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BSE: Born after ban

Landwirtschaft

Neu nur in Deutschland

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) als Referenzlabor für BSE auf der Insel Riems hat am Abend des 04.04.2005 den ersten BSE-Fall bei einem Rind aus Deutschland bestätigt, das im Mai 2001 nach dem Inkrafttreten des Verfütterungsverbots für Tiermehl und Tierfett zum 02.12.2000 geboren wurde. Das Tier ist ein 46 Monate altes weibliches Rind aus Bayern, das im Rahmen der üblichen Untersuchungsmethoden mittels Schnelltest aufgefallen war. Am 01.04.2005 erhielt das FLI die Probe und konnte mit einem immunhistochemischen Nachweis des BSE-Prion-Proteins im Hirnstamm des Tieres den Verdacht bestätigen.
Das Verbraucherministerium (BMVEL) reagierte prompt. Staatssekretär Alexander Müller: „Damit ist eingetreten, was alle befürchtet haben, was aber letztlich zu erwarten war: Das Verfütterungsverbot ist zwar im Dezember 2000 in Kraft getreten, aber möglicherweise nicht überall umgehend vollständig umgesetzt worden.“ Bestrebungen das Testalter für Rinder raufzusetzen, widerspricht das BMVEL: „Wir haben immer betont, dass wir hier nicht automatisch dem Kalender folgen werden, sondern den Erfolg der Schutzmaßnahmen – und hier im Zentrum das Verfütterungsverbot – erst durch den Rückgang der Fallzahlen erkennen wollen. Der erste Fall eines Rindes, das nach dem Verbot geboren wurde zeigt, dass es hier eine deutliche Zeitverzögerung gegeben haben kann, bis die Schutzmaßnahmen greifen.“
Das FLI untersucht gemeinsam mit den bayrischen Behörden den Fall, um die vermutliche Infektionsquelle zu finden.

BAB-Tiere
Tiere, die nach dem Verfütterungsverbot geboren wurden und an BSE erkrankten, sind nicht neu und verursachen den Tiermedizinern ziemliche Kopfschmerzen. Sie haben auch gleich eine eigene Bezeichnung bekommen: born after ban – BAB. Zahlreiche Fälle sind aus England und der Schweiz bekannt, wo Tiermehl seit Mai bzw. August 1996 nicht mehr verfüttert werden darf.
Das britische Landwirtschaftsministerium hatte bereits am 22. September 1998, 25 Monate nach dem Verbot, in der Grafschaft Lincolnshire BSE bei einer Kuh festgestellt. Sorgen bereitete den Fachleuten ein BSE-Fall aus Derbyshire, dass 44 Monate nach dem Verbot erkrankte. Mittlerweile sind 91 BAB Tiere in Großbritannien bekannt, wie das Fachmagazin Animal Health im Januar dieses Jahres veröffentlichte.

Abschlussreport aus Großbritannien
Die Engländer haben eine Reihe von BAB-Fällen untersucht. Beispielsweise die Meldung eines Tierarztes vom 08.05.2000 über eine Holstein/Friesian-Kuh, die am 25. August 1996 geboren wurde und etwa 44 Monate alt war. Zwei Monate vorher zeigte es die ersten Symptome, wie der Bauer den Experten des Ministeriums bekannt gab.
Das Tier stammte aus einer anderen Herde, aus der es im Alter von 19 Monaten verkauft wurde. Am 17. Juni 1999 wurde sie als trächtige Färse von einem Händler weiterverkauft, bevor sie am 06. Juli 1999 auf dem Betrieb ankam, auf dem sie am 08. Mai 2000 als BSE-Rind getötet wurde. Die Mutter des Tieres starb drei Monate nach der Geburt des damaligen Kalbes ohne Anzeichen von BSE. Da allerdings die Abdeckerei in der Zwischenzeit geschlossen wurde, konnte der dorthin verwertete Kadaver nicht weiter untersucht werden.
Eine Futteruntersuchung des Betriebes zeigte, dass kein tierisches Protein verfüttert wurde. Zwar hatte der Futterhersteller auch Schweinefutter hergestellt, doch eine Kreuzkontamination wird ausgeschlossen, da seit April 1994 tierisches Protein durch pflanzliches ersetzt wurde. Das Schweinefutter hätte, so der Bericht, auch nicht unabsichtlich in den Kälbertrog wandern können. Tiermehl durfte an Nicht-Wiederkäuer noch verfüttert werden.
Die Behörden fanden als mögliche BSE-Übertragung auch keine weiteren Hinweise auf Blutmehl, Schlachtabfälle als Futter oder Dünger. Es fand auch kein Embryotransfer statt, keine Brunstsynchronisationshilfen mit hormonproduzierenden Hirndrüsen aus dem Schlachthaus und keine sonstigen operativen Ereignisse. Das Ergebnis damals ist ernüchternd: Das Fütterungsregime auf dem Betrieb sowie der Herstellungsprozess des Futters zeigt keinen Verdacht, dass auf diesem Wege Krankheitsmaterial übertragen werden konnte. Auch eine Kreuzkontamination mit anderem Futter konnte ausgeschlossen werde. Zwar konnte das Gewebe des Muttertieres nicht mehr untersucht werden: Und obwohl eine maternale Übertragung auf das Kalb nicht ganz ausgeschlossen werden kann, gab es für diesen Weg keinen direkten Hinweis. Also: BAB-Fälle sind rätselhaft und die Untersuchung des FLI und den bayrischen Behörden wird einige Zeit dauern.

Woher kommen die Prionen?
Beim Fleisch bevorzugt der Verbraucher die Filetstücke. Rund ein Drittel jedes Tieres ist Abfall – etwa 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr, wie die Umweltorganisation Foodwatch feststellte. Nach deren Berechnungen im Oktober 2004 konnte der Verbleib von rund 124.000 Tonnen Tiermehl im Jahr davor nicht belegt werde. Dem BMVEL lagen keine Hinweise auf eine unerlaubte Nutzung der Tiermehle, beispielsweise als Dünger gekauft und dann verfüttert, vor. Auch ob es sich dabei um einen Fehler in der Statistik handelte konnte nicht aufgeklärt werden, denn es gibt keine rechtliche Grundlage für den lückenlosen Nachweis.
Verbotenes Verfüttern von Tiermehl ist vor diesem Hintergrund sicherlich die einfachste Erklärung – sie muss jedoch nicht der Wahrheit entsprechen. Immerhin hat die Bundesregierung auch die Verfütterung von Tierfetten untersagt, was der Präsident des Deutschen Verbandes Tiernahrung (DVT), Ulrich Niemann, als Benachteiligung der deutschen Futterwirtschaft bezeichnet. Deutschland steht mit diesem Verbot alleine in der EU. Niemann will auch keine tierischen Fette in der Verarbeitung, sondern Wettbewerbsgleichheit.
Neben unerlaubte Füttern besteht jedoch noch weiterhin die Möglichkeit einer Kreuzkontamination durch andere tiermehlhaltige Futter oder dem Übertragungsweg durch die Mutter. Prionen finden sich jedoch auch in Nieren, Bauchspeicheldrüsen und der Leber. Eine offizielle Erklärung über die BAB-Fälle existiert zur Zeit nicht. In Fachkreisen wird aktuell der Einsatz von tierischen Fetten in Milchaustauschern für Kälber als mögliche Quelle infektiöser BSE-Prionen diskutiert.

VLE

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