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China in der Schweinefalle

Landwirtschaft

Mit Gentechnik aus der Umweltverschmutzung

Gestern hat die European Action on Global Life Science (EAGLES) ihren umfangreichen Bericht über Produktion und Nachfrage nach Fleisch in China veröffentlicht. Im Dezember 2006 tagten dazu in Hangzhou internationale Experten.

Steigende Nachfrage und das Futterproblem
2004 lag der Fleischverbrauch in China noch bei 26,2 kg pro Kopf. Schätzungen zufolge soll der Verzehr im Jahr 2020 auf 73 kg steigen. Ohne zusätzliche Anstrengungen wird die wachsende Nachfrage nach tierischen Produkten und Fischen die natürlichen Ressourcen an Futtermitteln bis 2030 deutlich übersteigen. Auf der Basis der aktuellen Futterversorgung läge der zusätzliche Bedarf bereits im Jahr 2010 um 24, im Jahr 2020 um 39 und im Jahr 2030 um 40 Prozent höher.
Bei diesen Verbrauchszahlen würden sich die Umweltauswirkungen auf die chinesische Bevölkerung verdoppeln, schätzt EAGLES.

Das grüne Monster vom Taihu Lake
Im Wissenschaftsmagazin Science wurde Ende August das „grüne Monster“ von Chinas drittgrößtem See, der vom Jangtse gespeist wird, beschrieben. Taihu Lake liegt zwischen Shanghai und Nanjing in einer Agrarregion mit hauptsächlichem Anbau von Getreide und Baumwolle und liefert Trinkwasser für rund zwei Millionen Menschen. Durch nährstoffreiche Abwässer blühten in diesem Juni allerdings Blaualgen. 6.000 Tonnen holten Säuberungscrews aus dem eutrophierten Gewässer, denn die entstandenen Cyanobakterien können auch gesundheitsgefährlich sein.

GV-Mais minimiert Umweltverschmutzung
Getreide und Ölsaaten, die auch als Tierfutter Verwendung finden, weisen teils größere Mengen an Phytinsäure auf. Über Phytin gibt die Pflanze dem Keimling die wichtigsten anorganischen Elemente für die Phosphorylierung mit. Das sind Magnesium und Phosphat. Im Korn ist Phytin daher auch häufiger vorhanden als im Stroh. Haferkorn hat 4,29 mg Phosphor je Gramm Trockensubstanz, während der Gehalt im Stroh mit 1,23 mg deutlich niedriger ist.
Schweine beispielsweise können allerdings den hohen Phosphorgehalt nicht aufschließen und nutzen, da sie nicht ausreichende Mengen des Enzyms Phytase haben. Somit werden größere Mengen an Phosphor wieder ausgeschieden.
Chinesische Bauern verfüttern zusätzlich Phytase, um den Phosphatabbau im Verdauungstrakt zu verbessern. Dieses Enzym wird durch ein Bakterium der Art Aspergillus hergestellt und die 1957 gegründete Chinese Academy of Agricultural Science (CAAS) hat diesen Aspergillus in das Maiskorn eingebaut, teilte das Institut im September mit. So gelangt das Phosphatenzym gleich mit dem Futter in den Verdauungstrakt.
Einen Vorteil des gentechnisch veränderten Mais sehen die Chinesen auch in der Einsparung der Produktionskosten für die industrielle Phytase: Es sollen 60 Millionen US-Dollar im Jahr sein. Bauern, die den Phytasemais anbauen, sollen rund 200 US-Dollar mehr Gewinn erwirtschaften können und mit der verringerten Ausscheidung des Phosphors soll die Algenblüte in den Gewässern verringert werden.

Lesestoff:
Den EAGLES-Report gibt es bei www.econsults.org
Doing Battle with the Green Monster at Taihu Lake: Science 31 August 2007: Vol. 317. no. 5842, p.1166; DOI: 10.1126/science.317.5842.1166
CAAS unterscheidet sich von anderen Agrarforschungszentren durch die direkte Anbindung an das chinesische Agrarministerium: www.caas.net.cn

roRo

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