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Der Landwirt als Energiewirt

Landwirtschaft

1. MeLa Kongress in Güstrow

>Dieses Jahr wartete das Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern zusammen mit dem Landesbauernverband mit einer Neuheit vor der Mecklenburgischen Landwirtschaftsausstellung, der MeLa, auf, die heute in Mühlengeez eröffnet wird: Es gab gestern Nachmittag einen mit hochkarätigen Referenten besetzten Vorkongress in der Viehhalle des Landeskontrollverbands in Güstrow, der von Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus eröffnet wurde: "Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik - der Landwirt als Energiewirt - ein Lösungsweg?"

Bioenergie als Königsweg aller Interessen?
Angesichts der hohen Benzinpreise und der drohenden Preiserhöhung für Strom und Gas noch vor dem kommenden Winter, wünschen sich Verbraucher nichts sehnlicher, als eine Energie, die wenig kostet. Die Bauern erfahren in den letzten Dekaden, dass sie, so Minister Backhaus, immer weniger für die Lebensmittelproduktion gebraucht werden. Der ländliche Raum bekommt zunehmend andere Werte als Erholungsraum, für den Naturschutz und als Rohstoffreservoir. Mit der Erzeugung von Lebensmitteln alleine sind die Bauern kaum noch wirtschaftlich überlebensfähig. Neue Märkte als zusätzliche Einkommensquelle und auch als Beschäftigungspotenzial können nachwachsende Rohstoffe für die Energieversorgung sein. "Weg vom Öl" ist die nicht neue, aber drängende Devise, und so sieht der Minister die "zukünftigen Öl- und Gasfelder in Mecklenburg-Vorpommern" liegen. Mit dem erneuerbaren Energiegesetz, dass am 01. August in Kraft getreten ist, und der Biomasseverordnung ist Investitionssicherheit für diese Form der Stromgewinnung gegeben. Dr. Andreas Schütte von der Fachagentur nachwachsende Rohstoffe führte in seinem Referat noch weitere Rahmenbedingungen an, die eine Realisierung der Energiegewinnung aus Biomasse überhaupt rechtlich umsetzen lässt: Das Marktanreizprogramm "Erneuerbare Energie", das Agrarinvestitionsförderprogramm, Förderungen durch einzelne Bundesländer, sowie die EU-Flächenprämie für den Anbau von Energiepflanzen in Höhe von 45 Euro pro Hektar. So gut war kaum je eine Investitionsmöglichkeit abgesichert: "Besser wird es nicht mehr." In dieser Einschätzung waren sich alle einig. Außer dem Verbraucherwunsch, bezahlbare Energie zu bekommen, und den neuen Absatzmöglichkeiten für Landwirte gibt es noch ein weiteres Argument für die Bioenergie: Die Klimaschutzziele der Bundesregierung: Die Minderung der CO2-Emissionen bis 2005 um ein Viertel der Menge von 1990 und die Erfüllung des Kyoto-Protokolls.
Wenn also alle Wege zu einem Ziel führen, dann steht dem Biomasse-Boom nichts mehr im Wege. Dr. Oliver von Ledebur von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig zeigte in seinem ausführlichen Vortrag, dass es auch keine ethischen Bedenken geben muss, landwirtschaftliche Nutzfläche angesichts einer hungernden Welt aus der Nahrungsmittelproduktion zu nehmen. Die aktuelle Ernährungssituation resultiert nicht aus der Minderverfügbarkeit der Lebensmittel, sondern aus der ungleichen Verteilung einmal der Nahrung selber, und zum anderen vor allem aus dem Mangel an Kaufkraft in den Hungerländern. Selbst angesichts des Trends, dass auch in den Entwicklungsländern mehr Fleisch nachgefragt wird, kann sich nach Studien der FAO die Zahl der Hungernden tatsächlich bis 2030 halbieren. Allerdings ist das Interesse alternative Energien zu erschließen, sehr stark von den Rohölpreisen abhängig. Seit der Ölkrise in den 1970er Jahren haben die USA und Brasilien viel Geld in die Ethanolgewinnung aus Mais und Zuckerrohr gesteckt. Sinkt jedoch der Ölpreis, erlahmt auch immer wieder die Lust auf Bioenergie.

Der Markt für Biomasse
Dr. Schütte zeigte mit der Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten, dass Bioenergie mehr als nur Biogas aus Gülle ist. Getreide, Miscanthus (ein tropisches Gras), Mais, Pappel und Weide können in fester Struktur für die Strom- und Wärmegewinnung verwendet werden. Öl- und Schmierstoffe, sowie Ethanol können aus Raps, Zuckerrübe, Öllein, Getreide oder Kartoffel nach Verflüssigung gewonnen werden. Gasförmig können Pflanzen als Synthese- oder Biogas Verwendung finden. In 2004 wurden in Deutschland bereits über 1 Million Hektar Fläche für die Energiegewinnung genutzt. Rapsöl von 650.000 ha nimmt dabei die Spitzenstellung ein. Die Entwicklung seit 1993 zeigt auch, dass nicht nur Stilllegungsflächen für nachwachsende Rohstoffe genutzt werden, sondern vermehrt auch die so genannte Basisfläche. Das ist ein Indiz für die Marktfähigkeit dieser Nische. In 2003 wurden 3,1 Prozent des deutschen Energiebedarfes aus erneuerbaren Energien hergestellt - zwei Drittel davon aus Biomasse.

Der Energiewirt
Mit der Einführung der Biomasse auf den landwirtschaftlichen Betrieb wird prinzipiell ein Kreislauf geschlossen. Die Bauern hatten schon immer Energie geliefert, denn vor der Verwendung des Erdöls wurden Transporte mit dem "Hafermotor" gewährleistet. Bevor 40-Tonner die Autobahnen verstopften haben Pferdewagen die Waren transportiert. Das Futter für die Tiere kam bereits von den Ackerflächen.
Was allerdings der Regierung das Klimaziel und dem Verbraucher preiswerter Biodiesel ist, bedeutet als Kehrseite de Medaille neben dem Verdienst auch Arbeit für die Bauern. Und technisches Know how. Dr. Kerstin Jäkel von der sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft führte aus, dass die Technik für Biogas beispielsweise zwar ausgereift, jedoch noch Verbesserungsreserven aufweist. Das Blockheizkraftwerk führt die Pannenstatistik an: festgefahrene Kolben, kaputte Zylinderköpfe und Buchsen, sowie Ventile, sogar Nockenwellenschäden lassen die Gasproduktion mitunter stillstehen. Für die Landwirte ist das alles neu. Neue Technik, neue Überwachung der Anlagen und ein neues Management. Detlef Stark von der Anklamer Agrar AG berichtete über fehlerhafte Gärprozesse und defekte Rührwerke. Es ist ein Lernprozess, der jedoch auf jeden Fall Mühe macht. Hier sind Betriebsleiterqualitäten gefordert.
Schließlich ist es auch nicht so einfach, Anlagen zu finanzieren. Bei einem Investitionsvolumen von durchschnittlich 3.239 €/kW in Sachsen muss der Landwirt die Hausbank befragen. Norbert Rossow, der ein Planungsbüro für Verfahrenstechnik leitet, berichtet aus seiner Praxis, dass die Banken nicht nur wegen BSE und MKS zögerlich verhandeln.
Es waren sich auch alle Referenten einig, dass Biogas kein "Rettungsanker" für wirtschaftlich schwache Betriebe ist. Nur wer seine Pacht bezahlen kann, ein überlebensfähiges Milchkontingent aufweist, der kann nach der Investition auch die Gewinne einfahren. Und die sind da, wie Modellrechnungen von Dr. Thomas Pietschmann (Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern) aufzeigte. Selbst ohne Fördergelder ist bei Betrieben ab 300 Milchkühe schon ein Gewinn von 23.000 € drin. Das richtige Management vorausgesetzt.

Wirklich alles rosig?
Fachtagungen haben trotz manchem Gegenargument trotzdem meist die rosarote Brille auf. Nur Gerd-Heinrich Kröchert, Bauernpräsident Mecklenburg-Vorpommerns, ließ in seinem Grußwort einmal deutliche Skepsis durchblicken. Alle Beteiligten müssen darauf achten, dass nicht gewollt und gefordert wird, was anschließend nur unter schwierigsten Bedingungen durchzusetzen ist.
Eine Tonne Biomasse steht bereits heute schon in einer Nutzungskonkurrenz. Das sei ihm viel lieber als gar keine Nutzung, sagte Schütte in einer Diskussionsrunde. Aber diese Tonne kann einmal dezentral in eine Biogasanlage wandern, oder beispielsweise über größere Entfernungen nach Schwedt transportiert, um dort zu Biodiesel raffiniert zu werden. Das wäre eine marktgerechte Nutzungskonkurrenz, wenn da nicht noch die internationale Dimension wäre, dass Biomasse auch in anderen Ländern kostengünstiger angebaut werden kann. So gelangt Bioethanol bereits aus Brasilien in die EU und ist nur deswegen nicht konkurrenzlos günstig, weil Europa noch einen Zollsatz von 20 Cent auf den Liter berechnet. Die Ökobilanzen für RME wurden kürzlich vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu) neu bewertet. Was auch bei dieser Konferenz ungesagt blieb, ist die Tatsache, dass der Verbraucher generell sein Energieniveau überdenken sollte. Die Angebotsseite ist vorbereitet.

Roland Krieg

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