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Brandenburger Zanderteiche

Landwirtschaft

Heimischer Zander für die regionale Küche

Dr Dietmar Woidke und Lars DettmannIn Brandenburg ist der Karpfen der Fisch des Jahres 2009 – der Fisch der Stunde hingegen ist der Zander.
Am Freitag hat Agrarminister Dr. Dietmar Woidke die ersten Zander bei Forst in der Lausitz in Karpfenteiche entlassen.

Karpfen und Zander
Wer vor Sylvester den beliebten Speisefisch Karpfen in der Badewanne beobachtet, sieht einen gutmütigen und sanften Riesen, der im Teich als Friedfisch den Boden nach Larven, Schnecken und Würmern durchwühlt, dem Plankton nachträumt und sich im warmen und flachen Süßwasser wohlfühlt.
Der Zander hingegen, der erst ab den 1930er Jahren einheitlich mit „Z“ geschrieben wird, ist ein quicklebendiger und wendiger Raubfisch, scheu und an das Leben in offenen Seen und Flüssen angepasst. Der schlanke Jäger gilt als Delikatesse.
Demnächst wollen die Brandenburger Teichwirte Karpfen und Zander in ihren Teichen groß ziehen.
Die Idee ist nicht neu, sagte Dr. Uwe Brämick vom Potsdamer Institut für Binnenfischerei (IfB). Vor sieben, acht Jahren sei sie das erste Mal aufgetaucht. Aber jetzt ist der Punkt erreicht, sie umzusetzen. Denn Zander als Edelfisch erfreut sich wachsender Beliebtheit bei den Konsumenten, wird aber vornehmlich aus Russland und Kasachstan importiert. Wurden Mitte der 1950er Jahre noch 44.000 Tonnen Zander angelandet, sind es derzeit nur noch 16.000 Tonnen.

Dr Woidke und Christoph JungahnnsAuf der Suche nach regionaler Wirtschaftlichkeit
Rund 330.000 Tonnen Fisch produzieren die Hochsee-, Küsten- und Binnenfischerei in Deutschland. Bei weitem nicht genug für den deutschen Speisezettel. 1,9 Millionen Tonnen müssen importiert werden, so Lars Dettmann vom Landesfischereiverband Brandenburg. Jeweils ein Prozent des Speisefisches machen Karpfen und Zander aus. Da ist noch viel Luft nach oben.
Für Christoph Junghanns, Besitzer der 250 Hektar großen Teichwirtschaft in Eulo bei Forst hat der heimische Fisch vor allem ökologische Vorteile. Eingeflogner Pangasius aus Asien gilt als nicht wirklich klimaneutral.
Karpfen als der beliebteste Speisefisch ist in den Teichen aber vielfältigen Gefahren ausgesetzt. Die Teichwirtschaft lade mit ihrem Fischbesatz quasi 50 Gäste ein – es kommen aber 100, klagt Junghanns. Graureiher, Kormoran, Otter und Co. bedienen sich reichlich und führen den Teichwirten Besatzverluste von 60 bis 100 Prozent zu. Ist der Fisch weg, bleibt der Teichwirt auf den Kosten sitzen.
Aber auch der Naturschutz steht im Konflikt mit der Teichwirtschaft. Die ersten Teiche in der Lausitz stammen aus dem 13. Jahrhundert, als die Mönche sich in ihnen ihre Fastenspeise heranzogen. Die Teiche gehören seit dem in das Landschaftsbild und bieten trotz Bewirtschaftung Amphibien und seltenen Pflanzen ein Refugium, dass sie dort ohne Teiche nicht vorfänden. Doch hat sich die Biotop-Funktion im übertriebenen Naturschutz eigenständig gemacht, zeigte das Pressegespräch mit Herd-und-Hof.de bereits auf der Grünen Woche.
Seit dem gibt es jedoch Fortschritte, so Lars Dettmann am Freitag zu Herd-und-Hof.de. Gegen neue Naturschutzausweisungen habe man erfolgreich Widerspruch eingelegt und das Agrarministerium stehe hinter den Teichwirten. Dr. Woidke betonte die Wirtschaftsaufgabe der Teichwirte. Langsam, so Dettmann, werden die Gewässer und ihre Naturschutzfunktionen im Rahmen der Bewirtschaftung auch bei den Naturschützern anerkannt.

Den Zander an den Teich gewöhnen
Zander und Karpfen leben in unterschiedlichen Biotopen und weisen unterschiedliche Fressverhalten auf. Den Zander kann man nicht einfach in den Karpfenteich setzen. Der Zander (Sander lucioperca) fände in den Teichen gar kein Futter. Ihre 18° Grad Wohlfühl-Wassertemperatur finden die Zander in Seen und Flüssen erst ab Juni und Juli, so dass die Tiere dann erst ablaichen. Der flache Karpfenteich bietet die Wachstumsbedingungen schon im Mai. Also müssen die Tiere „umgeschult“ werden, so Dr. Brämick. Mit Temperatur- und vor allem Lichtregimen hat das IfB Erfolge bei der „Verfrühung“ der Zander erreicht. Sperma und Laich sind dann schon im Januar und Februar reif und könnten im Mai als fünf Zentimeter großer Setzling bereits in die Hälterbecken eingesetzt werden. Der Freitag gab den Startschuss für die Überprüfung der Institutserfolge in der Praxis. Allerdings waren die Setzlinge zunächst einmal 250 Gramm schwer.

Trockenfutter auf LupinenbasisFutter anströmen
Aber nicht nur die Verschiebung der biologischen Uhr musste gelöst werden. Zander reagieren als Raubfisch auf sich aktiv fortbewegendes Futter tierischen Ursprungs. Im Teich wachsen sie nur, wenn die Teichwirte ihnen Trockenfutter geben, das im Wasser schwebt und langsam zu Boden sinkt.
Benjamin Junghanns, Sohn des Teichwirts erklärte Herd-und-Hof.de, wie die Fischexperten den Zander an das Trockenfutter gewöhnen. So bekommt die Brut oder der Zander im Vorstreckteich nichts anderes angeboten als ein Trockenfutter auf Lupinenbasis – das auch noch aus Brandenburg stammt. Für den Fisch ist es mit Protein, Fett und Mineralien das Buttermilchbrot, das Fleisch, so Benjamin Junghanns. Das Alleinfutter ist speziell geformt und wird im Wasser mit Hilfe einer Pumpe angeströmt, so dass es den Anschein erweckt, es bewege sich als Beute aktiv im Wasser. Dann greifen sie auch zu.

ZanderKarpfen und Zander trennen
Aber auch diese Lösung ist noch nicht alles. Dr. Andreas Müller-Belecke vom IfB erklärt, was sich unter der Wasseroberfläche befindet. Die Teiche sind flach und bei Sonnenschein bilden sich Fadenalgen, die den Fischen Probleme bereiten und die Wasserqualität absenken. Sind Karpfen im Teich, tritt das Problem nicht auf, denn durch ihre im Grund wühlende Futtersuche wirbeln sie Sedimente auf und trüben das Wasser: Keine Fadenalgen. Zander hingegen stehen über dem Teichgrund, wühlen nicht, halten somit das Wasser klar und die Fadenalgen bilden sich. Drei Lösungsansätze hat das IfB erarbeitet:
Im ersten Hälterbecken schwimmen die Zander in einem Netzgehege und die Karpfen wühlen außen herum den Boden auf. Im zweiten Hälterbecken befinden sich die Karpfen in einem Netzgehege, dass die Teichwirte nach einiger Zeit an eine andere Stelle ziehen. Im dritten Hälter schwimmen Zander und Schleie gemeinsam umher. Schleie gründeln wie Karpfen und sorgen für trübes Wasser.
Das IfB begleitet die Praxisversuche drei Jahre lang und will dann Empfehlungen für die neuen Zanderteichwirte bereit halten, wie der Räuber am besten in den Teichen gezogen werden kann. Dazu gehört auch die Lösung der Frage nach der Besatzdichte. 1.200 Zander sollten pro Becken angestrebt werden. Sind es nur 400 Zander, dann entwöhnen sich etliche vom Trockenfutter, solange sie wieder „etwas richtiges zum Beißen“ finden.
Am Ende steht eine neue Produktionsrichtung in traditionellen Teichen zur Sicherung der wirtschaftlichen Existenz. Andere Bundesländer, so Lars Dettmann, schauten schon neidisch auf die Lausitzer Zanderversuche.

Roland Krieg (Text und Fotos)

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