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Die europäische Spinne

Landwirtschaft

Misumena vatia

Seit dem Jahr 2000 wird in drei deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz, die Spinne des Jahres gewählt. Im letzten Jahr nahmen Belgien und die Niederlanden teil und in diesem Jahr ist das auserwählte Krabbeltier ein richtiger Europäer. Von Skandinavien bis zum Mittelmeer und von Irland bis nach Ungarn haben Jahr 27 Länder die Spinne des Jahres gemeinsam gekürt. Die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) in Braunschweig hat heute Mittag die Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) auf der Grünen Woche der Öffentlichkeit vorgestellt. Zumindest auf Bildern, denn zur Zeit halten die echten Tiere ihren Winterschlaf.

Karnevaleskes Tier
Dr. Martin Kreuels von der Arachnologischen Gesellschaft in Deutschland nannte als Gründe für die Auswahl, dass es nicht um einen geschützten Status der Tiere geht, sondern um ein farbenfrohes Spinnentier, dass in den Blickpunkt gerückt werden soll, um den Menschen die meist unbeachtete Lebenswelt zu zeigen. Farbenfroh ist der kleine Krabbler, weil zumindest die Weibchen innerhalb von ein bis zwei Tagen in der Lage sind, sich den gelben und weißen Blüten der Pflanzen farblich anzupassen. So sind sie für ihre Beute unsichtbar.
Die elf Millimeter großen Weibchen haben zwar nur kleine, hintere Beinpaare, mit denen sie sich auf der Pflanze, die sie in der Regel ein Leben lang bewohnen, festhalten, aber kräftige, lange Vorderbeine, mit denen sie "unvorsichtige" Hummeln, Bienen, Hornissen und selbst Schmetterlinge fangen. Sie saugen die Beute dann aus und halten sie weit von ihrem Körper entfernt, um nicht von den Bienen gestochen zu werden. Weil die Spinne sich auch seitlich wie eine Krabbe bewegen kann und ihr durchaus ähnelt, hat sie ihren Namen bekommen. Sie kommt überall in Europa vor und bevorzugt Wiesen, Moore, Brachen und bewohnt private Gärten.

Keine Angst vor Nutztieren
Dr. Kreuels kennt zwei Ängste der Menschen vor den Spinnen. Weit verbreitet ist der Ekel. Richtige und panische Angst hat eine ganz andere Dimension. Da bewohnen Menschen nur noch unmöblierte Zimmer, damit sie die Wände nach ungebetenen Spinnen absuchen können. Zwei Therapiewege gibt es dafür. Der stressreiche ist sicherlich der Konfrontationsprozess, bei dem der Patient in einen Raum mit Spinne allein gelassen wird, um zu erfahren, welche Reaktionen das Tier überhaupt zeigt. Die langsamere Therapie nähert den Patienten seinem Angstobjekt über Bilder und Handpuppen. Die Handpuppenspinnen in der Messehalle zeigten selbst bei den Kleinsten im Kinderwagen keine Reaktion.
Die Menschen fürchten sich oft vor den Tieren, weil sie nie sicher sind, welches der acht Augen sie gerade beobachtet. Die starke Behaarung und vor allem Mythen aus der Vergangenheit, geben den Tieren ein schlechtes Image. Im Mittelalter galt die Spinne als Synonym für Pest und Tod. In Afrika hingegen gilt die Spinne als Mittler zwischen Leben und Tod. Sie sind oftmals auf afrikanischen Totenmasken dargestellt.
Dabei gibt es in Deutschland auch objektiv keinen Grund, Spinnen zu fürchten, denn auch das Gift der Veränderlichen Krabbenspinne ist für Menschen ungefährlich. Zudem sind die achtbeinigen Insekten nicht in der Lage, die menschliche Haut zu durchbeißen. Lediglich zwei Spinnen verursachen einen kleinen nachlassenden Schmerz. Die Wasserspinne, als erste Spinne des Jahres 2000, kommt aber nur unter Wasser in Naturschutzgebieten vor - und da ist Baden verboten. Die Dornfängerspinne greift nur an, wenn der Mensch die weißen Kokons der Jungtiere zerstört, die aber gut zu erkenne sind.
Die Bauern arbeiten mit den Krabbeltieren Hand in Hand. Bodenspinnen fallen über die von den Pflanzen gefallenen Blattläusen her und helfen somit, die Bestände schädlingsfrei zu halten. Alle englischen Spinnen zusammen, sollen jedes Jahr die Insektenmasse vertilgen, die alle Engländer zusammen aufwiegen würde.
Übrigens: Die Paarung ist für die Männchen ein verlustreiches Vergnügen. Von drei Männchen, schafft es im Durchschnitt nur eines, seine Spermien abzugeben. Die anderen werden vorher von den Weibchen anderweitig "vernascht".

Lesetipps:
Obwohl die Veränderliche Krabbenspinne in ganz Europa beheimatet ist, gibt es über ihre tatsächliche Verbreitung noch etliche Wissenslücken. Daher ist die Arachnologische Gesellschaft an bildhaften Fundbelegen interessiert.
Informationen und Kontakt: www.arages.de
Verbreitungskarten gibt es unter: www.spiderling.de/arages/Verbreitungskarten/MIS_VAT.HTM
Photos der Spinne gibt es unter: www.bba.de

Roland Krieg

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