Der Weg zur biodiversen Landwirtschaft

Landwirtschaft

Umwelt muss ein Geschäftsmodell werden

Europäisches Parlament in Brüssel

Der Agrarausschuss des Europaparlamentes hatte am Montag zu einer öffentlichen Anhörung zum Thema Biodiversität geladen. Die Strategiepapiere Farm-to-Fork (F2F), zur Biodiversität als Bestandteile des Green Deals von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sollen in die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) eingebunden werden.

Die vier Komponenten sind so eng verflochten wie Boden, Weizen, Käfer und Landwirte auf dem Feld. Doch mühen sich Politik und Wissenschaft nur schwerfällig zu einer Lösung. Die Leiterin der Abteilung Landwirtschaft beim Institut für Europäische Umweltpolitik, Faustine Bas-Defossez, erinnerte an den Bericht des Rechnungshofes, dass die GAP bislang keine Vorteile für die Biodiversität erreicht hat. Die Wissenschaftlerin plädiert für konkrete, rechenschaftsberichtfähige, quantifizierte Ziele, die in der GAP realitätsnah definiert werden müssten. Die noch von den Mitgliedsstaaten zu formulierenden strategischen Ziele für die GAP sollten sich am Green Deal orientieren. Die Biodiversitätsziele 2030 seien nur noch mit sofortigem handeln zu erreichen. Prof. Felix Wäckers von der belgischen BiobestGroup für Nachhaltiges Feldmanagement will die Maßnahmen passgenau auf die Bedürfnisse der zu schützenden Tiere und Pflanzen zuschneiden. Ein Ökosystem für alle Arten werde es nicht geben.

So weit ist Pierre Bascou von der Generaldirektion Agri von den Umweltschützern nicht entfernt. Die GAP fahre zwar in der ersten und zweiten Säule komplementäre Ansätze, die aber zu verbessern seien. Die GAP bleibe Kernpolitik, müsse aber die anderen Ziele einbetten. Über den Agrarbereich hinaus sei die Sicherung der Biodiversität eine Aufgabe für alle Ressorts.

Dass sich in der Landwirtschaft etwas ändern müsse, unterstrich Alberto Arroyo Schnell, Berater bei der Internationalen Union für Bewahrung der Natur. Die Muster der Landwirtschaft seien nicht nachhaltig und die Themen kommen seit vielen Jahren immer wieder hoch. Die GAP soll das zentrale Finanzierungssystem für den Umwelt- und Artenschutz werden.

Nun gibt es zahlreiche Beispiele von landwirtschaftlichen Betrieben, die viel für die Umwelt, den Boden und für den Klimaschutz umsetzen. Humberto Delgado Rosa von der Generaldirektion Umwelt war der erste, der den Landwirten eine wichtige Rolle als „Hüter der Natur“ zuwies. Die Politik müsse den Landwirten mehr Werkzeuge für Umwelt- und Klimamaßnahmen in die Hand geben. Die Digitalisierung ist für Giovanni de Santi von der EU-Gemeinschaftsforschung das entscheidende Werkzeug für ein noch nie dagewesenes Monitoring von Boden- und Vegetationszuständen, sowie dem Anbau und der Artenvielfalt. Die Flächenbewertung könne der Politik die sensiblen Bereiche anzeigen, wo sie nachsteuern müsse.

Die aktuellen Grenzen für die Landwirte hat Palle Borgström, Vizepräsident der europäischen Bauernorganisation COPA aufgezeigt. Der gegenwärtige Topdown-Ansatz helfe den Landwirten nicht, die durch Extensivierung Flächen und durch Auflagen Einkommen verlieren und am Ende keinen Nachfolger mehr für ihre Höfe finden. Die Verlagerung des ökologischen Fußabdrucks der europäischen Nahrungsmittelproduktion ins Ausland durch Importe und einen Rückgang der heimischen Produktion bezeichnete Borgström als „Entmutigung“ der Land- und Forstwirte, weiterzumachen. Das fange schon bei den Junglandwirten an, ergänzte Samuel Masse, Vizepräsident der Europäischen Junglandwirte. Gerade die jungen Auszubildenden erhalten eine höherwertige Qualifikation als die Altvorderen. Damit könnten sie den Artenschutz besser umsetzen, falls sie Höfe und Flächen zum Weitermachen fänden.

Was fehlt fasste Ulrike Müller von den Liberalen zusammen: Es fehlten Konzepte für die Landwirte, Einkommen zu generieren, Nahrungsmittel zu produzieren und Umweltmaßnahmen durchzuführen. Biodiversität müsse als neues Geschäftsmodell verstanden werden damit die neuen Aufgaben nicht nur entschädigt werden. Bis dahin müssen die Ziele nach Herbert Dorfmann, Christdemokrat aus Südtirol, sachlich mit ihren Zielkonflikten adressiert werden. Artenschutz sei die eine Seite, große Beutegreifer, Kormorane und Wildgänse auf den Weiden müssten im Sinne der Landbewirtung andererseits auch reguliert werden. Sowohl F2F als auch die Strategie zur Biodiversität käme zu „besserwisserisch“ daher.

Öffentliche Konsultation

Am gleichen Tag hat Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf dem „One Planet Summit“ die öffentliche Konsultation für rechtlich bindende Biodiversitätsziele 2030 gestartet. EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius sagte am Montag: „Die Menschen haben drei Viertel der Landfläche und zwei Drittel der Meere nachhaltig verändert und damit das Klima und die Lebensgrundlagen destabilisiert. Die Wiederherstellung der Ökosysteme ist ein dreifacher Gewinn für das Klima, die Natur und den Menschen.“. Die Arbeit daran werde in der Zeit nach der Pandemie neue Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen und Wohlstand generieren.

Lesestoff:

Die bis zum 05. April offene Anhörung finden Sie unter https://ec.europa.eu/info/law/better-regulation/have-your-say/initiatives/12596-Protecting-biodiversity-nature-restoration-targets

Roland Krieg

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