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Das Deutsche Sattelschwein

Landwirtschaft

Gefährdete Nutztierrasse des Jahres 2006

>Genügsam, robust und stressresistent. Kopf und Hintern sind schwarz - dazwischen ist der Star der Tierhalle 25 auf der Internationalen Grünen Woche weiß: Das Deutsche Sattelschwein. Weil es insgesamt nur noch 34 sattelschweinhaltende Herdbuch-Betriebe gibt, die 103 Sauen und 24 Eber führen, wurde das ästhetisch schöne Schwein von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) heute Mittag auserwählt, in diesem Jahr für alle anderen gefährdeten Haustierrassen Pate zu stehen.

Gras reicht der genügsamen Rasse
Das Sattelschwein entstand als eigenständige Rasse in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Schleswig-Holstein. Durch Einkreuzungen des englischen Wessex-Saddleback entstand in Angeln genügsame Tiere, die sich ausschließlich durch Gras beim Weidegang ernähren kann. In der sowjetischen Besatzungszone wurde das Tier noch offiziell der "staatlichen Genreserve" zugeschlagen. Wegen des vergleichbaren Aussehens, wurde das Sattelschwein den Zuchtbeständen des Angler und Schwäbisch-Hällischen Schweins zugeordnet. In Hirschfeld fand es Verwendung als Ausgangszucht für die neu entwickelte Rasse Leicoma. Nach Auflösung der Genreserve wurde ein Großteil der 400 Tiere geschlachtet und nur wenigen Züchtern ist es zu verdanken, dass es das Deutsche Sattelschwein noch gibt.
In den 1950er Jahren verlangten die Verbraucher vermehrt mageres Schweinefleisch, das vor allem wirtschaftlich effektiv erzeugt werden kann. Fettreiche Weideschweine fanden in der Zucht keinen Platz mehr.

Verbreitung
Heute ist das Sattelschwein in Brandenburg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt noch verbreitet. Die Berliner können es nach der Grünen Woche auf seinem Stammsitz in Lübars begutachten - und probieren: Denn der beste Weg, Tiere zu erhalten ist, sie zu nutzen und aufzuessen. In Lübars gibt es deswegen beispielsweise eine Leberwurst vom Deutschen Sattelschwein. Der Name rührt von der weißen Zeichnung in der Brustlage her, die einem Sattel ähnelt. Das Tier ist eine großrahmige Landrasse mit Schlappohren und weist unter allen Sattelschweinen mit 23,6 Ferkeln pro Jahr die höchste Aufzuchtrate auf. Die Tiere verfügen über sehr gute Muttereigenschaften und eine hohe Milchleistung. Die tägliche Zunahme in der Mast liegt bei 600 bis 700 Gramm. Das Fleisch zeigt eine wunderschöne Marmorierung und hat demzufolge einen sehr hohen Geschmackswert.

Die GEH wurde 1981 im bayrischen Rottal gegründet und hat mittlerweile über 2.100 tätig Mitglieder. Viele davon sind aktive Landwirte und Züchter, die sich um gefährdete Rassen ur Aufrechterhaltung der genetischen Vielfalt verdient machen. Der Verein hat in der Tierhalle einen Stand mit den Sattelschweinen aus Lübars. Weitere Informationen gibt es unter www.g-e-h.de.

Roland Krieg

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