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Dioxin in niederländischen Futtermitteln gefunden

Landwirtschaft

Belastete Tonerde aus Rheinland-Pfalz

>Niederländische Behörden haben über das europäische Schnellwarnsystem über Dioxinbelastungen in Futtermitteln aus einem holländischen Unternehmen informiert.
Das Unternehmen stellt Kartoffelprodukte her und verwendet als Hilfsstoff zum Trennen der Kartoffeln das Tonmineral Kaolinit. Dieses ist mit Dioxin belastet. Zur Zeit gehen die Behörden davon aus, dass das Kaolinit in den Bestandteilen vorhanden ist, die als Nebenprodukte zu Futtermittel verarbeitet werden: aussortierte Kartoffeln, Kartoffelschalen und -stücke. Die hergestellten Kartoffelprodukte selbst zeigen nach niederländischen Angaben keine Verunreinigung.
Im Nachbarland wurden 162 Betriebe geschlossen, die von dem Kartoffelunternehmen mit den Futtermitteln beliefert wurden. In Belgien wurden acht Betriebe und in Nordrhein-Westfalen noch am Mittwochabend drei Mastbetriebe geschlossen. Bereits am 1. November haben die niederländischen Behörden über die Feststellung von erhöhten Dioxingehalten in Milch berichtet. Von den 70 Proben lag eine über dem Grenzwert. Daraufhin wurde die Ursachenermittlung eingeleitet, die jetzt zur Aufdeckung der Futtermittelbelastung geführt haben.
Alexander Müller, Staatssekretär im Bundesministerium für Verbraucherschutz gestern in Berlin: "Wieder einmal sind unsachgemäß hergestellte Futtermittel Ausgangspunkt für ein Lebensmittelproblem. Auch wenn auf eine akute Gesundheitsgefahr zur Zeit keine Hinweise vorliegen: Dioxine haben weder in Futtermitteln noch in Lebensmitteln etwas zu suchen. Die niederländischen Behörden sind gefordert, diesen Fall streng zu ahnden. Darüber hinaus zeigt sich, wie wichtig eine Positivliste für Futtermittel ist, wie sie von uns seit Jahren in Brüssel gefordert wird."
Die in NRW betroffenen Betriebe betreiben Bullenmast mit insgesamt rund 2.000 Tieren. Verbraucherschutzministerin Bärbel Höhn: "Das Fleisch der mit dioxinbelastetem Futter gefütterten Tiere muss nun untersucht werden, um festzustellen, wie stark das Rindfleisch möglicherweise belastet ist. Ich habe sofort veranlasst zu klären, wie es möglich ist, dass wieder Kaolinit-Tonerde aus Rheinland-Pfalz in Futtermittel auftaucht, obwohl die rheinland-pfälzischen Behörden nach einem ähnlichen Skandal vor einigen Jahren Kaolinit-Tonerde im Futtermittel verboten haben."

Gleiche Quelle wie vor fünf Jahren?
Dieser niederländische Betrieb setzte seit Anfang August 2004 für die Kartoffelsortierung als Trennhilfe Kaolinit-Tonerde ein, die aus einem rheinland-pfälzischen Betrieb stammt. Die niederländischen Kontrolleure ermittelten eine Dioxinbelastung von 910 Nanogramm pro Kilogramm Kleie. Der zugelassene Grenzwert für Kaolinit-Tonerde liegt hingegen bei 0,75 Nanogramm pro Kilogramm.
Kaolinit ist ein Tonmineral mit der Summenformel Al4Si4O10(OH)8. Der Name des Minerals stammt aus China und leitet sich von der Stadt Gaoling in der Provinz Jiangxi ab. Kaolinit wurde in China bereits seit dem 6. Jahrhundert zur Porzellanproduktion genutzt und ist heute noch Bestandteil verschiedener Kosmetika.
Vor fünf Jahren bereits gelangte Kaolinit in die Schlagzeilen, weil die Tonerde aus Gruben in Rheinland-Pfalz gewonnen wird, die mit Dioxinen schwer belastet sind. Kaolinit dient bei Mischfuttermitteln als Bindemittel, weswegen Futtermittelhersteller das Tonmineral beziehen. Damals berechnete das Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV), dass bei einer Belastung von 500 Pikogramm Dioxin pro Gramm Tonerde im Futtermittel der Wert 10 Pikogramm pro Gramm zu erwarten ist, weil diese Tonerde bis zu 2 Prozent zum Futtermittel beigemischt werden darf. Das BgVV wörtlich: "Diese Konzentration ist aus Sicht des vorbeugenden Verbraucherschutzes unerwünscht." Zu klären bleibt, ob die pfälzische Tongrube durch die Allgemeinbelastung Dioxinverseucht ist, oder ob dort gezielt Abfälle gelagert werden.

Dioxine
Dioxine sind korrekt bezeichnet polychlorierte Dibenzodioxine (PCDD) und -furane (PCDF). Dioxine bezeichnen eigentlich eine bereits große Stofffamilie, die aus 75 PCDD und 135 PDCF besteht. 17 Verbindungen weisen Chloratome in bestimmten Ringpositionen auf. Diese planare Struktur macht die Stoffe akut und chronisch toxisch. Das der Weltöffentlichkeit bekannteste Dioxin ist das 2,3,7,8-Tetrachlor-Dibenzodioxin: Es ist das "Seveseo-Gift". Herd-und-Hof.de berichtet am 07.09.2004 über den an der Technischen Universität stattgefundenen Dioxin-Kongress.

roRo

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