Menü

„Deutschland Billiglohnland“

Landwirtschaft

Subunternehmer von Westfleisch verhaftet

Gegenüber dem Fernsehmagazin „Report Mainz“ des SWR hat die Staatsanwaltschaft Düsseldorf am Dienstag bestätigt, dass Anfang der Woche ein Subunternehmer und fünf weitere Verdächtige des Fleischproduzenten Westfleisch verhaftet worden sind. Dem Mann, so der SWR, wird ein Sozialversicherungsbetrug nach §266a StGB vorgeworfen. Auf Grund einer erhöhten Fluchtgefahr nach Osteuropa wurden die Verdächtigten in Haft genommen.

Firmengeflecht
Axel H. geriet bereits 2006 in Verdacht. Er war Kopf eines Geflechts von rund 50 Firmen, die mehr als 1.000 Mitarbeiter im Rahmen von Werkverträgen in der Fleischbranche beschäftigten, teilte der SWR mit. Zur Aufklärung wurden sämtliche Standorte der Vion-Gruppe und von Westfleisch durchsucht. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den Mann unter anderem, rumänische Arbeiter illegal in deutschen Schlachthöfen eingesetzt zu haben.
Offiziell arbeitete er mit unabhängigen osteuropäischen Dienstleistungsanbietern zusammen, bei denen die Arbeiter angestellt sind. Mit dieser Voraussetzung können Werkverträge mit Osteuropäern abgeschlossen werden. Die Staatsanwaltschaft allerdings geht nach Angaben des SWR davon aus, dass es sich bei den Betrieben zum Teil um reine „Anwerberbüros“ gehandelt haben soll. Die Tatvorwürfe beziehen sich auf den Zeitraum zwischen Januar 2003 und Juni 2008.

Westfleisch wartet ab
Gegenüber Herd-und-Hof.de hat ein Sprecher von Westfleisch am Dienstag abend die Vorwürfe bestätigt und mitgeteilt: „Hinsichtlich weiterer Einzelheiten liegen uns über bisherige Presseveröffentlichungen hinaus keine weiteren Erkenntnisse vor.“

Preisdruck in der Branche
Schwarzarbeit und Niedriglohn sind Ausdruck eines erheblichen Preiskampfes, der auch den Nachbarländern nicht verborgen bleibt. Anfang Januar 2010 beschrieb eine Studie für den Verband der Belgischen Fleischindustrie (FEBEV) die Wettbewerbssituation für den Fleischexport. Die Studie, die Herd-und-Hof.de vorliegt, sieht die heimische Fleischindustrie wegen der niedrigen Lohnkosten im Nachbarland unter erheblichen Druck: „Die niedrigen Löhne, die in Deutschland für ausländische Arbeiter in der Fleischindustrie bezahlt werden, stellen gegenüber den belgischen Schlachthöfen und Zerlegewerken einen großen Nachteil dar. In den meisten Nachbarländern sind die Lohnkosten in der Fleischindustrie mit 7,50 bis 8,00 Euro deutlich niedriger als in Belgien mit 11,60 Euro. Zusätzlich sind die Sozialabgaben in Belgien höher und es gibt eine automatische Lohnanpassung. Das Problem der niedrigen Lohnkosten in der deutschen Fleischindustrie ist nicht neu. „Deutschland Billiglohnland“ ist ein sozio-politisches Thema. Es muss sich dringend etwas ändern, wenn wir mit ausländischen Firmen und insbesondere mit Deutschland konkurrieren wollen.“

Nicht nur Carbon-Footprint
Wie auch immer die Geschichte ausgeht, der Flurschaden ist schon heute weitaus größer.
„Nachhaltigkeit ist für die Westfleisch eG, dem drittgrößten Fleischvermarkter in Deutschland, keine Modewort, sondern gelebtes Leitbild aus Verantwortung gegenüber der Umwelt, der Gesellschaft, den Kunden und den Mitarbeitern.“ Mit diesen Worten hat Westfleisch gerade erst Anfang März die Einführung eines ersten „Corporate Carbon Footprint“ für einen Fleischvermarkter gefeiert. Verbraucher können künftig erfahren, wie viel CO2-Belastung entstanden ist, bis das Schnitzel oder die Bratwurst in den Einkaufskorb wandert.
Ist der Kohlendioxidabdruck im Griff, dann muss über einen „Social Footprint“ nachgedacht werden.

Roland Krieg

Zurück