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Die nächste Stufe der Gentechnologie

Landwirtschaft

Synthetische Biologie

Vor 150 Jahren begann Gregor Johann Mendel im Klostergarten Brünn mit dem systematischen Anbau von Erbsen und formulierte nach den Forschungsergebnissen die „Mendelschen Regeln“ der Vererbungslehre. Mendel legte die Basis auf statistische Auswertung einzelner Veränderungen von Merkmalen und damit das Fundament für die moderne Pflanzenzüchtung. Heute streiten Politik, Wissenschaft und NGO über neue Kreuzungsverfahren, ob sie unter dem Begriff Gentechnik fallen oder nicht [1].

Das Minenfeld Landwirtschaft hat der neue Arbeitsbericht „Synthetische Biologie – die nächste Stufe der Bio- und Gentechnologie“ ausgelassen. Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) hat dennoch für die Bereiche Chemie, Energie, Medizin und Umwelt den aktuellen Stand der Forschung zusammengetragen. [2].

Lignozellulose und Tumore

Lignozellulose ist Teil verholzter Pflanzen, der zwar in großen Mengen als Rohstoff vorhanden ist, aber beim Aufschluss und für die Umwandlung in Biokraftstoffe spezielle biologische Strukturen benötigt. Eine Verbesserung der Nutzung vermeidet die Teller-Tank-Diskussion, weil Lignozellulose vom Menschen nicht aufgeschlossen werden kann. Mit Hilfe von Gentechnologie kann der Rohstoff effektiver genutzt werden.

Salmonella typhimurium sind Bakterien, die sich in Tumorzellen anreichern. Sie können mittlerweile schon so umgebaut werden, dass sie Zellgifte produzieren, die Tumore stoppen könnten. Zwei Beispiele für die Synthetische Biologie.

Synbio

Solche Versprechen sind nicht neu, aber erhalten Aufwind durch neue Techniken und exakterem Verständnis von biologischen Abläufen. Der TAB-Bericht schreibt daher lieber von „Synthetischer Biologie“. Im engeren Sinne, sind es „am Reißbrett entworfene“ neu konstruierte Zellen und Organismen, im weiteren Sinne können solche Mechanismen aber mehrere Forschungsansätze abdecken und ganze Stoffflüsse bis zu einem gewünschten Endprodukt abbilden.

Der Bericht erscheint nicht nur pünktlich zum Mendeljahr, sondern begleitend zur Diskussion über verantwortungsvolle Anwendung und notwendige Regulierung der Gentechnik. Der TAB-Bericht Nr. 164 gibt den Stand der aktuellen Forschung wider, stellt Sicherheits- und Governancefragen und porträtiert Akteure und Perspektiven.

Synbio-Do it Yourself

Dazu gehört der Bereich des DIY. Mit Do it Yourself ist nicht mehr nur der Heimhandwerker gemeint, sondern auch der Hobbybiologe im heimischen Labor, der eigene künstliche Organismen erstellt. Das ist eine sehr heterogene Forschergruppe, die tatsächlich zu Hause oder in privaten Labors gemeinschaftlich forscht. Durch die konzeptionelle Nähe zur Hackerszene, werden die Mitglieder dieser Forschergruppe auch „Biohacker“ genannt. Der TAB-Bericht beschäftigt sich mit den DIY-Biologen, weil sie den noch bestehenden Forschungsrückstand zur professionellen Wissenschaft künftig reduzieren werden, sie einen Beitrag für die gesellschaftliche Debatte über Synbio leisten werden und sie auch unter die Regeln der Biosafety fallen müssen.

Lesestoff:

[1] Neue Züchtungsmethoden in der Diskussion

[2] Arnold Sauter et al., „Synthetische Biologie – die nächste Stufe der Bio- und Gentechnologie“, TAB-Bericht Nr. 164 www.tab-beim-bundestag.de

Roland Krieg

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