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Die ausgefallene Grüne Woche

Landwirtschaft

IGW wird 2021 zur B2B-Messe

IGW B2B 2021

„Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die Erwartungen der Messen im Jahr 2021 komplett verändert.“ Das sagte Rainer Waldschmidt von Hessen Trade & Invest (HTAI) am Donnerstagmorgen um 07:59 Uhr. Messen werden aber wichtige Impulse für die Erholung der Weltwirtschaft setzen. Waldschmidts Augenmerk geht in Richtung Finanzdienstleistungen in Singapur, Elektrotechnik in Russland oder die Luft- und Raumfahrttechnik in Japan.

Die Internationale Grüne Woche (IGW) im Januar 2021 hatte er noch nicht im Blick. Die Messe Berlin GmbH verkündete drei Stunden später eine stark veränderte IGW für den kommenden Januar an.

Die IGW ist für ausgefallene Delikatessen bekannt. Sie ist aber mehr als nur die „Fressmeile“, für die sie noch immer steht. Das inhaltliche Rahmenprogramm, die Fachgespräche und das Internationale Agrarministertreffen wurden meist losgelöst von der IGW hingenommen und selten von den Besuchern begleitet. Dafür musste öfters die Brandenburghalle wegen Publikumsandrang stundenweise geschlossen werden. In Zeiten der Pandemie und gerade im Winter ist das keine verlockende Aussicht für den Januar 2021 gewesen. Eine Absage des Publikumsverkehrs hing in der Luft und wurde von Grüne-Woche-Chef Lars Jaeger am Donnerstag verkündet.

Mit Blick auf Waldschmidts Worte in Hessen aber wird sich die erstmals 1926 gestartete Messe für Land- und Ernährungswirtschaft ganz dem Fachlichen widmen. Publikumsveranstaltungen wird es nicht geben. Aber: „Als systemrelevante Branche steht die Land- und Ernährungswirtschaft vor neuen Herausforderungen. Hier gilt es, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und die Zukunft zu gestalten. Mit der Internationalen Grünen Woche 2021 wollen wir dafür die entsprechende agrar-politische Dialogplattform bieten.“ Lars Jaeger hat mal wieder ein ausgefallenes Thema für die IGW gefunden. Hygiene- und Sicherheitsauflagen für eine Messe mit 400.000 Besuchern in zehn Tagen konnte schlichtweg nicht gefunden werden.

Das Konzept und die konkreten Themen für die 86. Ausgabe der Internationalen Grünen Woche werden zurzeit zusammen mit den ideellen Partnern, dem Deutschen Bauernverband (DBV) und der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), sowie dem Bundeslandwirtschaftsministerium erarbeitet.

Rooting for tomorrow

„Die Entscheidung, die Grüne Woche 2021 nicht als Publikumsmesse durchzuführen, schmerzt. Aufgrund der Herausforderungen durch das Corona-Virus ist die Entscheidung aber verständlich“, sagte Christoph Minhoff vom BVE. „Als ideeller Träger unterstützen wir die Entscheidung der Messe Berlin, die IGW als Branchentreff durchzuführen. Im politisch wichtigen Jahr 2021 es ist wichtig, den Dialog über die Zukunftsthemen der Ernährungsindustrie zu führen. Das Motto der IGW „Rooting for tomorrow“ gewinnt angesichts der aktuellen Pandemie zusätzlich an Bedeutung.“

Der Ausfall der Messe ist für Planer immer eine Option gewesen, sagte Christian Schmidt von der Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft. Sie hat auf der IGW vor dem Niedersachsenabend mit der „Zukunftswerkstatt Landwirtschaft“ ein politisches Forum zu aktuellen Themen organisiert. Jetzt wollen die Niedersachsen dem Branchentreffen zum Erfolg verhelfen. Knapp 70 Aussteller hatten ihre Zusage für die IGW 21 bereits kundgetan. Sie müssen jetzt Alternativen finden, denn ein gleichwertiger Ersatz für die Region und den politischen Austausch wird es kaum geben.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sagt: „Die Internationale Grüne Woche ist das zentrale Schaufenster der Ernährungs- und Landwirtschaft. Dass sie kommendes Jahr nicht als Publikumsmesse stattfinden kann, bedauern wir natürlich. Mit Blick auf die Sicherheit und Gesundheit von Gästen und Personal ist es aber eine richtige und verantwortungsvolle Entscheidung. Weil die IGW, der Austausch und die Themen so wichtig sind, freuen wir uns, dass die Messe Berlin stattdessen zu einem Branchentreff einladen will. Auch unserer Global Forum for Food and Agriculture – die größte Agrarministerkonferenz weltweit – wird stattfinden. 2022 freuen wir uns dann wieder auf viele Besucherinnen und Besucher in der Halle unseres Ministeriums auf der Internationalen Grünen Woche.“

Roland Krieg; Foto: Messe Berlin GmbH

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