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Die Krux mit dem Fleischkonsum

Landwirtschaft

Fleischkosten und Fleischkonsum

Die Hamburger Umweltorganisation Greenpeace hat im Dezember die externen Kosten der Fleischproduktion in Deutschland mit 5,91 Milliarden Euro angegeben. Würden die Kosten für Umwelt, Boden und Luft in den Preis eingerechnet, verdoppelte sich der Schweinepreis und Rindfleisch würde um die Hälfte teurer.

Die ökologische Tierhaltung ist aber kein Ausweg. Den Angaben zufolge reduzieren sich die externen Kosten bei einer kompletten Umstellung zwar, stellen aber mit 3,81 Milliarden Euro pro Jahr noch immer zwei Drittel der externen Kosten. Also: Die Umstellung verkleinert die externen Kosten lediglich um 36 Prozent.

Systemfehler Fleisch?

Im neuen Fleischatlas 2021 von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem BUND wird Fleisch über die Begrifflichkeiten „Klimakiller“ und „Massentierhaltung“ als „Systemfehler“ hingestellt. Physiologisch ist der Mensch alles andere als ein Vegetarier. Es ist aber genauso wenig ein reiner Fleischfresser. Das von Ernährungswissenschaftlern richtige Maß an Fleischkonsum wird schon dadurch konterkariert, dass der Konsum an Rind, Schwein und Geflügel weltweit steigt. „Der erste Schritt wäre eine Imagekampagne für klimafreundliche Ernährung“, sagte BUND-Vorsitzender Olaf Bandt bei der Vorstellung des Fleischatlasses in der vergangenen Woche.

Das adressiert den Verbraucher, der auf Deutschland bezogen, nur rund die Hälfte des aktuellen Konsums verzehren solle. Mit rund 25 Kilogramm Fleisch ernährt sich der Mensch ausgewogen. Der Durchschnittsmensch in Afrika kommt auf 16 und in den USA auf 100 kg pro Jahr.

Landwirte sind Mengenanpasser

Auffällig ist die sanfte Ermahnung der Fleischkritiker gegenüber den Verbrauchern, weniger zu essen, aber die erhobene Faust gegenüber den Landwirten, die über eine Angebotsverknappung den Konsum regeln sollen.

Ein Zurück zur rein flächengebundenen Tierhaltung mit überwiegend eigener Futtermittelproduktion ist nur mit einem Rückgang des Fleischkonsums möglich. Und der ist in Deutschland trotz vegetarischem und veganem Trend am Jahresende noch immer stabil. Der Konsum an Rindfleisch hat sich zwischen 1935 bis 2018 lediglich um ein Kilo auf 14 kg pro Kopf und Jahr nach unten bewegt.

Schwein und Geflügel boomen

Ganz anders sieht das bei Schweinefleisch aus. Die aktuelle Zeitreihe des Futtermittelkompendiums des Deutschen Verbandes Tiernahrung (DVT) zeigt im gleichen Zeitraum eine Steigerung des Schweinefleischkonsums von 29 auf 49 kg. Erst in den vergangenen drei Jahren ist der Konsum um drei Kilo gesunken.

Bei Geflügel zeigt sich hingegen eine stete Steigerung von 1,7 auf 22 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Huhn und Schwein können gegenüber Rindern besonders gut flächenunabhängig gemästet werden und sind mit ihren einhöhligen Mägen auf weniger Rohfaser angewiesen.

Weltweit im Anstieg

Die arabische Welt setzt bei Geflügel und die asiatische Welt bei Schweinefleisch den Wachstumsakzent. Weltweit wird nur noch 20 Prozent des Fleisches in Europa erzeugt. Asien erzeugt das Doppelte, Nord- und Südamerika mit jeweils 16 und 17 Prozent zusammen die Hälfte mehr. Nach Schätzungen der OECD und der FAO wird schon bis 2029 die weltweite Fleischerzeugung um weitere 13 Prozent auf 366 Millionen Tonnen steigen.

Proteinfrage

„13 Prozent der jungen Generation ernährt sich vegetarisch oder vegan, und das sind doppelt so viele wie der Durchschnitt der Bevölkerung in Deutschland“, sagte Böll-Vorsitzende Barbara Unmüßig. Das ist für die Lösung der mit der Fleischproduktion verbundenen Probleme weniger, als der Tropfen auf den heißen Stein.

Auf der Suche nach Alternativ-Proteinen stehen nicht nur Hülsenfrüchte für neue Hamburger-Patties im Fokus, sondern auch Insekten als Futterquelle für die traditionelle Fleischerzeugung.

Das gesamte Fleischsystem muss sich neu, aber komplex justieren.

Roland Krieg

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