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Das Planktonschwein

Landwirtschaft

Karpfen ist Biotier des Monats

>Die Überfischung der Meere bleibt ein Problem. Trotzdem gehört Fisch auf die Speisekarte. So besteht die Hoffnung, den steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln und Proteinen zumindest teilweise mit Fischprodukten aus der Aquakultur zu decken, wie es bei der Bündnisgrünen Fischereipolitik heißt. So kann die Aquakultur jährlich weltweit um rund neun Prozent wachsen - vor allem in China.
Allerdings gibt es große Unterschiede in der Aquakultur, wenn beispielsweise mit Antibiotika und Hormonen gefütterte Fische in überfüllten Becken gemästet werden. Thailändische Shrimps stehen schon mal gelegentlich unter Antibiotika-Verdacht.
Ein großes Problem ist dabei auch die industrielle Fütterung mit Fischfutter, denn damit beanspruchen die Aquakulturfische genau die Ressourcen, die sie eigentlich entlasten sollen.

Teichkarpfen
Bereits seit dem 13. Jahrhundert werden Teiche von den Mönchen gezielt für die Fischzucht verwendet. Die Oberlausitz oder das Bergische Land sind noch heute traditionelle Teichgebiete. Während hingegen die konventionelle Teichwirtschaft auch Folien einzieht oder den Untergrund betoniert, bieten die ökologischen Betriebe den Karpfen naturbelassene Teiche. Karpfen bevorzugen stille oder langsam fließende warme Gewässer und bekommen mindestens 20 Prozent Ufersaum als Verlandungs- und Röhrichtzone. Die Fische können auf dem lockeren Untergrund ungehindert wühlen.
Der Karpfen gilt wegen seiner Robustheit, seinen geringen Ansprüchen und weil er ein Allesfresser ist, als "Schwein" unter den Fischen. Das ist positiv gemeint. In großen Teichen müssen sich die Tiere das Futter selbst suchen und entwickeln dabei ein festeres Fleisch mit weniger Fett als die konventionellen Intensivkarpfen. Allerdings gibt es noch keine EU weite Ökoverordnung für Fische, so dass die ökologischen Anbauverbände Naturland, Gäa, Demeter und die Bio Ernte Austria eigene Richtlinien erlassen haben. Vor allem auch Bioland, die den Karpfen rechtzeitig vor Weihnachten und Sylvester zum Biotier des Monats gekürt haben.

Knapper Biomarkt
In Deutschland werden rund 11.000 Speisekarpfen produziert und 5.000 Tonnen zusätzlich importiert. Dabei nimmt Karpfen mit etwa 180g/Kopf und Jahr nur einen sehr kleinen Anteil an dem Speisefischverzehr von 14 kg/Kopf und Jahr ein. Deswegen gibt es auch nur 10 Karpfenhalter, die nach ökologischen Anbaurichtlinien produzieren.
Sie setzen nicht mehr als 3.000 einsömmerige oder 600 zweisömmerige Karpfen pro Hektar Teichfläche ein. Intensive Teiche werden in der konventionellen Haltung mit dem 200-fachen besetzt. Fischfutter setzen die Ökobetriebe nicht ein, sondern Getreide. Da die Karpfenzucht noch nicht so weit ausgebreitet ist, können Probleme bei den Biosatzfischen auftreten. Spezialisierte Biozuchtbetrieb sinde noch eine Marktlücke für den steigenden Bedarf.

Gefiederter Wilderer
Nicht nur den Teichwirten, sondern der gesamten Binnenfischerei fliegt ein Problem heran. Der einst vom Aussterben bedrohte Kormoran hat sich von 100 Brutpaaren auf 2.640 Brutpaare vermehrt. In Brandenburg jagen die schmalschnäbligen Feinschmecker täglich etwa 450 Gramm Fisch ? vom Besten. Er bevorzugt genau die gleichen Fische, die auch verkauft werden sollen. In Brandenburg sollen rund 12.000 Tiere jährlich etwa 750 Tonnen Fisch aus den Seen holen. Die Brandenburger Fischer liegen mit einem Jahresertrag von 1.050 Tonnen nicht wesentlich darüber. In Brandenburg dürfen die Kormorane nun auch gezielt bejagt werden. Die Dimension der Schäden wird jedoch vom Naturschutzbund bezweifelt: "Das ist nicht nachvollziehbar. Wir prüfen juristische Schritte", so Nabu-Geschäftsführer Wolfgang Mädlow.

Knuspriger Backofen-Karpfen
Wer für Sylvester noch kein Rezept für Karpfen hat und nicht immer nur "Blau" ausprobieren will, dem sei von Bioland folgendes Rezept empfohlen (weitere gibt es auf (www.biotiere.de):

Zutaten für 4 Personen:
1 Karpfen (2 kg); 2 unbehandelte Zitronen 2 TL Salz; 3 TL schwarzer Pfeffer; 3 TL edelsüßes Paprikapulver; 1/2 TL Curry; einige Zweige glatte Petersilie;

Zubereitung:
Ausgenommenen Karpfen unter fließend kaltem Wasser waschen, abtropfen lassen, mit Küchenpapier trocknen, tupfen. Mit dem Saft einer Zitrone innen und außen beträufeln. Salz, Pfeffer, Paprikapulver und Curry mischen. Fisch damit innen und außen einreiben. Karpfen beidseitig mehrmals ca. 1 cm tief einschneiden. In die Einschnitte jeweils 1 halbe Zitronenscheibe und 1 bis 2 kleine Zweige gewaschener Petersilie stecken. Karpfen auf einen mit Öl bepinselten Rost legen. Im vorgeheizten Backofen bei 200 °C auf mittlerer Einschubleiste mit der Fettpfanne darunter ca. 50 bis 60 Minuten braten lassen. Noch knuspriger wird der Karpfen, wenn er noch weitere 30 Minuten gegart wird, weil noch mehr Fett herausbraten kann. Dazu schmecken Salzkartoffeln und ein knackiger gemischter Salat.

Guten Appetit wünscht VLE

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