Die Schwarzhalsige Kamelhalsfliege

Landwirtschaft

Insekt des Jahres ist auch ein Nützling

Die Ordnung der Raphidioptera (Kamelhalsfliegen) besteht aus mehreren Arten, die zwischen sechs bis 15 Millimeter groß sind. Sie haben dachförmige durchsichtige Flügel, die sich über einen längeren Hinterleib formen. Die Eier werden meist tief in die Baumrinde gelegt und die Larven entwickeln sich in den Gängen von Borkenkäfern.

Weltweit sind rund 250 Arten bekannt. Dennoch reichen sie in ihrer Geschichte bis auf die Zeit der Dinosaurier zurück. In Mitteleuropa sind bislang nur 16 Arten beschrieben. Eine davon, die Schwarze Kamelhalsfliege hat ihren Namen von einem charakteristischen schwarzen Halsschild und ist schwer zu entdecken, weil sie in der Kronenschicht von Bäumen lebt.

Ein besonderes Beispiel für das Vorkommen von Kamelhalsfliegen liegt im Zentrum von Wien: Umgeben von brausendem Verkehr haben sich auf dem Maria-Theresien-Platz in der österreichischen Hauptstadt in den dort stehenden Kiefern zwei Kamelhalsfliegen-Arten angesiedelt, weiß Dr. Thomas Schmitt vom Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut in Müncheberg. Weltweit einzigartig ist das jährliche Massenauftreten der schlanken Insekten rund um einen mehrere Jahrhunderte alten Bauernhof in Oberösterreich. Auf 800 Metern Höhe hat sich hier eine aus dem Mittelmeerraum eingeschleppte Art niedergelassen, deren geschlechtsreife Tiere jedes Jahr während der Paarungszeit von Mai bis Juli in großer Anzahl zu beobachten sind.

Sämtliche Kamelhalsfliegen sind in allen Lebensstadien Landbewohner. Die geschlechtsreifen Insekten sind tagaktiv und ernähren sich häufig von Blatt- und Schildläusen. Bei einer ausreichenden Populationsdichte können rindenlebende Kamelhalsfliegen-Larven als „Gegenspieler“ von Schadinsekten, wie beispielsweise den Borkenkäfern, nützlich sein. „Trotz ihrer gut entwickelten Flügel sind die Tiere dennoch keine guten Flieger, sondern bewegen sich eher schwirrend, hüpfend oder flatternd und nie über große Strecken“, ergänzt Schmitt die Biologie der Insekten.

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Die staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg beschreibt das Insekt sowohl als Larve und als adultes Tier als räuberischen und guten Nützling in den Weinbergen. Da sie aber lange leben und sich nur langsam vermehren sind sie von Insektiziden besonders betroffen. Oftmals kann ein einziger Insektizideinsatz eine ganze Population vernichten.

Nach Einschlag des Meteoriten vor 66 Millionen Jahren haben die kälteliebenden Kamelhalsfliegen überlebt. Deshalb kommen sie nur auf der nördlichen Hemisphäre vor. Potenziell lebt sie in allen Wäldern und waldähnlichen Gebieten. Die Schwarzhalsige Kamelhalsfliege (Venustoraphidia nigricollis) wurde zum „Insekt des Jahres 2022“ bestimmt.

Roland Krieg; Foto: Harald Bruckner

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