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CRISPR wird für die Ökobranche zur Belastung

Landwirtschaft

Biobranche vor neuer Zerreißprobe

Allzu oft werden Öko- und konventionelle Landwirtschaft in Ausschließlichkeit wahrgenommen. Das führt so weit, dass manche Konsumenten überrascht sind, wenn sie erfahren, dass auch Biobetriebe Pflanzenschutzmittel nutzen. Sie nennen sie nur nicht so und verwenden organische Säuren als Ausgangsbasis. Auf der konventionellen Seite füllen Pflanzenbauartikel die Fachpresse, die stetig für erweiterte und neue Fruchtfolgen plädieren, weil die jetzige Landwirtschaft Resistenzen bei Schädlingen produzieren, die kaum mehr zu beherrschen sind.

Ein weiteres Feld ist die Züchtung. „Für“ oder „Gegen“ Gentechnik hieß es bislang. „Züchterische Hardliner“ lehnen trotz wissenschaftlicher Erkenntnis eine Hybridzüchtung ab, die höhere Erträge erzielt – was bei bald zehn Milliarden Konsumenten nicht der schädlichste Erfolg ist. Seit kurzem haben Züchter neue Züchtungsmethoden entwickelt, die preiswert durchzuführen und schon in einigen „Heimlaboren“ anzutreffen sind: Bei CRISPR und Co. ist am Ausgangsprodukt nicht mehr zu unterschieden, was „synthetisch“ und was „natürlich“ gezüchtet wurde [1]. Diese Grenzverschiebung ist Verbrauchern nur noch ideologisch zu vermitteln.

Jetzt hat ein populärer Alt-Ökologe mit einer differenzierten Meinung die Branche zum Beben gebracht. Urs Niggli ist Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau in der Schweiz, einer der ehrwürdigen internationalen Öko-Thinktanks der Branche. Niggli hat sich in einem Interview mit der taz für eine differenzierte Betrachtung der neuen Züchtungstechnologien ausgesprochen. Niggli schlägt neue Prüfverfahren vor und steht für risikoarme Eingriffe wie bei der Übertragung von Krankheitsresistenzen. Dort „sollten die Anforderungen nicht so streng sein, wie wenn zum Beispiel artfremde Gene eingeführt werden.“

Niggli hatte auch in der Diskussion um CMS-Hybride schon weniger strenge Maßstäbe angelegt. Schon hagelt es Proteste der Anbauverbände bis zu Forderungen eines Maulkorberlasses. Jan Plagge von Bioland hält CRISPR und Co. für „ein absolutes No-Go!“. Das Verfahren sei eindeutig als Gentechnik einzustufen. „Das Leben lässt sich nicht programmieren wie ein Computerprogramm, dass wissen auch die Wissenschaftler“, sagte Plagge am Freitag. Demeter hat in seinem Positionspapier zu den neuen Züchtungsverfahren die Alternativen im Ökolandbau hervorgehoben. Bei CRISPR handelt es sich weiterhin um einen molekularen Eingriff in die DNS. Gegenüber der noch fehlenden Einstufung durch die EU hat Demeter sich bereits entschieden und die neuen Techniken der Gentechnik zugeordnet.

Lesestoff:

[1] CRISPR und CO. in der Diskussion

Roland Krieg

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