Die Grüne Woche funktioniert nicht digital

Landwirtschaft

Die IGW braucht Speiseöl, Wein und Ernteköniginnen

Kommentar

Das Messeteam der Internationalen Grünen Woche hat im August richtig entschieden, die IGW 2021 digital zu veranstalten. Mit Blick auf die Jahreszeit war ein Anstieg der Infektionen von SARS-CoV-2-Varianten zu befürchten.

Dennoch hat es trotz positivem Abschlussbericht nicht gezündet. Die Internationale Grüne Woche setzt auf den Charme einer Fachmesse mit Jahrmarktreizen und Politikeraufkommen. Während zehn Messetage kommen rund 400.000 Besucher zusammen, im Vorfeld gibt es drei Pressetage und mittlerweile schon seit der ersten Woche des Jahres Vorschauen auf den Trubel.

In der Pandemie blieben zwei Tage übrig. Alle rund 100 Videos aus den beiden Messetagen am 20. und 21. Januar sind „on demand“ vorhanden. Doch wer will das noch sehen? 20.000 Zugriffe hat die Messe Berlin in den beiden Tagen verzeichnet. Es dürften fast nur Fachbesucher gewesen sein.

Die Grüne Woche ist alljährlich in seiner mittlerweile 95-jährigen Geschichte der Jahresauftakt für das Agrarjahr. Mittlerweile sind neben dem Bundeslandwirtschaftsministerium auch das Entwicklungsministerium und das Umweltressort auf der IGW vertreten. Mit den Pressetagen kommen alle Verbände zu Wort, positionieren sich für Themen und gegen andere Organisationen und die Politik bleibt in der Regel ausreichend lange vor Ort, oder kommt in Form von Landesministern später vorbei, um aktuell, spontan und prüfend auf die Statements einzugehen. In so kurzer Zeit die Ansprechpartner direkt vor Ort anzutreffen, gibt es sonst nicht.

Während zehn Besuchertagen ist das gesamte Geschehen über die Landesküchen und Landeskulturen eingebettet und bietet eine willkommene Abwechslung für die harten Themen.

Was 2021 politisch im Vorfeld zur IGW gelaufen ist, hätte der IGW nicht bedurft. Die Diskurse waren vor dem offiziellen Start beendet – es floss nichts in die Messehallen über

Bioenergie und ländlicher Raum, auch das Globale Foodforum eins zu eins mehrtägig in die digitale Welt zu setzen, hält nur der jeweilige Besucher aus. Die Menschen im monatelangen Homeoffice sind mittlerweile froh, wenn eine Sitzung nicht länger als eine Stunde dauert. Große Konferenzen im Internet? Da müssen Formate gefunden werden, die ausgehalten werden können.

Liebe Grüne Woche: Wir vermissen Bäcker Plentz aus Oberkrämer in Brandenburg, der jedes Jahr mit einem speziellen Brot für die Grüne Woche Geschichte backt. Liebe Grüne Woche: Wir vermissen die Piratenband aus Mecklenburg-Vorpommern, die schon vom Südeingang aus zu hören ist. Liebe Grüne Woche, wir vermissen die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, die zwischen rheinischen und westfälischen Leckereien Bewässerung und Bodenproben in Modellen anschaulich zeigt; liebe Grüne Woche, wir vermissen die Förster mit ihren Geschichten, die Landfrauen mit ihren Weisheiten und die Verbraucherzentralen mit ihren Ratschlägen.

Aber: Die Internationale Grüne Woche 2022 findet ja wieder real statt, gelle?

Roland Krieg

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