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Die richtige Vorbereiterfütterung

Landwirtschaft

DCAB-Analyse und weniger Stroh

Sobald das Kalb geboren ist, startet die Milchproduktion. In den Wochen davor wurde die Kuh „trocken gestellt“. Meist rund 50 bis 60 Tage vor dem Abkalbetermin wird die Kuh nur noch einmal, dann gar nicht mehr gemolken. Da das Tier keine Milch mehr erzeugt, bekommt es in der Regel überwiegend Grundfutter.

Erholung für das Euter

Nach 300 Tagen Melkzeit hat das Rind die Möglichkeit, die Milchdrüse zu erneuern. Im Verdauungstrakt können sich die Pansenzotten zurückbilden und erholen. Das Gewebe erneuert sich vor allem in den letzten beiden Wochen der Trächtigkeit. Die Zitzen werden „verschlossen“, so dass keine Keime eindringen können. Die Trockenzeit ist Erholung für Kuh und Euter, während das Kalb in die letzte Wachstumsphase geht.

Belastung für den Stoffwechsel

Wenn das Rind dann Milch gibt, sind es oft mehr als 40 Kilo am Tag. Ein ungeheurer Stress für den Stoffwechsel, denn mit der Milch gehen pro Liter auch zwei Gramm Calcium verloren. Die hohe Leistung kann zudem nur noch mit Kraftfutter gedeckt werden. Gras und Heu reichen kaum noch aus.

Fütterung in der Vorbereitungszeit

Die Zeit des Trockenstehens ist die Zeit der Vorbereiterfütterung. So wie das Rind ernährt wird, entwickelt sich auch das Kalb. Die Gabe hoher Strohrationen muss überdacht werden, denn Stroh enthält wenig bis keine Energie oder Protein. Die Tiere fressen es in rauhen Mengen, aber nicht nur, weil es ihnen schmeckt,  sondern weil die Nährstoffdichte in der Ration deutlich geringer ist.

Mit dem Milchfluss wird der Stoffwechsel der Tiere auf das Höchste belastet. Das so genannte Milchfieber, auch Gebärparese genannt, ist die am weitesten verbreitete Stoffwechselerkrankung der Kühe im konventionellen und ökologischen Landbau. Nicht nur der Calcium-Haushalt kann in Schieflage geraten, auch der Phosphor- und Vitamin-D-Stoffwechsel sind gestört. Calcium-Mangel bewirkt ein Nachlassen der Muskelkontraktion.

DECAB-Fütterung

Abrupte Futterumstellungen kurz vor der Geburt, hohe Phosphatgehalte und eine ungünstige Kationen-Anionen-Bilanz in der Trockenzeit sind Ursachen für das Milchfieber. Daher wird seit einiger Zeit Wert auf das „DECAB-Prinzip“ gelegt. Dabei geht es um die Ausbalancierung der Anionen Chlorid und Sulfat sowie der Kationen Kalium und Natrium im Futter. In der Fütterung sollte während der Laktation ein positives Anionen/Kationen-Verhältnis von 100 bis 200 Milliäquivalent (meq) pro Kilo Trockenmasse im Futter vorhanden sein. Zwei bis drei Wochen vor dem Abkalben sollte es mit 100 bis 150 meq/kg TM negativ sein.

Landwirte betrachten bei der Vorbereiterfütterung meist die Milchfieberprophylaxe, vernachlässigen aber die nutritiven Aspekte für Rind und Kalb. Protein ist während der Trockenphase wichtig für die Darmentwicklung des ungeborenen Kalbes. Es soll so viel Energie gefüttert werden, dass das Kalb sich gut entwickeln kann, aber nicht so wenig, dass das Rind nach der Geburt „festliegt“.

Futterberatung

Spezialberater wissen, dass es keine allgemeine Lösung gibt, weil jeder Betrieb individuell füttert. Daher ist eine Analyse der vorhandenen Grundfutter für die Vorbereitungsfütterung wichtig und wird mit Hilfe der DECAB-Analyse bewertet. Wie und wird auf Vorrat gefüttert und gibt der Landwirt auch den Trockenstehern Kraftfutter? Bei jedem Grundfutterwechsel muss der DCAB-Wert der Ration neu überprüft und kann bei Bedarf mit Futterzusätzen korrigiert werden.

Lesestoff:

Materialien: Wissenschaftsmagazin Oekolandbau.de, Landwirtschaftsberatung MV, Bundeslehr- und Forschungsanstalt Raumberg in Österreich sowie Beraterinfo der Futtermittelfirma ForFarmers

Roland Krieg

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