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Brunner wirft einen Blick auf die Schweiz

Landwirtschaft

Brunners Informationsfahrt zu den Eidgenossen

Die Schweizer Landwirtschaft hat einige Gemeinsamkeiten mit dem Freitstaat Bayern. Landwirtschaft in den Bergen und zahlreiche familienbäuerliche Betriebe formen gemeinsame Interessen. Beim Ausstieg aus der Milchquote haben die Schweizer ihre Übergangserfahrungen schon hinter sich. Zudem ist das Land ein wichtiger Absatzmarkt für bayerische Produkte. Genug Gründe für Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (li. im Bild) sich bei den Nachbarn einmal intensiver umzuschauen und seinen Amtskollegen Johann Schneider-Ammann zu treffen.

Guter Kunde

Die Schweiz ist ein guter Kunde für Waren aus Bayern. Die Agrarexporte haben sich in den letzten acht Jahren nahezu verdoppelt und steigen weiter an. In den ersten sechs Monaten 2014 kletterte der Export zum Vorjahreswert um fünf auf 120 Millionen Euro. Die Schweiz ist damit der wichtigste Abnehmer außerhalb der EU. Brunner bezeichnete die Nachbarschaft als „verlässliche Handelspartnerschaft“.

Die wichtigsten Produkte mit einem Wert von 36 Millionen Euro sind Milcherzeugnisse und Käse. In gleicher Größenordnung gehen auch pflanzliche Nahrungsmittel wie Suppen und Soßen aus dem Freistaat in die Schweiz. Drittwichtigstes Exportprodukt ist Bier mit einem Wert von 21 Millionen Euro. Fleisch und Fleischwaren liegen mit 18 Millionen auf Rang vier.

Umgekehrt exportiert die Schweiz Agrarwaren im Wert von 126 Millionen nach Bayern. Mit 126 Millionen ist Käse das bedeutsamste Produkt.

Milchquote

Die EU steigt Ende März 2015 aus der Milchquote aus. Die Schweiz hat diesen Schritt bereits im Jahr 2009 unternommen. Brunner hat sich bei Schneider-Ammann, dem Bauernpräsidenten Markus Ritter und mit Markus Zemp, Präsident der Branchenorganisation Milch über Erfahrungen mit dem Ausstieg informiert.

Wie in Deutschland herrschte auch in der Schweiz Skeptizismus vor. Heute sind alle von der Richtigkeit des Quotenendes überzeugt. Auch wenn das für die Bauern ein schmerzhafter Weg gewesen ist. Nach Wegfall der Quote stieg die Milchproduktion in der Schweiz um acht Prozent mit einem deutlichen Einbruch bei den Erzeugerpreisen. Anpassungsprobleme und ein beschleunigter Strukturwandel waren die Folge. Heute liegt die Milcherzeugung in der Schweiz auf höherem Niveau und die Preise sind volatiler geworden, heißt es im bayerischen Agrarministerium. Modelle, wie ein freiwilliger Lieferverzicht im Krisenfall, der in Deutschland gelegentlich diskutiert wird, wird von den Schweizern abgelehnt. Das führe zu Ungleichgewichten und mache die Erzeuger zu Verlierern, die sich solidarisch verhalten. Die Schweiz habe einen Weg gefunden, mit Spezialitäten und innovativen Produkten sowie der Erschließung von neuen Märkten die Milchproduktion nach dem Quotenende aufzufangen.

Die Schweiz habe gegenüber Bayern und Deutschland den Vorteil, dass sie relativ abgeschottet ist. Bayern muss sich mit den norddeutschen Milchproduzenten und traditionellen Milchlieferländern der EU messen. Was Brunner aber überzeugt hat, ist die Gründung eines Branchenverbandes, den die Eidgenossen aufgezogen haben. Die „Branchenorganisation Milch“ umfasst neben den Erzeugern auch die Verarbeiter und sogar den Lebensmitteleinzelhandel. In regelmäßigen Abständen treffen sich die Parteien und legen Richtpreise fest, an die sich alle halten.

Ökoproduktion

Der Ökoanteil in Bayern liegt bei sieben Prozent. Hier sind die Schweizer weiter und kommen auf 12 Prozent Anteil. Nach Einschätzung des bayerischen Landwirtschaftsministeriums liege das maßgeblich an der engen Zusammenarbeit zwischen Verbänden, Politik, Einzelhandel und Forschung. In der Forschung kann die Schweiz mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) auf ein weltweit renommiertes Institut bauen. Um aber bei den Konsumenten erfolgreich zu sein, muss die Ware auch klar gekennzeichnet sein. Die Schweizer Händler verwenden konsequent das Bio-Siegel.

Die Schweiz ist von einem EU-Beitritt weit entfernt. Vieles aber läuft parallel. Daher ist die Reform der EU-Ökoverordnung auch ein Thema in der Schweiz. Und dabei traf Brunner auf geteilte Skepsis. Eine Verschärfung der Verordnung dürfe nicht vor einen Umstieg auf Öko abschrecken oder zu Rückumstellern führen. Brunner will sich daher zusammen mit seinem deutschen Nachbarn Alexander Bonde, Landwirtschaftsminister in Baden-Württemberg, auf den Weg nach Brüssel machen. Anfang Dezember wollen Brunner und Bonde mit EU-Parlamentariern und Kommissionsmitgliedern über die Öko-Verordnung reden.

Roland Krieg; Foto: StMELF

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