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Bremsen ausgebremst

Landwirtschaft

Moskito-Zaun schützt Pferde

Die Gefahr surrt und summt dicht über der Grasnarbe. Die Gefahr hat viele winzige Flügel, aber vor allem hat sie viele Stechrüssel. Die Gefahr – das sind Stechfliegen und Bremsen, sagt Dr. Peter-Henning Clausen vom Institut für Parasitologie und Internationale Tiergesundheit der Freien Universität Berlin.

Im Tiefflug über die Felder
Die Insekten nehmen im Tiefflug Kurs auf ihre Opfer. Dicht über dem Boden sausen sie über die Felder und erst kurz vor dem Ziel gewinnen sie an Höhe und greifen an. Jeden Sommer werden sie zur Plage – vor allem für Pferde. Während Menschen meist nur genervt sind, sind die Insekten für Vierbeiner eine echte gesundheitliche Gefahr.
Wissenschaftler der FU Berlin haben jetzt ein Verfahren entwickelt, Pferde effektiv zu schützen. Die Koppel wird mit einer Art Moskito-Netz eingezäunt.“ Die Insekten fliegen auf Höhe der Wirtstiere“, sagt Privatdozent Dr. Clausen, „höchstens einen Meter über dem Boden.“ Für die Jagd sei das die optimale Flughöhe, denn von weiter oben können die Insekten ihre Opfer nicht so gut erkennen und riechen. Daher reicht es also, das Netz in einer Höhe von bis zu einem Meter aufzuspannen. Das Hindernis muss so fein sein, dass es die Insektenaugen nicht wahr nehmen können. Dann fliegen Bremsen und Fliegen früher oder später dagegen, gibt sich der Forscher optimistisch. Damit die Insekten nicht weiter fliegen können, werden die Netze mit einem Insektizid behandelt. Sie verenden nach kurzem Kontakt innerhalb von fünf Minuten.

Keine Decken und Kopfmasken mehr
Für die Pferde könnte dieser Moskitozaun eine erhebliche Erleichterung bedeuten. Um die Plagegeister zu verscheuchen, bewegen Pferde hektisch ihre Köpfe, schlagen mit dem Schweif hin und her, galoppieren panisch über die Weide und wälzen sich auf dem Boden. Gelegentlich soll das auch zu Verhaltensstörungen führen und die Tiere durchbrechen Zäune und verletzen sich dabei. Mancher Pferdehalter lässt seine Tiere nur noch nachts auf der Weide.
Wenn die Pferde gestochen werden, steigt das Infektionsrisiko. Die Weidestechfliege verursacht Hautbluten und Blutverlust, die schmerzhaften Stiche der Bremse lösen Quaddeln in der Haut aus. Nach massiven Attacken durch Kriebelmücken kann es sogar zu allergischen Überreaktionen kommen. Die Tiermediziner nennen das „anaphylaktischen Schock“. Noch schlimmer setzt den Pferden die Magenbremse zu. Diese klebt ihre Eier an die Haare der Pferde, besonders in der Nähe der Vorderbeine. Die Pferde lecken an den Stellen und der Speichel bringt die Larven zum Schlüpfen. Sie gelangen über die Zunge in die Mundhöhle und weiter zum Magen, heften sich an die Magenwand und verursachen Geschwüre. Die Pferde leiden unter Verdauungsstörungen und magern ab.
Um ihre Pferde vor solchen Leiden zu bewahren, hüllen die Besitzer die Tiere in Decken ein oder setzen ihnen Kopfmasken auf. Mittel zum Einreiben oder Sprühen wirken meist nur wenige Stunden. „Unsere Fliegennetze dagegen halten mehrere Monate“, wirbt Dr. Burkhard Bauer vom gleichen Institut. „Unsere Methode ist nicht nur effizienter, sondern auch gesünder für die Pferde, weil wir die Tiere damit nicht, wie etwa bei Insektenschutzmitteln, direkt behelligen müssen.

In Brandenburg getestet
Eine vierköpfige Arbeitsgruppe hat die Netze in mehreren Studien in Brandenburg getestet und festgestellt, dass der Fliegenbefall um bis zu 90 Prozent verringert wurde. Gemessen wurde der Befall mit Insektenfallen. Videoaufzeichnungen haben zudem gezeigt, dass die Pferde viel ruhiger sind und sich weniger hektisch bewegen als ihre Nachbarn auf der Vergleichsweide ohne Netz. Außerdem muss nicht die ganze Weide umzäunt werden. Es reicht aus, wenn die Einflugschneise der Insekten bewehrt ist. Statt 700 Meter Zaun kamen die Forscher mit 170 Meter Zaun aus.
Eine dänische Firma könnte die Netze im nächsten Jahr auf den Markt bringen – aber vorher wollen die Berliner noch testen, welche Auswirkungen der Zaun auf Nutzinsekten, wie die Bienen, hat.
Ins Visier der Forscher sind aber schon die nächsten Minimücken geraten: Gnitzen. Die sind nicht nur in vielen europäischen Gegenden eine Plage, sondern auch in ganz anderen Klimazonen. Versuche in Afrika haben bereits die Wirksamkeit gegen Gnitzen demonstriert. Milchkühe in Afrika wurden mit den Netzen gegen die Tsetsefliege und Moskitos geschützt.

roRo

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