Brandenburger Agrarforscher fordern Wertewandel

Landwirtschaft

Leibniz-Agrarforscher in Brandenburg fordern Wertewandel

Anlässlich einer gemeinsamen Festveranstaltung zum 20-jährigen Gründungsjubiläum am in Potsdam forderten die Leiter der drei agrarwissenschaftlichen Leibniz-Institute im Land Brandenburg ein Umdenken im Umgang mit den natürlichen Ressourcen für eine nachhaltige Biomasseproduktion und gesunde Ernährung. Im Beisein zahlreicher Gäste aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft würdigten Staatssekretär Peter Bleser, BMELV, die Brandenburgische Wissenschaftsministerin Sabine Kunst und der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Karl Ulrich Mayer die Arbeit der Leibniz-Institute für Agrartechnik Potsdam-Bornim (ATB), für Gemüse- und Zierpflanzenbau Großbeeren/Erfurt (IGZ) und für Agrarlandschaftsforschung Müncheberg (ZALF).

Naturgesetze statt ökonomische Kriterien

Ernährung ist eine der drängendsten Fragen der Zukunft – nicht nur im Hinblick auf die Versorgung einer wachsenden Weltbevölkerung mit qualitativ hochwertigen und sicheren Lebensmitteln. In ihren Vorträgen zu Qualität, Energie und Nachhaltigkeit unterstrichen die Direktoren der drei Leibniz-Einrichtungen insbesondere die Notwendigkeit eines effizienteren Umgangs mit natürlichen Ressourcen. Wie sollte die Landnutzung der Zukunft aussehen, um sowohl die Erzeugung von Lebensmitteln, biogenen Stoffen und Energie in ausreichender Menge zu ermöglichen als auch den Menschen eine möglichst hohe Umwelt- und Lebensqualität und der Natur vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten?

„Unser Ziel muss z.B. sein, mehr Energie zu produzieren als zu verbrauchen - und in der Bewertung, ob uns das gelingt, naturale Kriterien wie Kohlenstoffbilanzen zugrunde zu legen“, mahnte Prof. Dr. Reiner Brunsch, ATB. „Die Welt funktioniert nach Naturgesetzen, aber wir bewerten das Ergebnis unseres Wirtschaftens nach rein ökonomischen Kriterien. Um zu nachhaltigen Ergebnissen in der Nutzung endlicher natürlicher Ressourcen zu gelangen, nicht nur zu kurzfristigen wirtschaftlichen Erfolgen, brauchen wir ein gesellschaftliches Umdenken. Wir brauchen neue Wertmaßstäbe“, forderte Brunsch.

„Auch die Agrarpolitik muss sich Nachhaltigkeitskriterien stellen, denn Nachhaltigkeit ist eine gemeinsame gesellschaftliche Herausforderung“, unterstrich Prof. Dr. Hubert Wiggering, ZALF.

Die Herausforderung bestehe darin, nicht nur mehr, sondern auch sichere und qualitativ hochwertige Lebensmittel zu erzeugen, betonte IGZ-Direktor Prof. Dr. Eckard George. Es gelte, z.B. Konsumentenwünsche nach Gemüse mit wertgebenden Inhaltsstoffen zu berücksichtigen, aber auch ethische Kriterien in der Produktion zu befolgen.

Schlüssel Agrarforschung

„Man kann nicht oft genug betonen, wie wichtig die Agrarforschung für die langfristige Sicherung der Welternährung ist," sagte der Parlamentarische Staatssekretär im BMELV Peter Bleser in seinem Grußwort. „Der Druck auf die Agrarfläche nimmt zu - wir benötigen Nahrung, erneuerbare Energien, nachwachsende Rohstoffe und den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen. Deshalb brauchen wir innovative Forschung für die Lösungen der Zukunft", so Staatssekretär Bleser.

Auch Prof. Dr. Karl Ulrich Mayer, der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, sprach sich in seinem Grußwort dafür aus, angesichts der globalen Herausforderungen die agrarwissenschaftliche Forschung weiter auszubauen. Die soeben im Leibniz-Präsidium beschlossene Förderung des Leibniz-Forschungsverbundes „Nachhaltige Lebensmittelproduktion und gesunde Ernährung“ setzt hier ein Zeichen: Im interdisziplinären Verbund werden 12 Leibniz-Institute diese komplexen Zukunftsfragen gemeinsam bearbeiten - von der molekularen Ebene bis zu volkswirtschaftlichen Fragen.

Universität und Wirtschaft

Die Brandenburgische Wissenschaftsministerin Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst zeichnete die Bedeutung der landwirtschaftlichen Innovation für Brandenburg im historischen Kontext bis in die Gegenwart nach. Sie hob die Innovationskraft der drei agrarwissenschaftlichen Einrichtungen hervor, die seit Anfang 2012 im Wissenschaftsministerium angesiedelt sind. „Die außeruniversitären Einrichtungen in Brandenburg sind exzellente Kooperationspartner und tragen auch bei zum großen Prestige der Hochschulen des Landes“, so Kunst.

ATB, IGZ und ZALF erhalten zu je 50 Prozent institutionelle Förderung aus dem Haushalt des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg (MWFK). Die drei agrarwissenschaftlichen Leibniz-Institute in Brandenburg beschäftigen insgesamt 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das jährliche Budget beträgt insgesamt knapp 50 Mio. Euro, davon mehr als 14 Mio. Euro wettbewerblich eingeworbene Forschungsgelder.

ATB

Die Forschung des Leibniz-Instituts für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V. (ATB) zielt auf die ressourceneffiziente und CO2-neutrale Nutzung biologischer Systeme zur Erzeugung von Lebensmitteln, Rohstoffen und Energie in Anpassung an Anforderungen von Klimaschutz und Klimawandel. Zu diesem Zweck entwickelt das ATB verfahrenstechnische Grundlagen für eine nachhaltige Landbewirtschaftung und stellt innovative technische Lösungen für Landwirtschaft und Industrie bereit. Eine der zentralen Aufgaben ist es, die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der eingesetzten Verfahren über die gesamte Wertschöpfungskette zu analysieren - vom Feld bis zum Verbraucher. www.atb-potsdam.de

IGZ

Das Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) e.V. Großbeeren / Erfurt erarbeitet die wissenschaftlichen Grundlagen für eine ökologisch sinnvolle und zugleich effektive Erzeugung von Gartenbaukulturen. Damit will das IGZ der Umwelt, der Wettbewerbsfähigkeit des Gartenbaus und den Bedürfnissen der Verbraucherinnen und Verbraucher dienen. Dabei arbeitet das IGZ mit Universitäten, anderen Forschungseinrichtungen und Praxisbetrieben zusammen, auch über die Grenzen Deutschlands und Europas hinaus. Die gegenwärtig erfolgreichsten Forschungsschwerpunkte des Institutes sind die Gemüseproduktion im Freiland und Gewächshaus sowie Pflanzenvermehrung und die Samenbauforschung bei Zierpflanzen. www.igzev.de

ZALF

Das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. Müncheberg erforscht Ökosysteme in Agrarlandschaften und die Entwicklung ökologisch und ökonomisch vertretbarer Landnutzungssysteme. Das ZALF richtet sein Hauptaugenmerk darauf, aus aktuellen und antizipierten gesellschaftlichen Diskussionen heraus Perspektiven für eine nachhaltige Nutzung der Ressource Landschaft im Kontext der Entwicklung ländlicher Räume am Beispiel seiner Modellregionen aufzuzeigen. Das ZALF bündelt wissenschaftliche Kompetenz von der Agrarwissenschaft, den Geo- und Biowissenschaften bis zur Sozioökonomie. www.zalf.de

Helene Foltan, ATB / roRo

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