehr auf Herd-und-Hof.de in der Ausgabe Marktplatz 2/2009 „Der Regenwurm im FAZ“

Roland Krieg

[Sie können sich alle Artikel über die diesjährige Grüne Woche mit dem Suchbegriff „IGW-10“ anzeigen lassen]

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