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Der Herbst kann kommen

Landwirtschaft

2. Brandenburger Dort- und Erntefest in Herzberg

> Auf dem Marktplatz in Herzberg fanden traditionell Gerichtsverhandlungen, Bürgerreffen und andere öffentliche Veranstaltungen statt. Im Südwesten des heutigen Landes Brandenburg gelegen, nahm Herzberg an der Handelsstraße von Frankfurt/Oder nach Leipzig wohl eine starke Stellung ein und wurde 1254 erstmals als Stadt bezeugt. Da wurde sicherlich auch ein ?Haus des Rates? gebaut, dass den Bürgertreffen auf dem Marktplatz ein besseres zu Hause gegeben hat. Ein großer Stadtbrand 1483 sowie weitere Brände und Seuchen 1592 haben von den jeweiligen Rathäusern nicht viel übrig gelassen, so dass das aktuelle Rathaus auf die Einweihung eines neuen Gebäudes am 13.11.1616 zurückgeht.
Genauso traditionell ist das Feiern in Herzberg, dass am 17. September das zweite Brandenburger Dorf- und Erntefest im historischen Stadtteil Grochwitz durchführt. Erntefeste haben in Brandenburg eine lange Tradition und haben, so Agrarminister Dr. Dietmar Woidke gestern in der Potsdamer Staatskanzlei, bereits die Mitarbeiter auf den LPGen gefordert: Melken, Ernten und das Erntefest vorbereiten. Ab 2004 werden Dorf- und Erntefest auf Landesebene gemeinsam gefeiert und zeigt, dass die Landwirtschaft ein prägendes Element des Landes Brandenburg ist. Bauernpräsident Udo Folgart verspricht eine ?kulturelle und kulinarische Rundumversorgung? auf dem Dorfanger von Grochwitz, der von sieben Dorfteichen eingerahmt ist.

Erntekönigin und Erntekronen
Sieben Bewerberinnen aus der Landwirtschaft stehen als Höhepunkt des Erntefestes zur Wahl der Brandenburger Erntekönigin. Traditionell flechten die Landfrauen schon seit Wochen Erntekronen, deren schönste drei an die Landesregierung, den Landtagspräsidenten und an das Agrarministerium gehen. Auch der Deutsche Bauernverband möchte eine Brandenburger Erntekrone für sein neues Dienstgebäude in Berlin.
Mit 80 Bildern zieht der Festumzug gegen 12:30 Uhr vom Herzberger Marktplatz in den Stadtteil Grochwitz. Mit dabei Martina und Hartmut Heidrich, die sich mit Handleiterwagen und Schubkarre als Kaxdorfer Gesinde präsentieren. Der heutige Stadtteil Kaxdorf hieß 1398 noch Kakersturff und war im Besitz des Herzberger Bürgers Balczar Uenov, weiß die Lausitzer Rundschau. Bei Kaxdorf führte eine Knüppelholzbrücke über die Schwarze Elster.
Ab 09:00 Uhr bereits geht es auf den verschiedenen Bühnen los. Wer sich Landwirtschaft wie zu Omas Zeiten ansehen möchte, der hat gegen 15:30 Uhr auf der Festwiese Gelegenheit, wenn die Interessengemeinschaft Schaudreschen den Dreschflegel schwingt.
Herzberg (Elster) liegt im Südwesten Brandenburgs, etwa 90 km von Berlin im Dreiländereck zu Sachsen und Sachsen-Anhalt, weswegen der traditionelle Bauernmarkt der Agrargenossenschaft Grochwitz auch mit dem Verkauf von Werderfrüchten und Werderobst Werbung bei den Nachbarn machen will, so Bürgermeister Michael Oecknigk. ?Dicke Damen?, Wegweiser aus Stroh-Rundballen zeigen den ortsunkundigen von der B 87 und B 101 den kürzesten Weg zum Festplatz. 11.000 Herzberger erwarten rund 50.000 Gäste. Das komplette Programm finden Sie unter www.herzberg-elster.de.

Fleiß ohne Belohnung
Neben der Arbeit im Stall und auf dem Feld müssen sich die Bauern auch mit den Anträgen auf Fördergelder und Ausgleichszahlungen herumschlagen, weil die Lebensmittelpreise nicht kostendeckend sind. Im Zuge der Agrarreform gab es neue Anträge, neue Formulare und Bestimmungen. Wer das pünktlich zum 17. Mai abgegeben hat, darf nicht auf gleichen Fleiß bei den Behörden hoffen. Udo Folgart ermahnt den Minister zur pünktlichen Abschlagszahlung, damit die Betriebe liquide sind und keine Kredite aufnehmen müssen. Die Bauernvertretung begnügt sich bereits mit der Mindestforderung von 80 Prozent der Gelder bis Ende Dezember. Minister Woidke hingegen betonte, dass die Unpünktlichkeit nicht nur ein Brandenburger, sondern ein europaweites Thema sei. Zusammen mit Bayern und Baden-Württemberg habe er Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast angeschrieben, die Auszahlungen vorzunehmen. Sie trage dieses Ansinnen zur Zeit in Brüssel vor. Woidke zeigt sich optimistisch, dass der Zahltermin eingehalten wird. Mit der Witterung hatten die Brandenburger Bauern Glück, da sie nur zwischen Null und acht Prozent Ernteausfall bei Getreide hatten, fasste Folgart kurz zusammen. Allerdings liegen die Preise im Keller: Ein Doppelzentner Weizen bringt nur noch 8,50 Euro und Roggen sogar nur 6,20 auf dem Markt.
Bei den derzeitigen Ölpreisen hat Getreide einen Brenngegenwert von 20 Euro, wie Dieter Bockey von der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen letzte Woche auf dem MeLa-Kongress ermittelte (Herd-und-Hof.de vom 08.09.2005).

roRo

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