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Die Spin-Doktoren im Agrarbereich

Landwirtschaft

Welche innovativen Projekte funktionieren wirklich?

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Die „Spin“-Doktoren arbeiten im Hintergrund als politische Berater und sollen, so die amerikanische Erklärung, Inhalten „den richtigen Dreh“ verleihen. Damit sie verstanden werden, damit sie Aufmerksamkeit erlangen und vielleicht überhaupt erst wahrgenommen werden. „Spin“ steht aber auch für „Space for innovations in Agriculture“ und ist Teil des Forschungsrahmenprogramms Horizon 2020. Die deutschen Spin-Doktoren kommen von der Universität Hohenheim.

Um was geht es?

Die Bauernblätter sind voll mit neuen Anbaumethoden, wie Quinoa als neue Einkommensquelle, Strip-Till, der Bodenbearbeitung in Streifen mit maximaler Bodenruhe, oder einer neuen Ausgestaltung von Schweinställen. Eigentlich könnten sich die europäischen Landwirte jährlich mit einer neuen Idee beschäftigen, halten sich aber aus ökonomischen Gründen erst einmal zurück. Viele Ideen entwickeln ihr ökologisches und ökonomisches Potenzial nicht gleich zu Beginn. Viele Innovationen verschwinden wieder, weil deren Umsetzung auf persönlichen Interessen basiert und nur gelegentlich setzt sich ein Musterbeispiel durch. Um diesen Prozess zu beschleunigen untersuchen europäische Institute, Universitäten und Verbände innovative Ideen und arbeiten die Erfolgsgründe heraus.

Best Practise

Best Practise heißt das Zauberwort. Aus insgesamt 12 Regionen Europas werden Fallbeispiele, die bereits einige Zeit am Markt sind zusammen getragen und analysiert. „Der Innovationsprozess muss schon eine Weile erfolgreich praktiziert werden, es müssen mehrere Akteure beteiligt sein“, sagt Prof. Dr. Andrea Knieriem von der Universität Hohenheim. Die Palette an Beispielen reicht von Lettland bis nach Spanien, von Irland bis nach Rumänien, sie beschäftigen sich mit Aspekten des Bioanbaus, des Tierwohls, dem Umweltschutz oder der sozialen Inklusion.

Alternative Schweinehaltung

Auch in den Niederlanden müssen sich Schweinehalter nicht nur am Markt bewähren, sondern zunehmend auch die Wünsche der Bevölkerung an das Tierwohl berücksichtigen. In den Dörfern selbst sieht die Bevölkerung die intensive Schweinehaltung immer kritischer. Schweinehalterin Marijke Nooijen hat daher, nach intensiven Gesprächen mit Kunden und Nachbarn, eine kombinierte Freilandhaltung für die Tiere entwickelt. „Um den notwendigen Preis zu erzielen, hat sie unter dem Konzeptnamen Vair Varkenshuis ein neues Vermarktungssystem aufgebaut: Das Fleisch vermarktet sie nun direkt in die Stadt und an Michelin Restaurants“, erklärt Prof. Dr. Knierim.

Quinoa-Produktion in den Niederlanden

Auf der Suche nach alternativen Proteinquellen für die Tierhaltung hat Landwirt Rens Kuijten das südamerikanische Quinoa entdeckt. Dessen Anbau erwies sich in den Niederlanden aber als nicht sehr ertragreich. Landwirt Kuijten ließ sich davon nicht abschrecken. Er stellte fest, dass es im Lebensmittelbereich einen Markt für das proteinreiche Getreide gibt. „Heute managt er mit der „Dutch Quinoa Group“ ein ganzes Netzwerk von Landwirten und hat andere Landwirte unter Vertrag. Im Jahr 2014 bauten in den Niederlanden 13 Betriebe auf insgesamt 33 Hektar Quinoa an“, berichtet die Expertin.

Das Ziel

Nach qualitativer und quantitativer Analyse der einzelnen Projekte sollen am Ende konkrete Empfehlungen für alle Netzwerkakteure und darüber hinaus entstehen. Videomaterial und ein Handbuch sollen Berater die gezielte Weitergabe der Erfolgsfaktoren und damit die Umsetzung einer Idee beflügeln.

Lesestoff:

http://agrispin.eu

Roland Krieg, Foto: Webseite

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