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BUND: Artenschutz kaum erreichbar

Landwirtschaft

Artenschutzampel steht meist auf Rot

Der BUND und Nabu haben 13 Bundesländer auf ihre Schutzmaßnahmen der biologischen Vielfalt hin untersucht. Die beschlossenen Schutzmaßnahmen seien unzureichend und es stehe zu wenig Geld zur Verfügung. Daher stehen die Ampeln für den Erhalt der Biodiversität in den meisten Ländern auf Rot. Nur in Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen und dem Saarland sehen die Naturschützer erste Fortschritte bei Schutz seltener Arten.

Hintergrund

Weltweit steht das Artensterben mit einem Verlust der genetischen Vielfalt auf der Tagesordnung. Die UN haben das Jahrzehnt zwischen 2011 und 2020 zur UN-Dekade der Biodiversität ausgerufen. Auf der UN-Konferenz 2008 in Bonn bezifferte das Bundesumweltministerium den weltweiten Wert der Ökosystemdienstleistungen auf 16 bis 64 Billionen US-Dollar im Jahr, während das „Welt-Brutto-Inlands-Produkt“ lediglich bei 18 Billionen US-Dollar liegt.

Die Vertragsstaatenkonferenz zum Erhalt der Biodiversität 2012 in Hyderabad zeigte den Streit ums Geld. Die Industriestaaten vereinbarten bis 2015 acht Milliarden Euro für den Schutz der Biodiversität zur Verfügung zu stellen. In diesem Jahr findet die 12. Konferenz im Oktober in Südkorea statt.

Die EU hat eine eigene Strategie aufgelegt und beschlossen, das Artensterben bis 2020 zu verlangsamen. Das Ziel der Vermeidung musste 2010 aufgegeben werden, weil es nicht mehr erreichbar erschien. In der EU befinden sich nur noch 17 Prozent der geschützten Lebensräume und elf Prozent der Ökosysteme in einem guten Zustand. Deshalb hat die Kommission 2011 eine neue Strategie aufgelegt: Vögel und ihr Lebensraum sollen besser geschützt werden, die Vernetzung von Ökosystemen steht im Vordergrund und die Landwirtschaft ist aufgefordert, einen Beitrag zur Wiederherstellung der Biodiversität zu leisten [1].

Deutschland hat sich bereits 2007 konkrete Ziele gesteckt, über die Nationale Biodiversitätsstrategie den Verlust der Arten zu beenden [2].

Einige Ergebnisse

Brandenburg

Mit Gelblicht gehört Brandenburg zu den wenigen guten Bundesländern. Die Stagnation in der Ausweitung des Ökolandbaus verhagelt eine bessere Bewertung. Vorbildcharakter hat nach Auswertung der Naturschützer die Entwicklung der Naturschutzgebiete. Auch wenn erst zwei Drittel der geplanten zehn Prozent Landesfläche als Naturschutzgebiet erreicht sind.

Mecklenburg-Vorpommern

Die Gesamtbewertung für Mecklenburg-Vorpommern ist rot, obwohl sich die Schutzgebiete verbessert und die Waldwildnis deutliche Chancen erhalten haben. Auch hier kritisieren BUND und Nabu die Stagnation im Ökolandbau.

Baden-Württemberg

Auch rot-grüne Landesregierungen sind nicht besser. In zweieinhalb Jahren wurden zwar die Landesmittel auf 60 Millionen Euro für den Naturschutz verdoppelt, aber die dünne Personaldecke konterkariert die Umsetzung von Maßnahmen. Das Land hat den Anteil des ökologischen Landbaus deutlich gesteigert, ist aber von seinem Ziel, fünf Prozent Naturwald, noch weit entfernt.

Was nützt Artenschutz?

Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND: „Es ist ein Armutszeugnis, was die Länder beim Schutz der Artenvielfalt vorweisen können. Es fehlen jegliche Ambitionen, um die selbst gesteckten Ziele beim Erhalt wertvoller Arten und Lebensräume zu erreichen. Positive Ansätze in einzelnen Bundesländern können nicht über den kläglichen Gesamtzustand des Naturschutzes in Deutschland hinwegtäuschen.“

Olaf Tschimpke, NABU-Präsident: „Wir rufen die Länder auf, eine gemeinsame Naturschutzinitiative mit dem Bund zu starten, die echte Fortschritte für die biologische Vielfalt ermöglicht. Der Schutz der Arten und Lebensräume muss ein Kernanliegen der Landesregierungen werden. Erforderlich ist dafür auch eine ausreichende finanzielle Ausstattung. Und bei der Umsetzung der Agrarreform müssen die Länder ihren Widerstand gegen mehr Naturschutz aufgeben.“

Für die Berechnung von Ökosystemdienstleistungen gibt es längst Modelle, für die nach der Umweltkonferenz 2010 in Nagoya auch konkrete Empfehlungen ausgesprochen wurden [3].

Lesestoff:

Die Analyse finden Sie unter www.bund.net/laenderampel

[1] http://ec.europa.eu/news/environment/110503_de.htm

[2] www.bmub.bund.de/themen/natur-arten/naturschutz-biologische-vielfalt/nationale-strategie

[3] The Economics of Ecosystems and Biodiversity

Roland Krieg

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