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Cibo OGM? No grazie

Landwirtschaft

Italien sagt „Nein“ zu GMO-Schwelle

Ende März wird die EU darüber abstimmen, ob im Rahmen der Verordnung über die Kenzeichnung ökologischer Produkte eine Toleranzgrenze von 0,9 Prozent für gentechnisch veränderte Produkte besteht. Ursprünglich war es gedacht, diesen Schwellenwert als Verunreinigungsgrenze einzuführen und daher Bestandteile in dieser Größenordnung noch zu akzeptieren. Mittlerweile gilt eine andere Interpretation, weswegen Italien an der Spitze von Ungarn, Österreich und Griechenland auf der BioFach ein Manifest vorgestellt haben, dass die Toleranzschwelle auf Null setzt. Die Angst: Heute werden die 0,9 Prozent als Handelswert toleriert und morgen bereits auf dem Feld. Zudem, so ein Sprecher der Gruppe „Friends of the Earth“, bestehe die Gefahr, dass die Werte zukünftig heraufgesetzt werden könnten.

Breite Unterstützung
So findet das Manifest, dass Italiens Staatsekretär aus dem Landwirtschaftsministerium Stefano Boco gestern vorstellte auch Unterstützung bei Dr. Vandana Shiva, Trägerin des Alternativen Nobelpreises. Sie teilte der grünen Gentechnik eine komplette Abfuhr, denn das einzige, was genutzt würde, sind Resistenzen gegen Herbizide, Antibiotika und Insektizide. „Das wollen wir überhaupt nicht.“ Zudem führt sie Beispiele aus ihrer Heimat Indien an, bei der gentechnisch veränderte Baumwolle statt 1.200 kg je acre nur noch 200 kg je acre Ertrag lieferte. Nach dem wirtschaftlichen Ruin haben sich in Indien rund 150.000 Bauern das Leben genommen, weil sie mit den Schulden nicht mehr klar kamen.
Sie sieht auch keine Möglichkeit der Koexistenz. Das Nebeneinander sei nur möglich, wenn es um nicht invasive Mechanismen ginge. Da die gentechnisch veränderten Pflanzen bezogen auf den Ökolandbau invasiv sind, gebe es keine wirkliche Koexistenz.
Stefano Boco gibt sich kämpferisch und will mit einem Brief an das italienische Parlament Einfluss nehmen, die Verordnung zu ändern: „In this regulation the labelling threshold for GMOs as defined in directive 2001/18/EC of the European Parliament and the Council of 12 March 2001 on the deliberate release into the environment of genetically modified organisms shall not apply”.
Susanna Cenni, landwirtschaftliche Direktorin der Region Toskana und Koordinatorin der italienischen gentechnikfreien Zonen sieht die Biodiversität gefährdet. Der Ökolandbau ist im Rahmen der Agrarreform die beste Wahl, eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Im Manifest wird der Furcht Ausdruck verliehen, dass mit der Toleranzschwelle den Ökolandbau in einen konventionellen Landbau verwandelt wird.

roRo

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