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Die Preis-Frage

Landwirtschaft

Faire Preise kann man nicht verordnen

Auf dem Landesbauerntag Brandenburg appellierten Bauernpräsident Udo Folgart und Ministerpräsident Dietmar Woidke an die Verbraucher: Tierschutz kostet Geld. Konsumenten müssten über ihre Zahlungsbereitschaft den Landwirten signalisieren, dass Investitionen in das Tierwohl sicher sind. Das Argument der Zahlungsbereitschaft ist landauf und landab immer wieder zu hören. Aber stimmt das?

Der Lebensmitteleinzelhandel steht unter Druck und stellt immer öfter fest, dass sinkende Preise kein Garant mehr für steigenden Abverkauf sind [1]. Die verarbeitende Ernährungsindustrie beklagt mickrige Gewinnmargen und stöhnt über hohe Rohstoffkosten. Damit meint sie vor allem den Milch- und Fleischmarkt [2]. Keine zwei Monate nach Absetzen der Milchquote kritisiert Folgart die Molkereien. Für den absehbar sinkenden Preis machte er die Molkereien mitverantwortlich. Sie hätten sich bei den Preisrunden des Handels über den Tisch ziehen lassen.

Die Branche vom Acker bis zur Laderampe zeigt gerne auf die Konzentrationsdichte im Lebensmittelhandel. Doch nur noch vier Zuckerfabriken in ganz Deutschland, immer weniger Molkereien, Schlachthöfe und Düngemittelfirmen dynamisieren das Oligopol auch rund um die Bauern und Verarbeiter. EU-Agrarkommissar beklagte im letzten Jahr die hohen Düngemittelpreise. Offenbar wurden in Europa die Gewinnmargen des sinkenden Rohölpreises nicht an die Kunden weiter gegeben [3]. Ausgerechnet dem Verbraucher die Zahlungsbereitschaft aufzubürden, zäumt das Pferd von hinten auf.

Der Weg aus diesem Labyrinth bleibt verborgen, weil jeder Teil der Wertschöpfungskette jemanden findet, auf den der Finger gerichtet werden kann. Darüber sprach Herd-und-Hof.de mit Dr. Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke und in Brandenburg zu Hause. Sie fordert nicht nur im Hohen Haus einen Gewinnverzicht des Handels für fair gehandelte Produkte. Um faire Preise für alle und bezahlbare Preise für Verbraucher zu erhalten, reichten Detaillösungen nicht aus. Die gesamte Preispolitik in der Wertschöpfungskette stimme nicht und Tackmann fordert einen „Systemwechsel“. Der Wissenschaftliche Beirat zur Agrarpolitik hat in seinem Nutztiergutachten [4] die Weichenstellungen aufgezeigt, wie sich das einpreisen von negativen Produktionseffekten durch die ganze Wertschöpfungskette abbilden lässt.

Von der Sektoruntersuchung des Milchmarktes des Bundeskartellamts bis um Nutztiergutachten seien genug Impulse für eine entsprechende Marktordnung herauszulesen, erklärte Dr. Tackmann. Damit das Nutztiergutachten nicht in den Giftschrank wandert will sie eine Enquete-Kommission im Bundestag einrichten: „Für den geforderten Umbau sind viele Details zu betrachten und mit Betroffenen und der Wissenschaft weiter zu diskutieren. Eine Enquete-Kommission ist genau der richtige Ort dafür.“

Lesestoff:

[1] Der Ausweg aus der Billigfalle

[2] Hoher Rohstoffindex setzt Ernährungsbranche zu

[3] Mäßiger Blick auf steigende Düngemittelpreise

[4] Gutachten zur Nutztierhaltung

Roland Krieg

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