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DBV-Perspektivforum auf der BioFach

Landwirtschaft

„GAP ist für den Ökolandbau eine Revolution“

Der Ökolandbau boomt. Er ist aber vor allem in Deutschland alles andere als einheitlich. Im Gegensatz zu den anderen Mitgliedsländern weist Deutschland eine ausgeprägte Verbandskultur von verschiedenen Anbauverbänden auf, die gegenüber Brüssel im Wesentlichen mit einer Stimme sprechen.

Die EU-Ökoverordnung wurde zwar überarbeitet, doch Details sind noch offen. Auf dem Perspektivforum des Deutschen Bauernverbandes auf der Nürnberger BioFach suchten Ökovertreter aus verschiedenen Ländern, ob sie ebenfalls mit einer Stimme sprechen oder unterschiedliche Ansätze verfolgen.

Kees van Zelderen vom niederländischen Bauernverband ist beim europäischen Bauernverband COPA auch Vertreter für die Ökolandwirte und hält die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für eine Revolution im Sinne des ökologischen Anbaus. Sofern die Mitgliedsländer die nationalen Möglichkeiten nutzen, die Konditionierung und Umschichtung der Gelder in diese Richtung durchzuführen. Die Chancen für noch mehr Ökolandbau sind gegeben, ergänzt Carsten Niemann vom DBV. Doch von einer gemeinsamen Stimme sind die Vertreter aus den Landesbauernverbänden noch entfernt. Am ehesten bringen die Länder die Öko-Verordnung weiter, die auch wie in Dänemark mit einem nationalen Rechtsrahmen in Brüssel auftreten.

Dänische Ökobauern können auf eigene Kosten ihren Betrieb mit dem RISE-Modell analysieren. Response-Inducing Sustainability Evaluation (RISE) ist die wie ein Spinnennetz aussehende grafische Darstellung verschiedener Aspekte wie Wasserverbrauch oder Düngeraufwand. Damit können Betriebe sich mit dem Durchschnitt vergleichen und sehen, wo es Nachbesserungsbedarf gibt. Einige Molkereien machen das RISE-Modell zur Pflicht.

Lars Holdensen vom Dänischen Fachverband Landwirtschaft und Ernährung beschreibt, welche Pläne Kopenhagen im Bereich der Mineraldüngung hat. Bestimmte mineralische Düngemittel sind erlaubt. Besonders wichtig ist die zusätzliche Zufuhr an Phosphaten, die eine Verbesserung der Stickstofffixierung durch Leguminosen herbeiführen. Phosphor ist in den meisten Ökoböden im Minus. Deutschlandweit beträgt das Defizit fünf kg/ha. Außerdem sind Gesteinsmehle, Kalke und Kaliumsulfat zugelassen.

Die Dänen haben legislativ über die Ökogesetzgebung festgesetzt, dass alle fünf Hektare je Betrieb Strukturen für verschiedene Gewässer- und Landarten angelegt werden müssen. Mit der Pflicht Gras und Mehrjährige Pflanzen anzubauen steht bei den Ökobetrieben die Sequestrierung von Kohlenstoff im Vordergrund.

Ab 2021 wird die Mineraldüngung im Ökobetrieb weiter begrenzt. Dazu müssen die Betriebe mindestens 25 Prozent der Fruchtfolge mit Leguminosen oder Kleegrasgemengen ausfüllen, greifen sie auf einen der erlaubten Mineraldünger zurück. Der Gesetzentwurf sieht eine höhere Priorisierung für recycelte Dünger vor. Der Einsatz konventioneller Wirtschaftsdünger wird auf 40 kg N/ha und auf 20 kg Gärreste pro Hektar begrenzt. In der Summe dürfen die Biobauern nicht mehr als 100 kg N/ha in der Bilanz aufweisen.

Roland Krieg

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