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Brandenburg auf der IGW

Landwirtschaft

Brandenburg sucht Verarbeiter für den regionalen Handel

„Eine Internationale Grüne Woche ohne Brandenburg ist unvorstellbar“, sagte Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger im Vorfeld. Weil die Berliner keine Landwirte haben, wähnen sich die Märker schon als „heimlicher Ausrichter“. So weit daneben liegen sie nicht, denn die Brandenburghalle 21a ist die am meisten besuchte Halle und wird gelegentlich schon mal temporär wegen Überfüllung geschlossen.

Das soll dem Spaß aber keinen Abbruch tun, denn mit mehr als 1.800 einzelnen Programmpunkten und 78 Aussteller bietet das Bundesland vom Fisch bis zur Schokolade, vom Bauernverband bis zum Ökobetrieb Delikatessen und Neuigkeiten. Die Regionen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin präsentieren sich zum Fontane-Jahr mit dem Jubiläum des Dichters zum 200. Geburtstag und geben eine Vorschau auf die Landesgartenschau. Sie hoffen dabei auf viele Besucher aus dem angrenzenden Norden, weil Mecklenburg-Vorpommern keine eigene Landesgartenschau durchführt.

Henrik Wendorff, Hanka Mittelstädt, Jörg Vogelsänger (v.l.)
Henrik Wendorff, Hanka Mittelstädt, Jörg Vogelsänger (v.l.)

Erstmals präsentieren sich der Landkreis Havelland, die Hebebräu GmbH und die Friki Storkow GmbH. Brandenburg will nach Vogelsänger im Jahr der Landtagswahl auch die Europafreundlichkeit der Märker unter Beweis stellen. Traditionell unterhält das Land gute Partnerschaften mit westpolnischen Wojewodschaften, die sicher keinen deutschen Radikalismus vertragen. Vogelsänger trifft sich mit vier Vize-Marschällen auf der Grünen Woche.

Besuch bekommen die Aussteller vom Lebensmitteleinzelhandel. Nach Hanka Mittelstädt haben sich rund 100 Kaufleute von Rewe, mehr als 200 der Edeka und 25 von Kaufland angemeldet. Die Vorsitzende der Brandenburger Vermarktungsgesellschaft pro agro freut sich auch auf knapp 100 Einkäufer aus den Bereichen Gastronomie und Hotellerie. Auf diesem Wege finden Brandenburger Produkte in die Berliner Läden. Eigentlich sollte das ein Selbstläufer sein, weil Brandenburg die natürliche Region für die Berliner ist.

Die Landwirte produzieren jedoch überwiegend Rohstoffe, die nach der Verarbeitung in andern Regionen verarbeitet wieder zurück ins Land kommen. Grundsätzlich fehlen dem Bundesland kleine und mittlere Verarbeiter für Fleisch und Milch, es fehlen Mühlen und Händler mit regionalen Beziehungen.

Die internationalen Märkte werden durch größer werdende Konkurrenz der Schwellenländer undurchdringlicher, die Preise schwanken. Regionale Produkte liegen nicht nur bei den Verbrauchern im Trend, sondern bieten Landwirten einen zusätzlichen Mehrwert. Doch die Umsetzung ist nicht einfach.

Es gibt zwar Fleischverarbeiter im Land, aber keine kleinen Schlachtereien mehr. Der eine oder andere Metzger reicht nicht aus, Berlin mit Fleisch zu versorgen. Erst, wenn die Schlachtung geregelt ist, schließt sich die regionale Verarbeitung an, erläuterte Landesbauernpräsident Henrik Wendorff Herd-und-Hof.de. Es würde schon reichen, wenn große Unternehmen in Brandenburg Filialen  einrichten. Hanka Mittelstädt fordert eine Ansiedlungsstrategie vom Land und Anreize für junge Unternehmer Brücken zwischen Berlin und Brandenburg zu bauen.

Das Thema ist nicht neu und jährt sich von Grüner Woche zu Grüner Woche. Ein Signal, dass die  Landespolitik die Zeichen nicht umsetzen kann.

Jährlich erneuert sich auch die Kritik an den großen Betriebsstrukturen im Land. In diesem Jahr hat Wendorff, selbst Ökobauer, auf die schon bestehende Umverteilung hin zu kleinen Betrieben verwiesen. Seit 2014 werden sie mit einem Aufschlag von 50 Euro je 30 Hektare und mit 30 Euro für die nächsten 16 Hektare begünstigt. Die bundesweit dafür genutzten 350 Millionen Euro werden vom deutschen Agrarbudget abgezogen. Der Finanztransfer findet auch von Ostdeutschland in den Westen statt.

Roland Krieg; Fotos: roRo

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