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Die schnelle Züchtung

Landwirtschaft

Tilling-Kartoffeln im Herbst geerntet

Von außen sind die inneren Werte nicht zu erkennen. Aber die Kartoffel hat es in sich. Ihre Zellen produzieren reines Amylopektin. Das ist neben Amylose die andere Stärkeform, die nicht nur in der Nahrungsmittelindustrie, sondern auch in der Papier- und Textilindustrie Verwendung findet. Aus der im Herbst erstmals geernteten Kartoffel lässt sich nicht nur Speisestärke für das Binden von Suppen und Desserts gewinnen, sondern auch Kleister und glättende Beschichtungen für die Papier- und Garnherstellung. Die Kartoffel hat aber noch etwas Besonderes: Sie ist die erste, die durch Tilling hergestellt wurde.

Tilling
Tilling steht für „Targeting Induced Local Lesions in Genoms“, erklärt Prof. Dirk Prüfer vom Fraunhofer-Institut für Molekulare und Angewandte Ökologie IME. Mit diesem Züchtungsverfahren helfen die Experten der Evolution auf die Sprünge. Durch Mutation und Selektion verändern sich Tiere und Pflanzen im Verlauf einiger bis vieler Generationen. Der mensch nutzt die natürliche Variabilität seit Jahrtausenden, um ertragsreiche Nahrungspflanzen zu gewinnen.
Die Mutationsrate lässt sich aber auch beschleunigen: „Mit Hilfe von Chemikalien lässt sich schnell eine große Anzahl von Mutanten gewinnen“, beschreibt Joseph Muth vom IME den Prozess. In der Natur löse das Sonnenlicht Veränderungen im Erbgut aus, die Forscher haben mit Chemie nachgeholfen.

Zielpflanzen in kurzer Zeit
Normalerweise entdecken die Züchter die Kreuzungsmutanten erst nach der ersten Vegetationsperiode, wenn Veränderungen überhaupt sichtbar sind. Das IME war im Zeitraffer erfolgreich: Bereits im Labor wurden die ersten Mutanten zum Keimen gebracht und mit Hilfe einer Blattprobe der ersten Keimblätter können die Wissenschaftler das Genom bereits untersuchen. Für die Kartoffel, die ausschließlich Amylopektin produziert mussten 2.748 Keimlinge untersucht werden. Aus diesem entstand dann die erste Amylopektin-Kartoffel, bei der die Amylose-Gene ausgeschaltet sind. Rund 100 Tonnen wurden im Herbst 2009 geerntet. Das Fraunhofer-Institut betont, dass die Tilling-Kartoffeln ganz normale sind, die kein gentechnisch verändertes Material beinhalten.

roRo; Foto: Fraunhofer IME

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