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Das Problem mit den Grundwassermessstellen

Landwirtschaft

Nitrat im Grundwasser: An der Basis beginnen

Wie oft Berlin seit Sommer 2019 mit Brüssel über die Düngeverordnung konferiert hat, ist kaum mehr zu zählen. Die Vorgaben zur Düngung müssen verschärft werden. Bislang hat jedes Düngegesetz die Nitratrichtlinie Brüssels nie zufriedengestellt. Vor dem Hintergrund eines täglichen Bußgeldes von 850.000 Euro bessert Berlin jeden Vorschlag mit einem neuen Flicken nach. Längst hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner auch den demonstrierenden Landwirten klar gemacht, die Bundesregierung werde alles tun, um die Anforderungen zu erfüllen und das Bußgeld vermeiden.

Stand 27. Januar 2020 nach erneuter Kritik aus Brüssel: „Wir wissen, dass die EU noch Verbesserungspotenzial sieht. Mein Kenntnisstand ist aber, dass das Thema noch in Brüssel liegt und dass wir noch auf Rückmeldung warten.“ So formulierte es eine Sprecherin des Ministeriums. Ihr Kollege aus dem Bundesumweltministerium stellte klar, es gebe nichts Neues, weil Berlin und Brüssel „in engem und regelmäßigen Austausch mit der Europäischen Kommission sind“.

Derzeit tritt die politische Opposition lautstark auf. Sowohl Wirtschaftsminister Volker Wissing in Rheinland-Pfalz (FDP) als auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wollen über das Messstellennetz reden und machen den Landwirten vor, die EU wäre bei einer Überarbeitung des Netzes bereit, ein Moratorium einzulegen.

Jahrelang redeten Politik und Bauernverbände über zwei verschiedene Messstellennetze. Die Bundesregierung hatte einst ein „Belastungsmessnetz“ aufgelegt, um in den Risikogebieten den Nitratspiegel zu beobachten. Darüber hinaus gab es ein wesentlich größeres Basismessnetz, das eben auch die vielen Regionen einbezog, bei denen es keine Probleme gab. Deutschland meldete fleißig Daten aus dem Belastungsmessnetz nach Brüssel. Umweltorganisationen beziehen sich zumeist auf diese Messdaten. Bauernorganisationen hingegen kamen durch die Einbeziehung des größeren Messnetzes und der vielen Stellen ohne Nitratbelastung auf deutlich niedrigere Werte.

Mittlerweile reden alle über das gleiche Messnetz. Ein Fortschritt. Aber selbst das Messnetz selbst hat Schwachstellen, weil nicht alle Messstationen an richtigen Orten vorhanden sind. So soll eine Messstation in Rheinland-Pfalz unterhalb eines Friedhofs liegen.

Es gilt zu unterscheiden: Was jetzt mit Brüssel ausgehandelt werden muss, muss von der künftigen Überarbeitung der Messstellen getrennt werden. Das Problem ist in der Vergangenheit Länder- und Berlin-gemacht, beide müssen in einem zweiten Schritt für künftige Klarheit sorgen.

Bei den aktuellen Messnetzen gibt es zahlreiche Fehler: Sie weisen bauliche Fehler auf, es fehlt eine Anbindung an das Grundwasser (!), Messstellenunterlagen sind nicht vollständig und es fehlen Absicherungen gegen Beschädigungen.

So hat es das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Umweltschutz in Nordrhein-Westfalen am Mittwoch aufgelistet. In anderen Bundesländern dürfte es ähnlich aussehen. Die Düsseldorfer Regierung überprüft aktuell ihr Netz an Grundwassermessstellen. Schon im Jahr 2016 hatte das Landesamt für Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutz (LANUV) in einem hydrologischen Gutachten vermutete Schwachstellen aufgelistet und einen Leitfaden für die Überarbeitung des Messstellennetzes erstellt.

Von rund 1.500 NRW-Messstellen für Nitrat im Grundwasser wurden bereits 300 Messstellen überprüft. Dabei wurden an zehn Prozent der Messstellen oben genannte Mängel festgestellt. Die Mängel wurden beseitigt und die Daten solange aus der Beobachtung genommen. Aktuell werden weitere 280 Messstellen vornehmlich in landwirtschaftlichen Risikogebieten überprüft. Bis Sommer 2020 soll die Arbeit beendet sein. Um die Repräsentativität der Messungen zu steigern, wird das Land 200 neue Messstellen aufbauen.

Diese Aufgabe wird auch bei anderen Bundesländern anliegen und Zeit in Anspruch nehmen. Aktuell müssen sich die Landwirte über politische und technische Fehler der Vergangenheit ärgern.

Roland Krieg

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